Jetzt ist die Heßler-Orgel dran

Kirchenmusikdirektorin Katja Kanowski und Pastor Dirk Homrighausen demonstrieren: Ein schweres Chorbuch kann die Tasten nicht herunterdrücken
Kirchenmusikdirektorin Katja Kanowski und Pastor Dirk Homrighausen demonstrieren: Ein schweres Chorbuch kann die Tasten nicht herunterdrücken

Kirchengemeinde St. Nicolai setzt Sanierungsprozess fort / Förderverein hilft und sucht neue Vorstandsmitglieder

shz.de von
19. April 2018, 12:23 Uhr

Mit inzwischen 125 Mitgliedern hat sich der Förderverein der St.-Nicolai-Kirche zur Aufgabe gemacht, das Kirchengebäude und die Kunstschätze in St. Nicolai mit seinen Beiträgen und Spenden zu unterstützen. Der Förderverein besteht bereits seit 15 Jahren und hat in dieser Zeit mit namhaften Beträgen bei der Restaurierung vieler Epitaphien und bei umfangreichen Renovierungsarbeiten an der Kirche mitgeholfen. Als jüngstes Beispiel nannte Schriftführerin Ingrid Satriep die Arbeiten am großen Kirchendach. Rund 20 Mitglieder und Gäste waren am Mittwochabend in die Nicolai-Kirche gekommen, um an der Mitgliederversammlung teilzunehmen.

Bei seinem Grußwort brachte Pastor Dirk Homrighausen strahlend seine Freude über alle bisherigen, sehr gelungenen und werterhaltenden Arbeiten an der Kirche zum Ausdruck. Er lobte das umsichtige Wirken der beiden Restauratorinnen Ursula Lins und Uta Lemaitre. Als Vorsitzender des Kirchengemeinderats dankte Homrighausen dem Förderverein für sein großes, gleichbleibendes Engagement und freut sich auf die bessere Beleuchtungsanlage im Kirchenraum. Sie soll im Zuge der allgemeinen Renovierungsarbeiten im nächsten halben Jahr eingebaut werden.

Nach dem Jahresrückblick, dem Kassenbericht und der Entlastung des Vorstandes standen Wahlen an. Der in der Ruhestand gewechselte Pastor Manfred Adam gab sein Amt als 1. Vorsitzender ab, eine Nachfolge ist noch nicht in Sicht. So übernimmt der neu gewählte 2. Vorsitzende, Roland Otto, kommissarisch die Führungsposition, bis ein Nachfolger gefunden ist. Auch Schriftführerin Ingrid Satriep bleibt kommissarisch im Amt, weil auch für diese Position kein Kandidat zu finden war. Kassenwart ist Andreas Bock.

Was plant der Verein? Übernahme der Reinigungskosten im Kirchenraum, neue Postkarten, neue Flyer, Förderung von Kirchenwächtern, Übergabe von 10 000 Euro an die „Stiftung Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler“, Unterstützung für die Heßler-Orgel.

Auf diesem kostbaren Instrument von 1762 – geschätzter Wert ca. 1,3 Millionen Euro – hatte Kirchenmusikdirektorin Katja Kanowski bereits zu Beginn des Abends Musik von Buxtehude gespielt. Zum Ende der Versammlung sprach sie über den Zustand der Orgel, über Renovierungsplanungen in drei Schritten und die voraussichtlichen Kosten in Höhe von 100 000 Euro. „Seit 24 Jahren habe ich unsere Orgel klaglos gespielt“, sagte Kanowski, aber der Tastendruck sei einfach zu stark. So habe eine Klaviertaste einen Druck von 100 Gramm, die Heßler-Orgel hingegen einen von 300 bis 400 Gramm. „So ein extrem schwergängiger Tastendruck ist höher als gesundheitlich erlaubt.“ Die Orgelbaufirma Mühleisen aus Stuttgart will nun die Windversorgung der drei Manuale mit einem zusätzlichen Balg verbessern. Die Windlagen – Kästen, auf denen die Pfeifen stehen –, sind sperrig und unbeweglich. „Der Weg von der Taste bis zum Ventil ist zu lang“, sagt Katja Kanowski. Eine zusätzliche Kopplung und elektronische Unterstützung per Knopfdruck müssen her. Dann kann man das aufgerüstete, wertvolle Instrument guten Gewissens an die folgenden Generationen weitergeben. Die Orgelrestaurierung soll im Frühjahr 2019 beginnen.

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