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willkommenskultur für flüchtlinge : Jede helfende Hand wird gebraucht

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Über 100 interessierte Bürger nahmen an der Informationsveranstaltung des Flüchtlingsbeirates im Amt Hüttener Berge teil. Für 28 Asylbewerber wird noch Wohnraum gesucht.

Der Raum im Dörpshus platzte aus allen Nähten – so groß war die Resonanz auf die Einladung des neu gegründeten Flüchtlingsbeirats des Amtes Hüttner Berge (wir berichteten). Die Vorsitzende, Christiane Ostermeyer, begrüßte am Mittwochabend über 100 Interessierte, die sich über das Projekt „Helfende Hand“ informieren wollten. Es gehe um die Schaffung einer Willkommenskultur, die den Flüchtlingen auf Dauer ein selbstbestimmtes Leben in ihrer neuen Welt ermöglichen solle, so Ostermeyer. Das könne nur mit Unterstützung der Bürger geschehen.

Krieg, Gewalt, Verfolgung, Unterdrückung und Hunger – die Gründe für die Entscheidung von Menschen, ihr Heimatland zu verlassen, seien vielfältig, erläuterte Andrea Dallek vom Flüchtlingsrat Schlweswig-Holstein, die zu Beginn einen Überblick gab. Über 45 Millionen Menschen sind zurzeit auf der Flucht. 15 Prozent schaffen den Weg nach Europa. 3756 Personen hat Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr aufgenommen. Für 2014 rechnet das Bundesamt mit einer Verdopplung der Zahl.

Das bedeutet auch eine Erhöhung der Aufnahmequote für den Kreis Rendsburg-Eckernförde von 338 auf 450 zu Jahresbeginn und mit Stand von August auf 820 Asylbewerber. Die Quote für das Amt Hüttener Berge wurde von 21 im Januar auf zurzeit 50 Flüchtlinge erhöht. „Eine große Herausforderung im Rahmen der Unterbringung und der Betreuung“, sagte der Amtsdirektor Andreas Betz, ebenfalls Mitglied im Flüchtlingsbeirat. Für 28 Menschen fehlt Wohnraum.

Flüchtlinge seien durch Erlebnisse während der Flucht häufig traumatisiert und bräuchten dringend Hilfe „bei der Erstorientierung in unserer Welt“, berichtete Andrea Dallek. Hilfe beim Einkaufen aufgrund von Sprachschwierigkeiten oder bei Hausaufgaben der Kinder – für ehrenamtliche Unterstützung sei jede Menge Platz. Dass diese benötigt wird, wurde in dem Bericht von Anja Mildner deutlich. Die 44-Jährige ist für den Sozialdienst der Gemeinde Owschlag zuständig und betreut zurzeit 29 Flüchtlinge im Asylbewerberheim Ramsdorf und vier in zwei Wohnungen in Owschlag. Anja Mildner erwartet die Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in der Wohnung, versorgt sie mit allem Nötigsten, von Handtüchern über Bettwäsche bis Babybett. Sie ist in allen Belangen Ansprechpartnerin für die Menschen aus Syrien, Somalia, Serbien, Afghanistan, Iran und Irak, die zurzeit dort leben – seien es Arztbesuche, Hilfe bei Behördengängen oder beim Einkaufen. Unter den Flüchtlingen sind 16 Kinder im Alter von ein bis 18 Jahren.

Sei es bei der Einschulung in Owschlag oder bei der Umschulung in Rendsburg – Anja Mildner ist immer dabei. Sprachschwierigkeiten meistert sie mit Händen und Füßen oder sucht über Handy Kontakt zu Landsleuten, die Deutsch sprechen und übersetzen können. „Ich freue mich über jede helfende Hand“, so Mildner, „Hilfe ist nicht so schwer. Ich brauche gerade jemanden, der Fahrräder reparieren kann.“ Oder jemanden, der einmal mit den Kindern einen Strandspaziergang machen könnte. Außer Offenheit und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, bräuchte es nicht viel, um helfen zu können, sagte Anja Mildner.

Fehlende Deutschkenntnisse der Flüchtlinge stellen für viele Bürger, die helfen wollen, ein großes Problem dar. Das wurde in der anschließenden Diskussion deutlich. Das Amt schafft jetzt Abhilfe und bietet ab Montag zweimal in der Woche einen kostenlosen Sprachkursus für Flüchtlinge in Owschlag an. Auf Vorschlag aus dem Plenum will das Amt in Kürze das „OhneWörterbuch“ anschaffen, das mithilfe von 600 Zeigebildern eine Verständigung im Alltag erleichtert. „Ansonsten wäre es schön, wenn Sie einfach mit den Eltern und den Kindern gemeinsam sprechen. Auf diese Weise lässt sich am leichtesten eine Sprache lernen“, wünschte sich Klemens Ziemann, Fachdienstleiter des Amtes und ebenfalls Mitglied im Flüchtlingsbeirat. Wichtig für alle künftigen Helfer – „jeder solle auf sich selbst und seine Zeit achten“, so Christiane Ostermeyer. Kosten entstehen den Helfern nicht.

Viele der Anwesenden füllten nach der Veranstaltung einen blauen Zettel aus mit dem Titel „Ich möchte helfende Hand werden“. Möglich sei dieses aber auch über die Homepage des Amtes, so Ostermeyer. Der Flüchtlingsbeirat selbst befinde sich noch in einer Lernübungsphase: „Wenn wir wissen, worauf wir zurückgreifen können, können wir auch besser koordinieren“, sagte die Vorsitzende.

>Informationen unter www.amt-huettener-berge.de/Flüchtlingsbeirat

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