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gelungene premiere : Intelligentes Intrigenspiel um Prinz Torte

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Am Freitag war die Premiere der Theatergilde des Internats Louisenlund mit „Die Liebe zu den drei Orangen“. Das Stück zwischen Märchen und Zauberei besticht durch das Spiel um Macht, Freundschaft und Liebe.

Fleckeby | Die Theatergilde des Internats Louisenlund ist wohl eine Talentschmiede. Bei ihrer Premiere von Thomas Strittmatters Stück „Die Liebe zu den drei Orangen“ stellte sie am Freitag erneut unter Beweis, zu welchen Hochleistungen die jungen Schauspieler fähig sind. Unter der bewährten Regie von Susanne Berg und Dr. Helmut Mauch kam ein Theater-Leckerbissen auf die Bühne – in freier Bearbeitung nach Carlo Gozzi, der wohl alle Besucher überrascht und heiter nach Hause entließ.
Gozzi (1720-1806, Venedig) – der Commedia dell’arte verbunden, war ein begeisterter Koch. So verwundert es nicht, dass er für die Darsteller in seinem Märchen – und Zauberstück
Vokabular aus der Küche nimmt:
Prinz Torte ist todkrank, König Käse will abdanken, Prinzessin Mortadella und Kammerherr Suppe sinnen auf Machtübernahme, rufen sich dafür Magier Sellerie und die glitschige Lotte Langustine zur Hilfe. Damit nicht genug. Der sympatische Hallodri Theo Trüffel holt Prinz Torte zurück ins Leben. Beide machen sich auf, die drei Orangenmädchen zu finden, in die sich der Prinz vorab schon mal verliebt hatte. Und wie im Märchen müssen viele Gefahren im Lande Polenta überstanden werden, bis es zum fröhlichen Ende kommt. Spinne Kloß, Gurkenritter, vor allem auch Mama Mascarpone
mit den wirklich lebensgefährlichen Riesenbrüsten (zwischen denen jeder Eindringling zerquetscht wird) müssen trickreich besiegt werden, dann erst lacht das Glück.
Ein farbenfrohes Spiel mit klug ausgedachtem Bühnenbild, bei dem auch schon mal die glitschige Hexe unter einem Regen von roten Tomaten zu Boden geht. Mit einem Käsetor, von dessen Höhen es sich abseilen lässt, mit Klappen im Boden, aus dem Teufel Rösti - mit herrlichem Schweizer Deutsch - aufsteigen und mächtig Qualm verbreiten kann.
Ein fröhliches Spektakel: das allerdings nur auf den ersten Blick. Unter der vordergründigen Lustigkeit lauert Menschliches, allzu Menschliches. Boshaftigkeiten - feinste Intrigen inklusive - begegnet man ebenso wie Mut, freundschaftlicher Zuverlässigkeit, dem Glaube an die Liebe. So kann selbst ein so absurdes Zauberstück mit amüsanten Verwandlungsszenen und – im wahren Sinne – unglaublichen Höhenflügen - viel Lebenswahrheit vermitteln.
Finn Wiesner spielte sich als Theo Trüffel verschmitzt und frech in alle Herzen. Der zunächst sterbenskranke Prinz Torte (Ben Reinhardt) brillierte – gründlich wiederbelebt - mit amüsanter Jungenhaftigkeit. Lotte Languste (Jane Adel) ist so widerlich biestig, das macht schon wieder Spaß. Und Mamma Mascarpone ( Johanna Kemper) verfügt über solch immense Brüste, dass sie bald nach vorne umkippt. So gibt es viel Grund zum Lachen und - zum Staunen: Denn Konstantin Schulken-Großmann ist nicht nur der gewiefte Kammerherr, er komponierte auch kurzfristig die Musik zum Stück. Diese Live-Musik mit theatereigenem Orchester passt allerbest und setzt dem Hochgenuss mit Tiefgang, diesem Gesamtkunstwerk noch das Sahnehäubchen auf.


>Alle drei bisher angekündigten Aufführungstermine müssen krankheitsbedingt ausfallen. Neue Termine werden rechtzeitig bekanntgegeben.


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