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Wir sind Europa : Interesse am Mitmenschen wecken

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Europatag in Altenholz greift Migrationsbewegung in Europa auf

Was bringt jemanden dazu, seine Heimat, sein Zuhause, seine Freunde zu verlassen, unvorstellbare Strapazen der Flucht auf sich zu nehmen und in einem unbekannten Land noch einmal von vorn anzufangen? Der Europatag an der Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung sucht mit dem Forum „Wir sind Europa! Migrationsbewegungen: Chance oder Risiko?“ nach Antworten. Nachdem das Thema gestern sachlich aus wirtschaftlicher und politischer Warte beleuchtet wurde, stehen heute vier junge Männer mit ihren Flüchtlingsgeschichten im Mittelpunkt.

Hochschulpräsident Professor Dr. Josef Konrad Rogosch ist dankbar, dass sie den Mut haben, über ihre Erfahrungen zu berichten: Mohamad Ali Haidari, Hussein Zakir und Arthur Mosmilov werden über ihre Lebenssituation vor der Flucht, ihre Ankunft in Deutschland und ihre aktuelle Situation sprechen. Auch Andrej Gratschow kommt zu Wort: Der ehemalige Studierende des Fachbereichs Polizei wird über seine Ausreise aus der Ukraine nach Deutschland berichten. „Ich wünsche mir, dass das Gespräch bei den Zuhörern die Lust weckt, Menschen und ihre Geschichten kennen zu lernen“, sagte Professor Dr. Heidi Mescher, Dozentin für Psychologie und Kriminologie an der FHVD und Organisatorin des Forums zum Europatag. Und weiter: „Das Interesse am Gegenüber, am Mitmenschen, ist meiner Meinung nach eine wesentliche Voraussetzung für ein gelungenes Zusammenleben.“ Es sei wissenschaftlich nachgewiesen, dass der Kontakt zwischen Menschen helfe, Vorurteile abzubauen.

Einen Beitrag dazu leisteten gestern unter anderem Professor Dr. Matthias Lücke und Tobias Stöhr vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. Während augenscheinlich zugewanderte Mitbürger bei der ersten Begegnung oftmals als Flüchtlinge eingestuft würden, belegten die Zahlen etwas anderes: Die Gruppe derjenigen, die ausgewandert sind, um in Deutschland Arbeit zu finden, ist zwei bis drei Mal so groß wie die derjenigen, die als Flüchtlinge gekommen sind. Von so einer Bewegung sei Europa schon immer geprägt gewesen, erinnerte Landtagspräsident Klaus Schlie: „Ohne die Gastarbeiter der ersten Stunde hätten wir den Wohlstand in Deutschland nicht erreichen können, den wir heute haben.“ Und ohne weitere Zuwanderung werde dieser Wohlstand nicht zu halten sein, war Schlie überzeugt. Mit Blick auf die Situation der Menschen, die nach Deutschland kommen, dürfe jedoch keine Kosten-Nutzen-Rechnung richtungsweisend sein. Schlie: „Wir dürfen nicht nur die unterstützen, die wir brauchen, sondern auch diejenigen, die unsere Hilfe brauchen.“ Die Diskussion über europäische Solidaritäten müsse geführt, ein gemeinsames Konzept der Zuwanderung entwickelt werden. Es brauche ein neues Europa, das von mehr Solidarität und Menschlichkeit geprägt ist. Das gelinge nur mit einem starken europäischen Parlament als starkem Fundament. „Und das bekommen wir nur, wenn es stark legitimiert ist“, machte Schlie deutlich und warb eindringlich dafür, vom Wahlrecht am 25. Mai Gebrauch zu machen.

In Ergänzung zum Forum zeigt die FHVD noch bis zum 26. Mai die Ausstellung „Über Grenzen. Heimat. Hoffnung“, die die Situation von Kindern und Jugendlichen im Exil, speziell in Schleswig-Holstein, darstellt. Die Ausstellung ist in verschiedene Themenbereiche gegliedert, die in Anlehnung an den Ablauf einer Flucht chronologisch aufeinander aufbauen.

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erstellt am 08.Mai.2014 | 06:00 Uhr

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