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Eckernförde : Jede Mütze zählt – Inventur zwischen Schals und Bonbons

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Jetzt ist die Zeit der Bestandsaufnahme: Die Geschäftsleute zählen ihre Waren, um zu wissen, ob ihre Rechnung hinhaut. Für Hermann Wolter vom Textilgeschäft Krafft Lorenzen bedeutet das, 10.000 Waren aufzunehmen.

shz.de von
erstellt am 04.Jan.2014 | 07:29 Uhr

Die Zeit der Inventur ist da: Gute Augen, flinke Finger und vor allem eine sorgfältige Vorgehensweise sind jetzt bei vielen Geschäftsleuten gefragt. Einige haben die Bestandsaufnahme aller Waren schon hinter sich gebracht, andere haben sie noch vor sich. Jede Grußkarte, jedes Taschentuch und jede Garnrolle muss in die Hand genommen und gezählt werden, um am Ende des Geschäftsjahres den Wert des Warenbestandes in die Bilanzrechnung aufnehmen zu können.

„Geschäftsleute sind nach dem Einkommenssteuergesetz dazu verpflichtet, die Inventur durchzuführen“, sagt Hermann Wolter jr., Inhaber des Eckernförder Traditionsunternehmens „Krafft Lorenzen“ in der Langebrückstraße. Zum einen ist die Aufnahme des Warenbestandswertes als Voraussetzung für eine ordentliche Buchführung für das Finanzamt interessant. Denn bei nicht ordnungsgemäßer Buchführung kann es den Gewinn teilweise oder vollständig schätzen.

Zum anderen aber hat auch der Geschäftsinhaber selbst ein Interesse: „Wir liegen immer ziemlich gleich“, sagt Hermann Wolter, „aber es gibt auch Geschäftsleute, die sich über ein gutes Jahr freuen und nach der Inventur feststellen, dass dem dann doch nicht so war.“

Das Zählen oder Wiegen der Waren ist allerdings eine zeitliche Belastung. „Meine Frau und ich haben die Inventur zwischen Weihnachten und Neujahr erledigt“, so Wolter. Eine Person hätte 30 Stunden dafür gebraucht. Das meiste haben sie an freien Tagen ohne Kundenverkehr aufgenommen, aber auch während der Geschäftszeiten gezählt. Das ist dann eine besondere Herausforderung: „Jede einzelne Ware muss in die Hand genommen werden. Und was schon gezählt ist, bekommt einen Klebezettel, damit man nicht durcheinanderkommt.“ Eine großer Zeitaufwand bei rund 10 000 Einzelartikeln. Erst recht, wenn zusätzlich die Kundschaft bedient werden will, die auch noch die ein oder andere Frage zu dem Traditionsunternehmen hat. „Das Geschäft wurde 1852 gegründet“, sagt Hermann Wolter dann zwischen ungezählten Mützen und schon gezählten Pullovern. „Die Zahl ist leicht zu merken: Wie eine Seemeile, die 1852 Meter hat.“ Spricht’s und notiert weiter, wieviele Schals im Regal liegen. Die Kundschaft weiß es zu schätzen, wenn sich der Chef diese Zeit nimmt. „Ich finde den Laden super, einfach urig“, sagt Sigune Schumacher aus Hamburg, die auf Empfehlung einer Freundin zum ersten Mal hergekommen ist.

Die Inventur nutzen Hermann Wolter und Ehefrau Kirsten jedes Jahr gleichzeitig für den Frühjahrsputz: Jedes Regal, jede Ecke des Geschäfts wird gründlich gereinigt. Das Langwierigste jedoch ist das Zählen der Klein- und Kurzwaren. Hermann Wolter: „Jedes Taschentuch und jeder Hosenträger muss einzeln erfasst werden.“

Da kann Heike Herbst von der Bonbonkocherei nur müde lächeln. Jede Praline muss bei ihr gezählt, jedes Stück Schokolade abgewogen werden. Das passiert während des Betriebsurlaubs, der am 6. Januar beginnt. Zwei Tage haben sie dafür mit fünf Leuten zu tun. Doch die Berge an Bonbons machen ihr und ihrem Mann Hermann Hinrichs keine Angst: Bei der Inventur ist nämlich auch eine Schätzung mit anschließender Bewertung erlaubt, wenn eine exakte Aufnahme wirtschaftlich unzumutbar oder unmöglich ist.

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