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Nachnutzung des Altenheims : Jetzt doch: Suchthilfezentrum in Gettorf

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Brücke will an Korsakow-Syndrom erkrankte Menschen im ehemaligen Altenheim unterbringen. Kaum Widerstand unter den Anwohnern.

Gettorf | Nun also doch: Die Brücke Rendsburg-Eckernförde, 1984 als Verein zur Förderung der seelischen Gesundheit gegründet, wird als Eigentümerin des Gebäudes das ehemalige Altenheim am Hainweg zu einer vollstationären Suchthilfe-Einrichtung umbauen. In dem Wohnhaus sollen in 24 Einzelzimmern infolge übermäßigen Alkoholkonsums mehrfach chronisch erkrankte Menschen und am Korsakow-Syndrom Erkrankte, eine Art Demenz infolge Alkoholmissbrauchs, betreut werden. Doch anders als vor fünf Jahren, als schon einmal ähnliche Pläne vorgestellt wurden, regte sich in der Einwohnerversammlung am Mittwoch im Hotel Stadt Hamburg kaum Widerstand. „Das Thema ist nicht neu. Es stand vor fünf Jahren schon mal auf der Agenda“, merkte Bürgermeister Jürgen Baasch an. Damals sei das Aufbegehren groß gewesen, Ängste seien geschürt worden. Die Gemeinde und das Amt hätten andere Vorstellungen zur Nutzung des Gebäudes, fügte er hinzu. Doch daraus sei nichts geworden. Die jetzt geplante Nutzung sei nach dem städtebaulichen Vertrag zwischen Gemeinde und Brücke möglich. „Wir sind gebunden, dem Rechnung zu tragen.“

Zuvor hatte Frank Manzke, Bereichsleiter der Brücke Rendsburg-Eckernförde, das Nutzungskonzept für das Gebäude vorgestellt. Danach ist die vom Kreis getragene Einrichtung für Menschen gedacht, die in allen Belangen Unterstützung brauchen. Tagesstruktur gebende Angebote sollen ihnen helfen, ihre Gesundheit zu verbessern, zumindest aber dazu beitragen, dass kein weiterer gesundheitlicher Abbau stattfindet. Sozialpädagogen, Erzieher und Krankenpfleger kümmern sich 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche um die Bewohner.

Man will sich hier auch dem demografischen Wandel stellen. „Auch unser Klientel wird immer älter“, erklärte Frank Manzke. „Es geht um Vereinsamung und darum, die eigenen Belange nicht mehr regeln zu können.“ Mehrfach betonte er das besondere, in Schleswig-Holstein einzigartige Konzept, das er „Sozialraum orientierte Beheimatung“ nennt. Wenn Bewohner dieses Wohnhauses pflegebedürftig werden, müssten sie nicht ihr gewohntes Umfeld verlassen, sondern können in die Pflegeinrichtung nebenan wechseln. Der Umbau soll Mitte Mai beginnen und Ende September, Anfang Oktober enden. Das Angebot sei auf zwölf Jahre mindestens angelegt, ergänzte Frank Manzke auf Nachfrage. Danach seien Abriss und Neubau geplant.

Anwohner Karl-Heinz Streiter meldete sich zu Wort. Er hätte dort lieber eine Wohneinrichtung für Senioren gesehen. Korsakow sei nicht unbedingt ein Problem, sagte er. Doch aus dem benachbarten, neuen Seniorenwohnheim sei mittlerweile ein Pflegeheim geworden. „Es gibt eine Warteliste von über 20 Personen, die nicht aufgenommen werden können.“ Die alten Leute müssten nach Kiel, Rendsburg oder Eckernförde. „Warum vergibt man hier die Chance, das exzellente Seniorenpflegeheim zu einem sozialen Zentrum zu erweitern, für die, die später Pflege brauchen“, fragte er. „Es fehlt in Gettorf an Betreutem Wohnen, an Kurzzeitpflege, an Tagespflege. Man müsse dringend für die Alten in Gettorf etwas tun. Dass nicht genug für die Alten getan wird, sei ein strukturelles Problem, wandte Amtsdirektor Matthias Meins ein. Als Jurist war ihm wichtig zu betonen, dass das, was dort nun stattfände, dem städtebaulichen Vertrag und der Bauleitplanung entspreche und damit dem, was die Gemeinde vor fünf Jahren beschlossen hatte. Der Bauantrag sei gestellt und werde demnächst genehmigt. Eine Beschränkung in der Zeit liege nicht vor.

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