Pflanzenzucht in der Stadtgärtnerei : „Jeder fängt mal klein an“

Die Primeln aus dem Gewächshaus in der Stadtgärtnerei werden in Kürze in die öffentlichen Beeten eingepflanzt. Fotos: Kühl
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Die Primeln aus dem Gewächshaus in der Stadtgärtnerei werden in Kürze in die öffentlichen Beeten eingepflanzt. Fotos: Kühl

Im Gewächshaus der Stadtgärtnerei Eckernförde werden Frühjahrsblüher und Sommerpflanzen zur Verschönerung der Stadt herangezogen. Stiefmütterchen werden gepflanzt.

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14. März 2018, 06:09 Uhr

Eckernförde | Der Rücken muss schon intakt sein, sonst ist die gebückte Pflanzhaltung nicht lange durchzuhalten. Die Kolonne „Mitte“ mit Anja Schöning, Nina Dreeßen, Franziska Bickel, Rainer Mewes und Jan Stridde hat gestern damit begonnen, den Kurpark mit den frisch gezogenen Stiefmütterchen zu bepflanzen und den Frühling in die Stadt zu bringen. Das Beet um den großen Anker vor der Konzertmuschel beginnt schon gelb-violett zu leuchten. Sogar Pflanzmuster hat die „Kreativabteilung“ angelegt: Die Stiefmütterchen-Beete im Kurpark sind in Form von Schmetterlingen bepflanzt worden.

Die Zeit der Stiefmütterchen ist allerdings begrenzt. Schon Ende Mai kommen sie in den Kompost und werden durch die Sommerblumen ersetzt, die aber erst nach den Eisheiligen gepflanzt werden – „da sind wir konservativ“, sagt Stadtgärtnerin Susanne Jagemast. Und die werden gerade im Treibhaus der Stadtgärtnerei im Lützowweg für das Auspflanzen vorgezogen: Begonien, Silberblatt, Löwenmäulchen und viele andere. „Wir sind hier schon ein Vierteljahr weiter“, sagt Susanne Jagemast, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Dienstjubiläum in der Stadtgärtnerei feiert und sich zusammen mit ihrem neuen Kollegen Florian Hansen liebevoll um die Zierpflanzen im Gewächshaus kümmert. Gerade pikiert (vereinzelt) sie die nur wenige Millimeter kleinen, hauchzarten Setzlinge des Silberblatts. Kaum zu glauben: Jeder dieser Sämlinge wird eigenhändig aus der Anzuchtschale in eine etwas größere Multitorfplatte gepflanzt, nachdem die Pflanzenexpertin mit einen spitzen Pikierstab ein Miniaturloch für die haarfeinen Wurzeln vorbereitet hat. „Jeder fängt mal klein an“, sagt Susanne Jagemast, die mit bewundernswerter Geduld ein Pflänzchen nach dem anderen umsetzt. Daraus werden in einigen Monaten stabile Pflanzen, die in den Beeten für silbrigen Glanz sorgen.

Doch jetzt ist die Zeit der Stiefmütterchen und Primeln, die im öffentlichen Grün für eine bunte Frühjahrspracht sorgen sollen. Die 19 Mitarbeiter bekommen in den nächsten Tagen und Wochen reichlich zu tun: Allein 25 000 Stiefmütterchen in den Stadtfarben gelb und blau-violett stehen zum Einpflanzen bereit. „Die müssen bis Ostern in die Erde, diesen Ehrgeiz haben wir“, sagt Susanne Jagemast. Zum Abhärten haben die Gärtner die Stiefmütterchen für einen Tag und eine Nacht nach draußen gestellt. Im benachbarten, offenen Folientunnel ist es schon deutlich frischer als im Gewächshaus. Auch dort warten auf der einen Seite unzählige Stiefmütterchen auf ihren Einsatz in der Stadt. Lionel Müller und Florian Hansen topfen die kleinen Pflanzen aus und stellen sie für den Abtransport in Pflanzkisten bereit. „Wir haben es uns rückenfreundlich gemacht und die Arbeitsfläche leicht angeschrägt“, sagt Lionel Müller.

Die Stiefmütterchen können ordentlich was ab und sind die ersten Pflanzen, die nach dem Winter gesetzt werden. Die Fragen besorgter Bürger gestern im Kurpark, ob es denn nicht zu früh zum Pflanzen ist, konnten Anja Schöning und Co. getrost mit „Nein“ beantworten. Zu den typischen, aber etwas frostempfindlicheren Frühjahrsblühern zählen auch die bunten Primeln, Bartnelken, Goldlack oder der Islandmohn, der gelb über orange bis rot blüht. Gepflanzt wird überall dort, wo öffentliches Grün zu finden ist – vom Kurpark bis zum Lornsenplatz, vom Bürgerpark bis zur Verkehrsinsel.

Die Anzucht der Pflanzen und Stauden, das Bestücken und Pflegen der Beete ist nur eine von vielen Tätigkeiten der Stadtgärtnerei, die das gesamte Jahr über von der Baumpflege über die Stadthallen-Deko bei Green Screen bis hin zur Unterstützung des Bauhofs beim Winterdienst unermüdlich im Einsatz ist.

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