Interview : Intensiver Dialog mit einer Heiligen

15 Jahre Spurensuche stecken in dem Buch, das Hildegard Richter über die Heilige Katharina von Alexandrien geschrieben hat.
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15 Jahre Spurensuche stecken in dem Buch, das Hildegard Richter über die Heilige Katharina von Alexandrien geschrieben hat.

Hildegard Richter stellt ihr Buch über die Heilige Katharina von Alexandrien am Sonntag in der Dreifaltigkeitskirche Krusendorf vor

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11. Dezember 2014, 06:09 Uhr

Jahrelang hat sie an der Seite ihres Mannes und Pfarrers Reinhard Richter das kirchliche Gemeindeleben mitgetragen, davon 22 Jahre von 1975 bis 1997 in der Kirchengemeinde Krusendorf. Jetzt, mit 74 Jahren, hat Hildegard Richter aus Eckernförde mit „Ave Katharina – Auf den Spuren der Heiligen Katharina von Alexandrien“ ihr erstes Buch veröffentlicht. Mit zahlreichen zumeist eigenen Fotos und Texten dokumentiert sie darin ihre intensive Spurensuche nach Kult und Verehrung der beliebten Heiligen des Mittelalters. Das große spirituelles Interesse an der Heiligen Katharina von Alexandrien erwuchs der Autorin aus einer besonderen Begegnung mit der Namensgeberin der ihr seit Kindertagen vertrauten ehrwürdigen Hauptkirche St. Katharinen in Hamburg sowie aus der Neugier an der mittelalterlichen Kirche St. Catharina, die einst in Jellenbek am Steilufer der Ostsee in der Gemeinde Schwedeneck stand. Am kommenden 3. Adventssonntag um 15.30 Uhr stellt Hildegard Richter ihr Buch in der Nachfolgekirche, der Dreifaltigkeitskirche zu Krusendorf, vor.

Frau Richter, am vergangenen Sonntag nach dem Gottesdienst haben Sie ihr Buch in der Hauptkirche St. Katharinen in Hamburg vorgestellt. Wie war das?
Für mich war das eine große Ehre. Ich habe dort mein Kind, das Buch, der Öffentlichkeit anvertraut. Da gab es die Laudatio der Hauptpastorin von Katharinen, der Pröpstin Frau Dr. Ulrike Murmann. Da waren der große Beifall und die vielen Gespräche mit Freunden und Bekannten. Das alles hat mich emotional sehr bewegt. Aber auch schon vor dem feierlichen Akt der Buchpräsentation hatte ich von fachkompetenter Seite manch lobende Rückmeldung bekommen.
Vor 15 Jahren haben Sie sich auf die Spurensuche begeben. Vor gut drei Jahren haben Sie beschlossen, ein Buch daraus zu machen. Was hat die meiste Zeit in Anspruch genommen?
Die Herausforderung war, aus der Fülle des über die vielen Jahre gesammelten Materials ein Buch zu machen. Es sieht so selbstverständlich aus. Aber es ist ein langer Weg gewesen. Ganz stark geführt haben mich die Bilder. Katharina hat sich für mich vor allem über die Bilder erschlossen. Und ich habe sehr viel gelesen. Die Stadtbücherei in Eckernförde hat mich eifrig unterstützt und die entsprechende Literatur besorgt.
Alles in Zusammenarbeit mit ihrem Mann Reinhard Richter. Das ging nicht ohne Konflikte, wie Ihr Layouter Ulrich Schulz verrät. Was war schwierig?
Wir hatten vielfach unterschiedliche Sichtweisen. Mein Mann ist Theologe, und mich hat mehr die Begeisterung für eine mutige, kluge und schöne Frau geleitet. Die Zusammenarbeit war ein ungewohntes Rollenspiel. Ich sitze und schreibe, und mein Mann kommt und korrigiert. Er war mein Lektor. Insgesamt aber war es ein spannender Weg, den wir zusammen gegangen sind.

Auf den Spuren der Heiligen Katharina von Alexandrien sind Sie durch Deutschland gereist, ins europäische Ausland und zum Katharinen-Kloster auf dem Sinai in Ägypten. Überall sind Ihnen verschiedene Katharinen begegnet. Auf Altären, in Wandmalereien, Glasfenstern und Gemälden. Welche Katharina war Ihnen am nächsten?
Ganz besondere Bedeutung hat für mich die Bronzefigur des Kieler Künstlers Hans Kock auf dem Dachfirst der Hauptkirche St. Katharinen in Hamburg. Aber es ist gerade auch die Verschiedenheit der Darstellungen, die mich so fasziniert. Jede dargestellte Katharina spricht ihre eigene Sprache und zeigt mir einen anderen Aspekt von ihr. Die vielen Begegnungen führten schließlich zu einem intensiven Dialog mit dieser Heiligen, bei dem es vor allem um meine Fragen ging: Katharina, wer warst du, wer bist du, und wer bist du für mich.
In der christlichen Überlieferung wird die Tochter des heidnischen Königs Costus und seiner Frau als schön und intelligent beschrieben. In der katholischen und orthodoxen Kirche wird sie als Märtyrerin verehrt. Wie sehen Sie sie?
Ihr Martyrium, das am Anfang des 4. Jahrhunderts stattgefunden haben soll, ist Zeichen der Hingabe, mit der sie ihren Christusglauben konsequent gelebt hat. Ihr wurde die Radfolter angedroht, sie wurde geschlagen, gequält und gedemütigt, aber der sie bewahrende Glaube war stärker. Dieses Frauenschicksal hat mich angerührt, mir auch geholfen, Krisen und Krankheiten besser anzunehmen. Mir als Protestantin ist die Heilige Katharina zu einer Leitfigur geworden, ganz im Sinne Luthers, der zwar die Heiligen als Fürsprecher und Schutzpatrone ablehnte, aber nicht als Leitbilder für den Glauben. Als Leitbilder sind uns Protestanten die Heiligen leider weitestgehend verloren gegangen. Die Begegnung mit der Heiligen Katharina war für mich von existenzieller Bedeutung. Ich war in meine Kirche hineingeboren. Aus der Selbstverständlichkeit meines angeborenen Glaubens ist jetzt mein eigener Glaube erwachsen. Das ist ein tolles Geschenk.

Sie nennen sich Katharinen-Pilgerin. Viele Menschen entdecken heute das Pilgern wieder, gehen aus religiösen Gründen in die Fremde. Es heißt, man entdeckt dabei auch ein Stück von sich selbst. Ist Ihnen das auch so ergangen?
Um Katharina zu entdecken, bin ich zielgerichtet zu den Stätten ihrer Verehrung gepilgert. Mein Weg ist gleichsam zu einer Pilgerreise geworden. Auf diesem Weg habe ich Katharina als meine spirituelle Begleiterin gefunden.

Die Spurensuche und das Buch haben einen großen Teil Ihres Lebens ausgefüllt. Gibt es schon ein neues Projekt?
Ich muss das erst mal verkraften. Dieses Buch wird jetzt seine Wege finden, in die Welt ziehen und vielleicht hier und da verschlossene Türen öffnen. Warum sollen Heilige uns trennen? Ich wünsche mir mehr Aufgeschlossenheit für ein überkonfessionelles Heiligenverständnis und würde mich freuen, wenn das Buch dazu einen kleinen Beitrag leistet.


> Das Buch „Ave Katharina“ von Hildegard Richter, 420 Seiten, über 400 farbige Abbildungen, ist im Verlag Ludwig in Kiel erschienen und kostet inklusive Versand 36 Euro. ISBN 978-3-86935-234-3. Es ist erhältlich bei Hildegard Richter per E-Mail an info@katharinenspuren.de oder Tel. 04351/ 75 22 42.


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