Schweinepest : Jagd muss waidgerecht bleiben

Um die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest einzudämmen, hat das Bundeskabinett die Schonzeit für Wildschweine aufgehoben.
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Um die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest einzudämmen, hat das Bundeskabinett die Schonzeit für Wildschweine aufgehoben.

Friedrich von Ahlefeldt-Dehn sieht Aufhebung der Jagdschonzeit für Wildschweine kritisch.

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01. März 2018, 06:14 Uhr

Waabs | Als ein Überträger der Afrikanischen Schweinepest werden Wildschweine angesehen. Um die Ausbreitung der Erkrankung einzudämmen, hat die Bundesregierung eine Aufhebung der Schonzeit für die Jagd von Wildschweinen im Kabinett beschlossen. Für Friedrich von Ahlefeldt-Dehn (73), den langjährigen Vorsitzenden der Damwild-Hegegemeinschaft Schwansen, ist die Sachlage damit klar. „Wir verschärfen die Jagd auf die Wildschweine, aber wir können und wollen die Wildschweine nicht ausrotten.“

Bislang gilt für Keiler (männliche Tiere) und Bachen (ausgewachsene weibliche Tiere) eine Jagdschonzeit vom 16. Juni bis 1. Februar. Überläufer (einjährige Tiere) und Ferkel dürfen bereits jetzt ganzjährig geschossen werden.

Die Aufhebung der Schonzeit hält von Ahlefeldt-Dehn aus der jagdlichen Praxis allerdings für nur bedingt erfolgreich. Werden nämlich jetzt Bachen, möglicherweise mit Ferkeln, erlegt, dann verlieren die sozialen Gefüge der Wildschweinrotten ihre Hierarchie, ihre Ordnung. Dann kann es leicht passieren, dass die jungen weiblichen Tiere der (kopflosen) Rotte bereits sehr viel früher von den Keilern gedeckt werden. „Dann explodiert der Wildschweinbestand förmlich.“ Keiler und Bachen auf einer Drückjagd, wenn die Tiere in vollem Lauf sind, sicher zu unterscheiden, hält der passionierte Jäger allerdings für sehr schwer. Dann passiert es leicht, dass man eine Bache erwischt, statt einen Keiler.

Hinzu kommt, dass viele Jäger zu wenig Erfahrung mit der Wildschweinjagd haben. „Damit muss man sich befassen. Wildschweine sind sehr schlau und schnell“, sagt von Ahlefeldt-Dehn. Er appelliert immer wieder an seine Mitstreiter, „übt das Schießen auf schnell bewegte Wildschweine.“ Ob auf dem Schießstand in Baumgarten oder im „Schieß-Kino“, es gibt genug Möglichkeiten. Denn bei aller Verschärfung der Jagd, die Jagd muss waidgerecht erfolgen und die Tiere müssen mit Blattschuss erlegt werden. „Dazu muss man treffen, das gelingt mit Übung.“ Tiere zu verletzen, oder junge Ferkel nach dem Abschuss der Bache, sich selbst zu überlassen, steht im Widerspruch zum Tierschutz. Da hat jeder Jäger Verantwortung. Auf Schwansen bezogen betont der 73-Jährige, dass man zu den Landwirten einen guten Kontakt hat und ihre Sorge vor Wildschäden ernst nimmt. Liegen Sichtungen vor, dann wird reagiert. Viele Landwirte unterstützen die Jäger und legen Schneisen in Maisfeldern an oder halten Streifen zu Waldrändern frei, um die Tiere beim Wechsel bejagen zu können.

Aus Sicht von Ahlefeldt-Dehn sind die Gefahren durch einen Befall für Nutztier-Schweinebestände nicht von der Hand zu weisen. Liegt ein Befall vor, so sind nicht nur die betroffenen Landwirte geschädigt, durch dann nachfolgende Schutzmaßnahmen kommt es zu weiteren Schäden, auch bei anderen Landwirten. Der 73-Jährige hält allerdings die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest über wildlebende Wildschweine für eher gering. Er sieht die Gefahren eher bei Wildschweinfleisch-Importen oder anderen Transporten durch Menschen aus schon jetzt möglicherweise betroffenen Regionen im Osten Deutschlands.

In Schwansen schätzt von Ahlefeldt-Dehn den Bestand an Wildschweinen auf vielleicht 200 bis 300 Tiere. Sie sind schwer zu erfassen, räumt er ein. Große und viele Maisfelder dienen den Tieren als Rückzugsorte. Erst seit 2006/07 sind Wildschweine auf der Halbinsel präsent und die Abschüsse der Tiere oder Fallwildzahlen (Verkehr) werden erfasst. Um einen Überblick für Gesamtschwansen mit seinen vier Hegeringen und großen Eigenjagden zu haben, sammelt die Hegegemeinschaft Damwild Schwansen die Zahlen. Danach stieg die Zahl der Abschüsse von 28 in 2007/08 bis 2016/17 auf 164 Stück an.

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