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Eckernförder Zeitung

19. Oktober 2017 | 22:29 Uhr

Jagd vorbei – Halali

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 18.Sep.2013 | 00:32 Uhr

Zum ersten Mal, nach über 40 Jahren, habe ich keinen neuen Jagdschein mehr gelöst – ein Lebensabschnitt geht zu Ende. So viele Jahre Jagd‚ das bedeutet ein intensives Leben in und mit der Natur, Hege und Pflege des anvertrauten Reviers und auch die Erfüllung des vorgegebenen Abschussplanes. Die Wilddichte muss in einem angemessenen Verhältnis stehen. Auch das Raubwild sollte entsprechend reguliert werden. Schließlich leben wir nicht in einem Naturreservat. Städte und Dörfer, Straßen und Autobahnen nehmen große Flächen in Anspruch. Unseren Wildtieren bleibt nicht mehr viel Raum. In Folge dessen muss der vorgegebene Abschuss erfüllt werden.

Als ich 1971 zusammen mit meinem Mann die Jägerprüfung bestanden hatte, begann für die Familie ein total anderes Leben. Auch die Kinder wurden in den jagdlichen Alltag mit einbezogen. Als Jägerin war ich damals eine Seltenheit, was mir aber gar nicht bewusst war. Wie selbstverständlich wurde einer von uns zur Treibjagd eingeladen, der andere blieb bei den Kindern. Es war eine schöne Zeit. Die Jungjäger von heute haben kaum noch die Möglichkeit, eine Gemeinschaftsjagd auf Niederwild zu erleben. Es gab noch reichlich Hasen, Fasanen und in einigen Revieren Kaninchen in Hülle und Fülle. Sie wurden oft mit Frettchen bejagt. Wir hatten außer dem Jagdhund auch diese kleinen Räuber, zur Freude unseres Jüngsten. Er spielte gerne mit ihnen und sorgte dafür, dass sie handzahm wurden. Wir lernten das Jagdhorn blasen, eine traditionsreiche Verständigung seit Jahrhunderten, die Jäger und Treiber Freude bereitete. Leider sind solche Erlebnisse in unserer dicht besiedelten und mit Straßen vernetzten Landschaft selten geworden. Nicht die Jagd hat das Niederwild reduziert. Der kalte Schneewinter, 1978/79 das seine dazu. Danach gab es kaum noch Kaninchen, sie wurden in ihren Bauen in den Knicks von Schneemassen erstickt.

Als Jagdaufseher waren wir einige Jahre auf Gut Grünhorst tätig und danach in Altenhof. Das Vertrauen, das uns die Jagdeigentümer schenkten, war bemerkenswert. Die meiste Zeit verbrachten wir im Schnellmarker Revier, das zu der Eigenjagd Altenhof gehört. Dort musste überwiegend das Rehwild mit der Büchse bejagt werden und mit der Flinte die vielen Kaninchen am Schnellmarker Strand. Das war immer eine Herausforderung für den Hund, der für diese Arbeit besonders wichtig ist, denn die feine Hundenase macht jedes Kaninchen locker und bringt es vor die Flinte. Was aber viel wichtiger ist: Er apportiert die erlegten Tiere aus dem Gestrüpp. Ja, die Hunde! Einige haben wir im Laufe der Jahre großgezogen und ausgebildet. Ein altes Sprichwort sagt: Jagd ohne Hund ist Schund! Und das stimmt. Ohne unsere gut ausgebildeten Jagdhunde würden wir manches gestreckte Wild nicht finden. Auch Wildtiere, die auf der Straße zu Fall kamen, musste der treue Helfer nachsuchen.

Da ich schon als Kind mit der Musik aufgewachsen bin, interessierte mich besonders das Jagdhorn. Schnell lernten wir die Töne auf dem Fürst-Bless-Horn blasen und integrierten uns in die Bläsergruppe „Hüttener Berge“. Später lernten wir das Blasen auf dem Parforce-Horn. Beide Gruppen leitete ich über viele Jahre. Das uralte Brauchtum, das zum Handwerk der Jagd gehört, ist etwas Schönes. Es verändert sich zwar mit den Jahren, ist aber immer noch präsent.

Ein halbes Leben lang habe ich unter Jägern verbracht, und es war eine schöne Zeit. Jäger sind eine besondere Gemeinschaft, überall auf der Welt. Selbst im Italien- Urlaub wird man von einheimischen Jägern angesprochen. Woran man sich erkennt, ist rätselhaft. Bei uns war es wohl oft der Hund. Viele großartige Menschen habe ich kennengelernt, einige sind nicht mehr unter uns. Wir beenden als Senioren das Jägerleben, aber nicht das Interessen an der Jagd. Bis zu meinem Lebensende werde ich mit jagdlichem Interessen durch die Natur gehen, Spuren lesen und Wildtiere beobachten und mit den jüngeren der Zunft reden, wie es früher einmal war und wie es heute ist. Ich bin allen dankbar, die uns in der langen Zeit begleitet haben. Alles hat seine Zeit – Waidmannsheil.




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