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Eckernförder Zeitung

17. Oktober 2017 | 21:28 Uhr

Interview : „Jedes Album hat seine Zeit“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Yvonne Catterfeld im Interview mit EZ-Jugendredakteurin Michelle Ritterbusch. Die Sängerin besuchte das Studio von R.SH

shz.de von
erstellt am 07.Dez.2013 | 07:14 Uhr

Dein neues Album heißt „Lieber So“. Das klingt ziemlich nach einen Statement: „Lieber so und nicht anders.“ Du bist auch musikalisch ziemlich weit weg von deinen ersten Songs. Kann man das Album als einen Neustart sehen?

Ich sage natürlich bei jedem Album: Es ist ein Neustart, weil es das für mich auch immer ist. Jedes Album hat seine Zeit und jedes Album steht für eine bestimmte Entwicklung von mir. Dieses Album ist natürlich die weiteste Entwicklung. Es ist nicht alles anders als vor zehn Jahren, weil es sich Schritt für Schritt auch dahin entwickelt hat. Es ist die logische Konsequenz von vielen Entscheidungen und deswegen war es ganz klar: lieber so und nicht anders. Ich habe lange nach dem perfekten Albumnamen gesucht und habe mich dann für das Naheliegendste entschieden - einfach „Lieber so“? Es gibt ja auch einen Song, der so heißt, der bei allen immer total gut ankommt. Gerade die Männer im Studio, die Musiker, fahren voll auf „Lieber So“ ab. Daher dachte ich mir: „Gut, dann ist das jetzt der Albumname.“

Du singst jetzt tiefer. Wie kamst du darauf und warum machst du das?

Ich wollte eigentlich schon immer tiefer singen. Ich habe noch Aufnahmen von meiner Hochschulzeit, damals habe ich schon relativ tief gesungen. Viele haben das als den Catterfeld-Sound bezeichet. Auf dem letzten Album habe ich mich gesanglich etwas zurückgenommen, auf Schnörkel und alles, was extra ist, verzichtet. Ich bin aber nicht in die Kraft gegangen. Irgendwann habe ich das vermisst. Ich habe öfters am Flügel gesessen, etwas gespielt und gehört, dass da noch eine andere Kraft ist, die ich so noch nicht eingesetzt habe. Das hat natürlich auch etwas mit der deutschen Sprache zu tun. Es ist für mich wesentlich schwieriger das auf Deutsch rüberzubringen als auf Englisch. Ich musste erstmal einen Weg finden, diese Kraft, die ich eigentlich in der Stimme habe, vollständig zu nutzen. Im Prozess des Albums war es dann auch notwendig, weil die Texte in eine ganz eindeutige Richtung gehen. Das ganze Album ist sehr selbstbewusst, kraftvoll und „erdig“. Daher war ganz klar: Ich muss das tiefer machen.
Wie würdest du dein Album beschreiben?

Mir fällt das total schwer. Ich bin froh, wenn andere das für mich tun. Ich freue mich über jede Rezension, die ich lese und bei der ich sage: „Ja, der hat den Nagel auf den Kopf getroffen.“ Ich habe gerade eine Amazon-Kritik gelesen, die ich wirklich richtig, richtig schön fand. Der Mann hat so tolle Worte gefunden. Er meinte, es wäre Ladies-Pop im Sinne von Adele und Emeli Sandé. Aber wer das hört, würde sich wahrscheinlich nicht Yvonne Catterfeld kaufen. Und er hat geschrieben, ich würde dem Mainstream die Zunge rausstrecken. Ich weiß es nicht. Ich finde das Wort „Ladies-Pop“ganz schön. Das Wort „emanzipiert“ mag ich nicht so sehr, das hat manchmal einen gewissen Beigeschmack. Ich achte sehr darauf, in meinen Texten nicht mit erhobenem Zeigefinger dazustehen. Schuldzuweisung mag ich persönlich gar nicht. Es steht immer eine Eigenverantwortlichkeit dahinter. Ich kann mein Album nicht wirklich beschreiben. Es ist ein bisschen Soul, es ist Pop, aber es ist trotzdem sehr akustisch, sehr erdig und ein bisschen Retro.

Du hast ein Drittel der Lieder selbst geschrieben. Was war dir besonders wichtig bei den Liedern?

Ich habe generell großen Einfluss auf jeden Song gehabt und habe immer darauf geachtet, dass es nie zu einseitig wurde. Wenn es sehr melancholisch oder auch manchmal düster wird, geht es immer wieder in eine Kraft in etwas Positives und bietet eine Alternative, einen Ausweg. Sonst wäre das Album, glaube ich, sehr düster geworden. Gestern sagte auch schon jemand, dass er sich vier Songs nicht anhören kann, weil die ihn so runterziehen. Und das, obwohl ich in die Kraft gehe. Das Album hat Tiefgang. Es ist nicht einfach nur oberflächlich, nach dem Motto „Alles ist schön“. Es geht auch um Krisen und um Situationen, in denen man eben nicht so glücklich ist und nicht alles „tra-la-la“ist. Auch musikalisch passt es perfekt. Mein Produzent hat natürlich einen sehr großen Anteil daran, wie das Album jetzt klingt. Wir haben zum ersten Mal zusammengearbeitet, aber es hat von Beginn an perfekt gepasst. Er weiß einfach genau, was ich mag.

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