Breitbandausbau : Internet – neuer Anstoß zum Ausbau

Der Ausbau des Breitbandnetzes soll in den 19 Gemeinden des Amtes Schlei-Ostsee erneut angestoßen werden.
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Der Ausbau des Breitbandnetzes soll in den 19 Gemeinden des Amtes Schlei-Ostsee erneut angestoßen werden.

Informelles Treffen zum Breitbandausbau im Amt Schlei-Ostsee. Ziel des weiteren Vorgehens ist die Erstellung eines Konzeptes samt Machbarkeitsstudie. Über Ergebnisse könnte im Frühjahr beraten werden, wenn alle Gemeinde des Amtes mit machen.

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06. Juni 2014, 06:00 Uhr

Eckernförde | Schnelles Internet für alle mit rund 50 Megabits Übertragung ist das erklärte Ziel von EU, Bundesregierung und Landesregierung bis 2018, die sie in ihrer aktuell neu veröffentlichen Breitbandausbaurichtlinie festlegen. In den 19 Gemeinden des Amtes Schlei-Ostsee ist das bisher nur Zukunftsmusik. Die Halbinsel Schwansen ist im Land zwischen den Meeren noch ein weißer Fleck, was die Breitbandversorgung ausmacht. Das musste Gunnar Bock, Amtsdirektor des Amtes Schlei-Ostsee, bei einem Treffen mit Vertretern der Gemeinden und Fachleuten feststellen. Das soll sich ändern - denn erklärtes Ziel der Gemeinden und des Amtes ist die Erstellung einer systematischen Konzeptplanung zum Breitbandausbau.

Alle Gemeinden werden in Kürze eine Beratungsvorlage bekommen, wonach sie mit maximal 2000 Euro je Gemeinde, unabhängig der Einwohnerzahl oder Wirtschaftskraft, die Erstellung eines solchen Konzeptes finanzieren. Es soll unter anderem Aussagen zur Ausbautiefe und optimalen Trassenführung enthalten. Gefördert wird bereits diese Planung mit 75 Prozent der Bruttokosten, wie die neue Breitbandrichtlinie aussagt. Darauf hatte Jürgen Wolff, Dezernent im Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LUUR) bei dem Treffen im Amt hingewiesen. Stimmen alle Gemeinden zu, werde der Konzeptauftrag vergeben, im Frühjahr 2015 könne man dann vermutlich über weitere Schritte sprechen, so Bock. Bisher waren nur 75 Prozent der Nettokosten gefördert worden, erklärte er weiter.

Neben diesem Grund, jetzt mit der Planung zu starten, zählte Bock auch den zunehmenden Druck in den Gemeinden durch die Bürger auf. Der Bedarf an Breitbandinternet steige beachtlich. Ob für Schule, Gewerbe, Ärzte oder im Privaten – an großen Internetübertragungsraten komme man nicht mehr vorbei. Die bisherige Versorgung in den Gemeinden gleiche einem Flickenteppich (wir berichteten) und baue oft auf Insellösungen mit begrenzten Kapazitäten, wie Bock ergänzte. Gerade Internet über Funk oder über LTE sei nur begrenzt. Ihr Einsatz habe bisher nur den Druck aus den betroffenen Gemeinden genommen, es sei aber keine Zukunftslösung. Wenn Gemeinden meinten, ihre Bürger seien jetzt schon gut genug versorgt, weil sie beispielsweise schon mit Glasfaserkabel bis zu Kabelverzweigern ausgestattet seien, dann irrten sie sich, sie wären in wenigen Jahren die, die hinter den anderen herliefen, meinte Richard Krause, Leiter des Breitband-Kompetenzzentrums Schleswig-Holstein, eine Organisation der Kommunen, der ebenfalls an der Sitzung teilnahm. Denn selbst wenn schnelles Internet bis zum Kabelverzweiger komme, danach fehlte in der Regel Glasfaser weiterhin. Über Kupferleitung wäre die hohe Internetleistung maximal 200 bis 300 Meter Leitungslänge übertragbar, ergänzte Bock.

Ein dritter Grund, warum die Zeit genau jetzt reif sei, erneut das Thema Breitband anzustoßen, sei die Planung von drei Windparks in Schwansen. Sie müssten den Strom abführen und würden dabei neue Trassen verlegen. Zudem benötigten die Betreiber für den zweckmäßigen Betrieb der Windkraftanlagen Breitbandanschlüsse, um die Anlagen online steuern zu können, so Bock. „Das eröffnet Chancen“.

Deutlich wurde bei dem Treffen, dass der Ausbau nur über eine Solidargemeinschaft möglich sei. Wenn, wie 2009, bei der Gemeindespezifischen Ermittlung zum Breitbandausbau sieben von 19 Gemeinden nicht mitmachten, sei das Vorhaben nicht zu realisieren, stellte der Amtsdirektor fest. Ganz grob und hoch geschätzt könne man mit rund 400 000 Euro Ausbaukosten je Gemeinde für die Überbauung mit Kabelverzweigern rechnen, so Bock. Abzüglich einer 75-prozentigen Förderung sinke der Kostenrahmen deutlich. Zudem würden Teilkosten über die Vermietung von Leerrohren refinanziert. Im Grunde ist „der Breitbandausbau eine Strukturverbesserung in den Gemeinden, wie der Aus- und Aufbau der Wasserver- und -entsorgung in der Vergangenheit“, so Bock.

Als Gründe, warum die Amtsgemeinden noch ein weißer Fleck seien, nannte der Amtsdirektor die geographisch periphere Lage zwischen Ostsee und Schlei, die sehr ländliche (dünne Besiedlung) mit nur 60 Einwohnern je Quadratkilometer Fläche sowie den Umstand, dass in vielen Regionen Stadtwerke weite Strecken erschlossen hätten, was hier nicht der Fall war. Im Grund war das Amt 2008 Vorreiter im Breitbandausbau, als über die Aktiv-Region Schlei Region eine Projektskizze erarbeitet wurde. Als man mitten im Verfahren war, kam der Breitbandzweckverband der Ämter Dänischer Wohld, Hüttener Berge und Dänischenhagen auf den Plan und ging einen anderen Weg, erklärte Bock.

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