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Eckernförder Zeitung

17. Oktober 2017 | 17:31 Uhr

Irrationaler Diktator

vom

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Die kriegerischen Drohungen Nordkoreas gegen Südkorea und die USA sind sehr gefährlich. Eine Eskalation des Konflikts muss deshalb unbedingt verhindert werden. Wünschenswert ist natürlich, dass alle Beteiligten grundsätzlich mehr Zurückhaltung üben - zuallererst muss aber Pjöngjang endlich das Säbelrasseln einstellen und stattdessen auf einen konstruktiven Dialog setzen. Die Nato hat Nordkorea wiederholt aufgefordert, seine Atomwaffen aufzugeben und in Verhandlungen mit der internationalen Gemeinschaft einzutreten. Kim Jong Un sollte dies als Gesprächsbereitschaft werten und weitere Provokationen unterlassen. Wenn Kim Jong Un jedoch weiterhin auf Kriegsrhetorik setzt und den Nachbarn im Süden und den USA permanent mit einem Atomschlag droht, müssen Südkorea und Amerika aber auch unmissverständlich klar machen, dass sich der Diktator hier nicht mit irgendjemandem anlegt: Die Demonstration militärischer Stärke im Sinne einer Verteidigungsfähigkeit ist daher völlig legitim. Kim Jong Un muss zur Kenntnis nehmen, dass zum einen natürlich Gesprächsbereitschaft besteht; zum anderen aber auch, dass sich Südkorea und Amerika nicht auf der Nase herumtanzen lassen.

Ich halte es für falsch, die Durchführung einer zweitägigen südkoreanisch-amerikanischen Marineübung als plumpe Provokation zu sehen. Man darf nämlich nicht vergessen, dass wir es bei Kim Jong Un mit einem völlig irrationalen Diktator zu tun haben, der aus irgendeinem Grund jederzeit losschlagen könnte. Darauf muss man selbstverständlich vorbereitet sein. Und zu so einer Vorbereitung gehören natürlich auch Manöver, die den Ernstfall, also den Verteidigungsfall, proben.

Es muss aber unbedingt vermieden werden, dass sich die Situation unnötig aufschaukelt. Denn am Ende einer solchen Eskalation könnte eine militärische Auseinandersetzung stehen, die nicht allein die Region beträfe. Schlichtendes und moderierendes Eingreifen ist deshalb unabdingbar. An diesem Punkt sind Russland und vor allem China gefragt. Als letzter Verbündeter Nordkoreas sollte China seinen politischen und vor allem ökonomischen Einfluss auf Pjöngjang geltend machen und auf eine Deeskalation des Konflikts hinwirken. Ich bin der festen Überzeugung, dass nur der Weg über den Verhandlungstisch die Lage auf der koreanischen Halbinsel entspannen wird. Doch dazu gehören die Bereitschaft und der Wille aller Konfliktparteien. Wenn aber einer der Beteiligten ständig mit Streichholz und Benzinkanister am Gartenzaun des Nachbarn herumspielt, darf er sich nicht wundern, wenn der Nachbar seinen Feuerlöscher zur Sicherheit auf die Veranda stellt und gelegentlich mal ausprobiert, ob er noch funktioniert.

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