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Kleine Entdeckungsreisen : Italienischer Terrazzo in den Fluren des Ostseebades

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Unserer Serie befasst sich mit der Beobachtung vermeintlicher Kleinigkeiten im Stadtbild. Im fünften Teil: Terrazzo der Familie Angelo Santus in Eckernförde.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2014 | 05:58 Uhr

Es heißt, in Kleinigkeiten zeigt sich der Charakter. Unser Autor Dr. Heinrich Mehl hat sich auf eine Entdeckungsreise begeben und ist in Eckernförde jenen Kleinigkeiten nachgegangen, die wir bei unseren täglichen Streifzügen durch die Stadt rasch übersehen. Sie prägen aber dennoch den Charakter der Stadt. Lesen Sie heute im fünften Teil: Terrazzo der Familie Angelo Santus.

In den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts waren Terrazzo-Böden beliebt – auch in Eckernförde. Man wählte sie vor allem für Eingangsbereiche von Mehrfamilienhäusern – sie waren robust, lange haltbar, leicht zu reinigen und brachten auch in schlichte Miethäuser ein wenig Glanz. Auch in Küchen und Speisekammern ist heute noch alter Terrazzo zu entdecken. Seine hygienischen Qualitäten haben es auch zu idealem Material für Kliniken gemacht.

Material waren Feinkorn-Steine verschiedener Formate in einem Kalkbrei, der auf dem Boden mit der „Casciola“, einer Kelle, ausgewalzt und nach Trocknung geschliffen wurde. Dieses Schleifen, früher mit einfachem Handgerät, machte den Boden dicht und glatt. Entschied sich der Auftraggeber für ein schmückendes Motiv, einen Stern, eine Blumenranke oder gar für ein Wort, so legte der Terrazzieri aus bunten Steinen zuerst das Muster (oft mit Hilfe einer Schablone), um dann die Masse darum herum aufzutragen.

Die Verwendung italienischer Worte sollte es schon andeuten: Die Kunst, Terrazzo-Böden aufzubauen, war eine Spezialität italienischer Fachleute, die nach Deutschland auswanderten. In Eckernförde gibt es seit 1909 die Familie Santus aus dem Ort Maniago in Norditalien, die ihr Gewerbe fünf Generationen lang betrieb und noch heute als „Angelo Santus GmbH. Marmor, Granit, Betonwerkstein“ im Rosseer Weg residiert. Guiseppe Santus war der erste der Eckernförder Terrazzo-Leger, es folgten Angelo und Marino, Angelo jun., noch einmal Angelo und schließlich Marco. Ihr ursprünglicher Heimatort Maniago in der Provinz Udine, Wohnort zahlreicher weiterer Terrazzieri, war und ist bekannt durch Werkzeug-Herstellung aus Metall – hier wurden unter anderem die Handkellen hergestellt, die der Beruf zum Verstreichen des Terrazzo brauchte.

In unserer Stadt sind noch an über einem Dutzend Stellen alte Terrazzo-Böden der Santus zu entdecken. Typische Gebäude für den Einsatz der Terrazzieri waren die mehrstöckigen Backsteingebäude aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts am Anfang der Berliner Straße oder in der Fischergasse. Ähnliche Innenarchitektur, nun aus den 1930er Jahren, finden wir in den Straßen Domstag, Brookhörn oder Eichkamp. Besonders schöne Terrazzo-Böden mit den Motiven Stern und Blumenranke besitzen zum Beispiel das Wohnhaus der Stellmacherfamilie Tank in der Reeperbahn 9 oder das Haus Berbalk in der Fischerstraße 22. Und im Kontorhaus ist sogar der Name des einstigen Besitzers verewigt: „D. P. Bruhn“.

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