Ist die Möweninsel bedroht?

Das kleine Schlei-Eiland vor den Königswiesen schrumpft immer weiter – und könnte bald ganz verschwunden sein

Arne_Peters-8499.jpg von
07. Oktober 2018, 19:16 Uhr

Schleswig ohne Möwensinsel? Dieses Szenario will sich wahrscheinlich kein Bürger dieser Stadt wirklich ausmalen. Wenn man aber Jörn Ross, Ältermann der Holmer Fischer, glaubt, dann könnte es in einigen Jahren tatsächlich so weit kommen. „Wenn da nichts passiert, dann ist die Insel irgendwann nicht mehr da“, sagt er.

Genaue Zahlen kann Ross zwar nicht nennen. Dass die nach offiziellen Angaben rund 2,3 Hektar große und bis zu fünf Meter hohe Insel immer weiter schrumpfe, sei aber nicht zu übersehen. „Die wird kleiner und kleiner. Da ist ja auch kaum noch Vegetation drauf. Dazu ist die Möweninsel von Ratten bevölkert“, sagt Ross. Wolle man den Erhalt der Insel sicherstellen, müsse dringend etwas passieren, sagt er an die Adresse des Vereins Jordsand. Der betreut die kleine, geschichtsträchtige Schlei-Insel seit 1991 im Auftrag des Landes. „Aber es werden ja – im Gegensatz zu früher – keine Pflegemaßnahmen mehr gemacht“, so Ross.

Das bestätigt auch sein Namensvetter Gerd Ross. Er ist seit 1989 als sogenannter „Möwenkönig“ und Betreuer zuständig für die Insel und blickt ebenfalls mit Sorge vom Holm aus auf das kleine Eiland. „Es weiß keiner, warum das so ist. Aber Fakt ist: Die Möweninsel wird immer kleiner“, sagt Gerd Ross. Auch der Sand, der im Rahmen von mehreren Erweiterungen des Stadthafens (zuletzt Anfang 2016) an der Insel aufgespült wurde, sei inzwischen schon wieder abgetragen worden. Auch sei der Schilfbestand inzwischen fast vollständig verschwunden. Vor 1990 habe man die gesamte Vegetation alle paar Jahre abgebrannt. „Danach ist alles stärker nachgewachsen. Aber das ist heute verboten. Also versandet die Insel“, so Ross.

Neu ist dieses Problem nicht. Zuletzt hatte es in den Jahren 2012/2013 größere Rettungsaktionen für die Möweninsel gegeben. Zunächst hatten THW und Holmer Fischer in einer Gemeinschaftsaktion Schilfteppiche vom Burggraben auf die Insel verpflanzt. Diese Maßnahme war aber ebenso erfolglos wie das Anpflanzen von 12 500 Exemplaren des Breitblättrigen Rohrkolbens. Viele Pflanzen wurden durch Hochwasser und Stürme wieder herausgerissen. Auch das Unwetter im vergangenen März habe der Insel ordentlich zu schaffen gemacht, erzählt Gerd Ross. „Inzwischen ist sogar der kleine Berg angefressen.“

Aber nicht nur das Wetter mache der Möweninsel zu schaffen, sondern auch die Kormorane, wie sowohl Gerd als auch Jörn Ross betonen. „Die scheißen die ganze Vegetation kaputt. Das muss man so klar sagen. Es ist kaum noch was übrig“, meint Gerd Ross. Ratten hingegen habe es schon immer auf der Insel gegeben – und auch heute noch würden diese bekämpft.

Wer also hat dann Schuld an der Misere der Möweninsel? Eine mögliche Erklärung wären laut Gerd Ross die Motorboote. „Davon rasen immer mehr über die Schlei. Und der Wellenschlag, der dabei entsteht, holt den Sand vom Ufer weg“, meint er und fügt dann nach kurzer Pause an: „Ja, ich mache mir schon Sorgen um die Möweninsel. Das habe ich auch schon öfter angemahnt. Wenn da nicht irgendwas gemacht wird, dann ist sie tatsächlich bald weg. Das ist so.“

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