MALEREI VEREINT KÖRPER UND GEIST : Jeder Pinselstrich macht glücklich

Fatemeh Alizatehnia an ihrer Staffelei im Wohnzimmer.
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Fatemeh Alizatehnia an ihrer Staffelei im Wohnzimmer.

Seit knapp einem Jahr lebt die iranische Künstlerin Fatemeh Alizatehnia in Eckernförde. Im Februar stellt sie vier Wochen lang in der Förde Sparkasse aus.

shz.de von
25. Januar 2017, 05:32 Uhr

Ihr Atelier ist das kleine Wohnzimmer. In der Nähe des Fensters hat Fatemeh Alizatehnia ihre Staffelei aufgestellt. Ein Beistelltisch dient als Ablage für Pinsel und Farbpaletten. Hier verbringt die 41-Jährige viele Stunden am Tag. „Ich male, um glücklich zu sein“, sagt die Künstlerin, die vor rund einem Jahr aus dem Iran nach Eckernförde gekommen ist. Fatemeh Alizatehnia ist ihrem Mann Morteza Rajabi (51) gefolgt, der vor sechs Jahren ins Ostseebad gekommen ist. Seit vier Jahren sind sie miteinander verheiratet. Drei Jahre hat Fatemeh in Teheran gewartet, bis sie eine Ausreisegenehmigung nach Deutschland bekommen hat.

In Teheran hat Fatemeh Kunst studiert. Ihr Metier ist die realistische Malerei. Viele ihrer Werke – ein Teil der Bilder sind in der Wohnung des Ehepaars zu sehen – zeigen unter anderem Menschen, deren Antlitz ihrer Fantasie entsprungen sind. Manchmal dient eine Fotografie oder ein Bild in einer Illustrierten als Vorlage. Oder sie hat draußen auf der Straße Menschen beobachten können, die sie inspirieren.

Die zierliche Iranerin liebt das Detail. Jeden noch so feinen Pinselstrich setzt die 41-Jährige vollkommen auf die Leinwand. Sie verwendet Öl- und Aquarellfarben. Ein Bild zeigt eine Szene aus vergangenen Zeiten. Damen, gekleidet in opulenten Kleidern und Hüten, verweilen in einem Salon. Allein der Vorhang vor dem großen Fenster ist in seiner unterschiedlichen Farbgebung und in seiner Schattierung ein Beispiel für Fatemehs Kunst. „Die Malerei vereint Körper und Geist“, ist sich die Neu-Eckernförderin sicher. Aus ihr bezieht sie Kraft und Sicherheit. „Sie muss einfach malen“, bestätigt ihr Mann Morteza Rajabi. Er arbeitet im Gastronomiebereich.

Um den Bildern, die in Öl gemalt sind, einen feinen Glanz zu geben, verwendet Fatemeh ein Spray, das die Farben zum Leuchten bringen. Ihre Leinwand ist häufig mit einem samtartigen Stoff bezogen, dadurch gewinnen ihre Bilder eine neu anmutende Struktur – Linien erscheinen anders. So bei Werken, die Pferde zeigen. Die Tiere sind eines ihre Lieblingsmotive. Auf einem Bild stellt die Iranerin sie als müde und erschöpfte Wesen dar – eine ungewöhnliche Darsellung in der Malerei.

In ihrem Heimatland ist die Miniaturmalerei Tradition. Fatemeh Alizatehnia hat diese Tradition mit ins kalte Norddeutschland gebracht. Blumen gehören ebenfalls zu ihren Lieblingsmotiven – der Iranerin fällt es nicht schwer, in der Winterzeit einen üppig blühenden Strauß zu malen – Aquarellfarben im feinsten Pinselstrich sind zu sehen.

Wenn sie nicht malt, lernt die 41-Jährige fleißig die deutsche Sprache. Ihr großes Ziel: Als Kunstlehrerin an einer Schule arbeiten zu dürfen.

Im Ostseebad ist die Iranerin als Künstlerin bereits in Erscheinung getreten. So hat sie als Gast an einer Ausstellung in der Galerie Carlshöhe teilgenommen. In Kürze haben die Eckernförder die Möglichkeit, ihr Werk ausführlicher zu betrachten. Im Februar stellt Fatemeh Alizatehnia in der Förde Sparkasse aus. Die Bilder sind vier Wochen lang zu sehen.

In Eckernförde fühlt sich das Paar sehr wohl – trotz des vergleichsweise kalten Klimas. Es sei eine schöne kleine Stadt mit vielen netten Leuten, sagt die Iranerin in einem bestechend guten Deutsch. Ausländerfeindlich sei ihnen hier niemand bislang begegnet. Sehr hilfreich sei auch der Umstand, dass im Ostseebad und in der Umgebung viele Künstler lebten. Zu einigen von ihnen habe sie bereits Kontakte knüpfen können.

Kinder hat das Ehepaar nicht. Zur Familie im Iran halten die beiden engen Kontakt. Jede Woche telefoniert Fatemeh mit Vater und Schwester. Natürlich vermisse sie ihre Familie, aber für sie sei immer klar gewesen, dass sie ihrem Mann nach Deutschland folge, um mit ihm hier ein gemeinsames Leben aufzubauen.

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