„Ja“ zur Geburtshilfe und Belegsystem

833 Kinder sind 2016 in der Imland Klinik Eckernförde zur Welt gekommen. Die Kreistagsfraktionen wollen die Geburtshilfe erhalten.
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833 Kinder sind 2016 in der Imland Klinik Eckernförde zur Welt gekommen. Die Kreistagsfraktionen wollen die Geburtshilfe erhalten.

Die Kreistagsfraktionen plädieren für eine Fortsetzung der erfolgreichen Arbeit der Geburtsstation / Neonatologische Versorgung ist sicherzustellen

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22. März 2017, 11:22 Uhr

Eckernförde | Heute beraten die Mitglieder des Hauptausschusses in nicht-öffentlicher Sitzung über die Zukunft der Geburtshilfe und der Kinderstation in der Imland Klinik Eckernförde. Am kommenden Montag befasst sich der Kreistag mit dem Thema. Die Imland-Geschäftsführung, die betroffenen Ärzte und Hebammen, die Bürgerinitiative für den Erhalt der Geburtshilfe und Kinderstation, einige Mütter sowie Politiker und Parteien haben sich dazu in den vergangenen Wochen geäußert. Die Eckernförder Zeitung wollte wissen, wie die fünf Kreistagsfraktionen zu dem Thema stehen und hat die Fraktionsvorsitzenden um eine Stellungnahme gebeten. Hier die Positionen:

>Manfred Christiansen, CDU: Die Geburtsstation der Imland Klinik Eckernförde ist Spitze. Die freiberuflich tätigen Belegärzte und Beleghebammen haben dazu entscheidend beigetragen. Die CDU sagt allen Beteiligten „Danke“ für die geleistete Arbeit und setzt auf Kontinuität für die Zukunft. Wenn immer mehr Kinder – auch aus anderen Landesteilen – im schönen Eckernförde das Licht der Welt erblicken, ist das ein Werbeträger für unsere Imland Klinik.

Gesetzesänderungen haben nun aber leider zu Zuspitzungen geführt. Aber in jeder Krise liegt auch eine Chance. Jetzt gilt es ein rechtssicheres Abrechnungssystem in Abstimmung mit allen Beteiligten zu entwickeln. Die Modellvarianten liegen auf dem Tisch. Die CDU setzt hier auf Transparenz.

Der Kreistag von Rendsburg-Eckernförde wird wohl am kommenden Montag – mit den Stimmen der CDU –, ein ganz klares „Ja “ zur Geburtsstation abgeben. Am Standort Eckernförde ist eine Gynäkologie- und Entbindungsstation als rechtskonforme Belegabteilung oder als Hauptabteilung mit der Einstellung einer ärztlichen Leitung vorzuhalten.

Natürlich ist auch eine bedarfsgerechte Kinderstation wünschenswert. Vergleichbar zur Geburtshilfe kann die Kinderheilkunde nur als Belegabteilung oder als Hauptabteilung geführt werden, oder es ist eine möglichst umfangreiche kinderärztliche Versorgung auf sonstige Weise sicherzustellen. Auch hierzu wird die Politik beraten und die unterschiedlichen Modelle eingehend prüfen und dann entscheiden.

Die CDU hat auch dabei das Gesamtinteresse der Imland Klinik mit ihren 2043 Mitarbeitern/innen stets im Blick.

> Dr. Kai Dolgner, SPD: Die SPD wird einer Schließung der Geburtsstation nicht zustimmen und favorisiert das Belegmodell. Sollte das aus rechtlichen Gründen nicht mehr zulässig sein, dann muss sie als teurere Hauptabteilung weitergeführt werden. Zum Erhalt der Geburtsstation muss die notwendige kinderärztliche Versorgung, wie sie bisher über die Kinderstation erfolgte, sichergestellt werden. Nach Auffassung der Klinikleitung ist das Belegmodell in dieser Form aus verschiedenen Gründen nicht fortführbar. Auch das gilt es zu prüfen.

Die SPD unterstützt jedes Modell, dass eine machbare optimale kinderärztliche Neugeborenenversorgung gewährleistet und hat deshalb diverse Möglichkeiten abgefragt. Natürlich gewährleistet eine Kinderstation die Versorgung der Geburtsstation und wir streben ihre Fortführung an. Zu Wahrheit gehört aber, dass nach den Leitlinien eine Kinderstation nicht die einzige Möglichkeit ist, eine kinderärztliche Versorgung sicherzustellen. Sonst müssten im Umkehrschluss alle Geburtsstationen schließen, die nie eine Kinderstation hatten.

Eine endgültige Entscheidung werden wir seriös nach Prüfung und unabhängiger Bewertung aller Varianten treffen. Wir werden der Abmeldung von „Kinder“betten aus dem Bedarfsplan nicht zustimmen, um nicht vorzeitig die Möglichkeit der Fortführung der kinderärztlichen Versorgung als Kinderstation zu verbauen.

>Gudrun Rempe, stv. Vorsitzende Bündnis 90 / Die Grünen: Bündnis 90 / Die Grünen sieht den Kreis in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Imland Klinik in kommunaler Hand bleibt. Im Sinne der gesundheitlichen Daseinsvorsorge hat der Erhalt der Kliniken in kommunaler Verantwortung absolute Priorität. Das setzt voraus, dass die politischen Fraktionen im Kreis dafür sorgen müssen, dass die Imland Klinik wirtschaftlich gesund bleibt.

Die Fraktion der Grünen stellt klar, dass die Kinder im Umkreis von Eckernförde wie bisher fachlich qualifiziert ambulant und stationär in der Imland Klinik Eckernförde behandelt werden.

Die Grünen setzen sich dafür ein, dass die Geburtenstation erhalten bleibt. Am Standort Eckernförde ist eine Gynäkologie- und Entbindungsstation vorzuhalten. Das Hebammenkonzept mit der 1 : 1-Betreuung ist ein Erfolg. Die Grünen werden politische Unterstützung leisten, um diesen Standard zu halten. Die Fraktion stellt aber fest, dass die Unterstützung durch den Kreis im rechtssicheren Rahmen erfolgt und dass die Verträge fundiert juristisch abgesichert werden.

>Jan Butenschön, FDP: Die FDP-Kreistagsfraktion ist sich der Beschlüsse aus 2103 bewusst und setzt sich weiter in diesem Sinne ein. Aus den guten Gesprächen mit allen Fraktionen des Kreistages geht deutlich hervor, dass es der klare Wille ist, die Geburtshilfestation als wichtigen Beitrag der Gesundheitsversorgung in Eckernförde zu erhalten.

Sollte dies im auch von uns favorisierten bisherigen Belegarztmodell nicht möglich sein, muss die Station in eine Hauptabteilung umgestaltet werden. Nach Möglichkeit sollten auch in dieser Variante die jetzigen Belegärzte eingebunden werden. Für beide Modelle ist auch die neonatologische Versorgung sicherzustellen. Auch das Beleghebammenmodell soll in diesem Zusammenhang auf rechtssicherer Grundlage weitergeführt werden.

Die Kooperation zwischen Geburten- und Kinderstation hat sich in der Vergangenheit als Erfolgsmodell erwiesen. Daher wollen wir uns von der Geschäftsführung aufzeigen lassen, wie und unter welchen Bedingungen die Kinderstation wieder eröffnen könnte. Bis diese Konzepte vorliegen und beurteilt werden können, sollen die Betten auch nicht abgemeldet oder anderen Stationen zugeordnet werden.

Auf Basis dieser Grundlagen initiieren wir derzeit einen gemeinsamen Antrag der Fraktionen für die nächste Kreistagssitzung und gehen davon aus, dass dies in einer gemeinsamen Positionierung enden wird.

>Hartmut Steins, SSW: Die SSW Kreistagsfraktion spricht sich für den Erhalt der Geburtshilfestation am Standort der Imland Klinik in Eckernförde aus. Die SSW Kreistagsfraktion favorisiert dabei die Organisation als rechtskonforme Belegabteilung. Sollte dieses nicht möglich sein, werden wir auch der Errichtung einer Hauptabteilung zustimmen. Dabei sollten nach Möglichkeit die bisherigen Belegärzte eingebunden werden. Auch das bisherige Beleghebammenmodell sollte auf rechtssicherer Grundlage fortgeführt werden.

Hier fordert der SSW entweder einen bundesweiten Versicherungsfonds zur Deckung der Versicherungsbeiträge oder der Bund nimmt sich ein Vorbild an Dänemark und übernimmt selbst die Berufshaftpflicht. An beiden Lösungen wären auch de Krankenkassen zu beteiligen und wir hätten eine Rechtssicherheit.

Wir setzen uns weiterhin für den Betrieb einer bedarfsgerechten Kinderstation ein und fordern die Geschäftsführung auf, Konzepte für die Weiterführung der Kinderstation aufzuzeigen. Des Weiteren werden wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht der Abmeldung der drei Betten der Kinderstation, auch wenn diese im Moment nicht vorgehalten wird, zustimmen.

Wir fordern die Geschäftsführung auf, zeitnah ein Konzept vorzulegen, wie diese Abteilungen unter personellen und strukturellen Risiken in den nächsten Jahren betrieben werden kann. Es ist der SSW Kreistagsfraktion nicht möglich zu erklären, in welcher Form der Erhalt und die Fortführung der Kinderstation und der Geburtshilfe in Eckernförde langfristig weiter betrieben werden soll. Hier sind wir auf die Konzepte der Geschäftsführung angewiesen.


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