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Damp-Serie : Interdisziplinäre Hilfen bei Schmerzen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Teil vier der Serie: Schmerztherapie und Wirbelsäulenzentrum für Patienten mit akuten und chronischen Schmerzen an der Ostseeklinik Damp

Damp | Medizin – Gesundheit – Erholung – diese drei Säulen bilden die Basis für den Standort Damp als Arbeitgeber von gut 1100 Menschen in der Region. In einer EZ-Serie wird der Standort Damp und seine besondere medizinische Bedeutung vorgestellt. Heute geht es um Schmerzbehandlung und interdisziplinäres Arbeiten.

„Was ist Schmerz“. Einfach definiert, wird er als eine unangenehme Sinneswahrnehmung beschrieben, die mit einer Gewebeschädigung verknüpft ist. Doch das greift nicht weit genug, wie Dr. med. Armin Frank, Chefarzt Abteilung Anästhesie/Intensivmedizin der Helios Ostseeklinik Damp und ausgebildeter Schmerztherapeut, feststellt. Schmerz wird unterschieden in Akutschmerz, beispielsweise nach einer Operation, und in Schmerz, der länger als drei Monate anhält. Dann handelt es sich um chronische Schmerzen.


Behandlung chronischer Schmerzen ein weites Feld


Die Behandlung akuter Schmerzen ist überschaubar. Es gibt eine direkte Ursache, bei der Nerven Signale ans Gehirn senden. „Hinsichtlich chronischer Schmerzen ist das Feld komplexer“, sagt Dr. Frank. Vor und nach allen größeren Operationen an Hüfte, Knie oder Schulter werden Patienten über den Eingriff, die Schmerzbehandlung und ihre weitere Mobilisierung informiert. „Unser Ziel ist, dass Patienten auch dank der richtigen Schmerzbehandlung schnell auf die Beine kommen“, sagt Dr. Frank. Ohne Schmerzen gehe es nicht, das zu versprechen wäre falsch. „Wir begleiten die Patienten, lindern die Schmerzen und motivieren sie“, sagt er. „Nach einer Hüftoperation tut das erste Aufstehen weh, aber die Gelenke sind voll funktionstüchtig und sollen bewegt werden“, sagt Dr. Frank. Deswegen gibt es in der Ostseeklinik für Frischoperierte spezielle Schmerz-Schwestern (Pain Nurses). Derzeit sind elf Pflegekräfte der Klinik speziell für diesen Akutschmerzdienst ausgebildet. „Wir sind 24 Stunden am Tag für Patienten erreichbar“, berichtet Kerstin Peeck. Sie ist Pain Nurse der ersten Stunde und gehört zum Team, das den Akutschmerzdienst seit 2012 in der Klinik aufgebaut hat. Die Resonanz der Patienten ist sehr gut. „Jeder nimmt Schmerz anders war und geht anders damit um“, sagt Peeck. Immer gehe es jedoch darum, einen Mittelweg aus Schmerzlinderung und Mobilisation zu finden.

Damit Patienten schnell auf die Beine kommen, besteht eine enge Zusammenarbeit der Fachärzte und des Akutschmerzdienstes mit Physiotherapeuten und den Mitarbeitern der physikalischen Therapie. „Wir beginnen in der Regel noch am Tag der Operation mit der gemeinsamen Arbeit mit dem Patienten“, berichtet Anne von Waldow, Leiterin der Physiotherapie. Die schnelle Mobilisation sei wichtig, damit sich der Patient erst gar nicht an das Liegen gewöhne, der „Automatismus aufzustehen ist noch da“. „Wir regen die Patienten an, selbst aktiv zu werden, das kommt gut an“, sagt von Waldow. Ebenso positive Erfahrungen hat Torsten Behnke, Leiter der physikalischen Therapie, gemacht. Damit die Patienten in Bewegung kommen, „Schmerz lähmt die Bewegung“, beginnt bei allen großen Operationen direkt die Lymphdrainage, um Schwellungen abzubauen und indirekt auch Schmerzen zu mildern, berichtet er. Patienten sollen kein „Krankheitsgefühl“ entwickeln.

Intensiviert wurde die fachübergreifende Betrachtung des Themas Schmerz seit Jahresanfang speziell für die Wirbelsäule. Viele Menschen haben chronische Rückenschmerzen, werden mehrfach operiert und behandelt, ohne dass es ihnen besser geht, berichtet Priv.-Doz. Dr. med Aldemar Hegewald, Chefarzt Abteilung Neurochirurgie/Wirbelsäulenchirurgie. Um effektiver zu helfen, wurde ein neues interdisziplinäres Wirbelsäulenzentrum begründet, wo die Patienten Eingang finden, die Probleme am Rücken in Kombination mit dem Bewegungsapparat haben. Im Zentrum betrachten Fachärzte verschiedener Bereiche, auch aus der Rehaklinik, Schmerztherapeuten, Physiotherapeuten, Mitarbeiter der physikalischen Therapie wie auch psychosozialer Beratung den Patient zu Beginn. Es gehe darum, den Menschen als Ganzes zu sehen, losgelöst vom Blick auf nur eine Beschwerde, so der Ansatz. „Es wird gemeinsam ein Therapie- und Diagnostik-Fahrplan erstellt. Eine Woche später werden die Fortschritte und daraus abzuleitende weitere Therapieempfehlungen miteinander besprochen“, erklärt Dr. Hegewald. Patienten können in Damp von der großen Vielfalt der Fachangebote profitieren und so innerhalb kürzester Zeit Termine bei Fachleuten erhalten, für die sie im Alltag Monate brauchen würden. Zur Entlassung erhält der Patient einen detaillierten Arztbrief, „den er versteht und weiß, wie und was er auch selber tun kann. Viele sind dann einen Schritt weiter“, ergänzt Dr. Frank. „Das Zentrum ist ein Alleinstellungsmerkmal der Ostseeklinik“, sagt Dr. Hegewald. Über 150 Patienten mit komplexen Schmerzbildern konnte seit Jahresanfang mit gutem Erfolg geholfen werden. Außerdem bietet er eine so genannte Rückenmarkstimulation an.

Um chronische Schmerzen am Bewegungsapparat, die ambulant als austherapiert gelten, geht es bei Dr. Joachim Georgi. Der Chefarzt der Abteilung Innere Medizin/Rheumatologie setzt auch auf die Vernetzung mit weiteren Fachleuten aus den Damper Einrichtungen. Seit gut zwei Jahren wird intensiv an einer „multimodalen Schmerztherapie“ gearbeitet, berichte er. Viele Patienten hätten schon viele Stationen hinter sich, wobei sich ihre Lebensqualität nicht verbesserte. „Hier wird das gesamte Wissen der Fachleute gebündelt, um dem Patient am Ende eine sinnvolle Strategie an die Hand zu geben“, erklärt Dr. Georgi: „Bei der multimodalen Schmerztherapie erhalten Patienten 10 bis 14 Tage lang ein intensives Programm hoher Therapiedichte mit Krankengymnastik, physikalischer Therapie, Entspannungstechniken und psychologischer Mitbetreuung; die Aktivierung und die Wiedererlangung von Zutrauen zu den eigenen Fähigkeiten stehen hierbei im Mittelpunkt.“ Ziel sei es, die Lebensqualität der Menschen zu verbessern und ihnen Hilfen auf den Weg zu geben.



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erstellt am 31.Mai.2017 | 06:29 Uhr

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