Italienisches Temperament bringt Leben in die Basisgemeinde Wulfshagenerhütten

<dick>Fröhliche Gruppe:</dick> Federico (vorne 4. v. rechts) und  26 weitere Italiener  zu Besuch bei der Basisgemeinde Wulfshagenerhütten. Foto:  Jäger
Fröhliche Gruppe: Federico (vorne 4. v. rechts) und 26 weitere Italiener zu Besuch bei der Basisgemeinde Wulfshagenerhütten. Foto: Jäger

shz.de von
28. August 2010, 03:59 Uhr

Wufshagenerhütten | Schon vom Flur aus hörte man sie - Lachen und Stimmengewirr drang aus dem großen Raum am Ende des Gangs. 27 Italiener aus Carmagnola in der Nähe von Turin waren eine Woche lang zu Besuch bei der christlichen Basisgemeinde Wulfshagenerhütten, um sich das Leben in der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft anzuschauen. "Für uns ist der Besuch etwas ganz besonderes", sagt Lore Weber von der Basisgemeinde. Die italienischen Familien stammen zum großen Teil aus einer katholischen Kirchengemeinde, die Mitglieder der Basisgemeinde sind dagegen größtenteils protestantisch geprägt. Aber "so muss Kirche sein, weltoffen und ohne hierarschische Schranken", erklärt Weber.

Schnittpunkt zwischen den beiden Gruppen sind Federico Rossi (22), mittlerweile Philosophie-Student in Berlin, und seine Cousinen Ilaria Crivello (21) und Anna Pecchio (21). Federico lernte 2006 im französischen Taizé ein Mitglied der Basisgemeinde kennen und wurde so auf die Gemeinschaft aufmerksam. Mit seinen beiden Cousinen lebte er fast ein Jahr in Wulfshagener Hütten und das, ohne anfangs ein Wort Deutsch zu sprechen. Die Basisgemeinde stellte einen Sprachlehrer und nahm die drei in ihre Gemeinschaft auf. "Ich fühle mich stark mit den Leuten hier verbunden, und ich weiß, dass die Tür immer offen steht, wenn ich vorbeikommen will", sagt der 22-Jährige. So wie in der vergangenen Woche.

Gemeinsam mit seiner Familie und Freunden hat er Eckernförde erkundet, Ausflüge nach Lübeck und nach Kiel gemacht, aber auch in der Holzspielzeug-Werkstatt der Basisgemeinde, der Wäscherei, der Küche und auf dem Bau mitgearbeitet. Federico und seine Cousinen übersetzten, ansonsten wurde sich mit "Händen und Füßen" verständigt und "von Herz zu Herz", so Adelheid Scherrmann von der Basisgemeinde.

Heute Nacht ging es für die Italiener in Kleinbussen wieder zurück. Gut 18 Stunden brauchen sie für die 1450 Kilometer. Und mit welchem Gefühl kehren sie in ihre Heimat zurück? Vor allem mit der Erkenntnis, dass es eine gesellschaftliche Alternative gibt und die Herausforderung, diese auch in ihrem Alltag zu entdecken, so die italienische Studentin Violetta Ubertalli (21). Eine Alternative, in der die Arbeit für den Menschen und nicht der Mensch für die Arbeit da sei und in der Zeit für Geselligkeit und praktizierten Glauben bleibe.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen