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Eckernförder Zeitung

20. August 2017 | 21:31 Uhr

Schülerfirma : Integration an Herd und Ofen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Schülerfirma „conneckt“ der Jungmannschule nimmt mit Flüchtlings-Kochprojekt am Junior-Wettbewerb des Instituts der deutschen Wirtschaft teil.

Eckernförde | Die Jungmannschule scheint für die Gründung von Schülerfirmen ein sehr gutes Pflaster zu sein. Auf Europameister „Rauteck“ folgt „conneckt“, ein Schüler-Start-Up im Bereich Flüchtlingsarbeit und Medien, das wie Rauteck den Weg nach Berlin sucht und sich für den Junior-Wettbewerb des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln angemeldet hat. Die Aufbauarbeit steuert auf ihren Höhepunkt zu – der Veröffentlichung eines Back- und eines umfassenderen Koch- und Backbuches mit Rezepten, Geschichten und Gesichtern. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Dahinter steckt jede Menge Engagement und Arbeit seit Schuljahresbeginn. 20 Schüler des WiPo-Profils des 11. Jahrgangs unter Leitung von Lehrerin Jessica Behrens haben sich aufgemacht, mit den Flüchtlingen zu kochen und sie dabei näher kennenzulernen, um so etwas für die Verständigung der Kulturen und die Integration der Syrer, Iraner, Afghanen oder Eritreer in Eckernförde, Rieseby, Molfsee oder in anderen Orten des Kreises zu tun. Ein Einsatz, der Früchte trägt und beide Seiten bereichert, wie Hannes Petersen, Stella Elmentaler und Lasse Schäfer aus dem „conneckt“-Vorstand berichten. „Wir möchten den Flüchtlingen die Integration erleichtern, die Kulturen verbinden und uns auf diesem Weg näherkommen“, sagt Vorstandsvorsitzender Hannes Petersen. Die Kommunikation beim Einkauf und am Herd in der Bürgerbegegnungsstätte am Rathausmarkt oder auch bei den Flüchtlingen privat erfolgt „mit Händen und Füßen“, beschreibt Stella Elmentaler. Aber es funktioniert, man hat gemeinsam viel Spaß.

Gestern stellten sie ihr Projekt Bürgermeister Jörg Sibbel vor, der einen der 90 Anteilsscheine zu jeweils 10 Euro zeichnete – Grundkapital zur Finanzierung der Buchprojekte. „Tolle Idee, das trägt den aktuellen Herausforderungen Rechnung“, sagte der Bürgermeister. Ein Großteil der Flüchtlinge wollten dauerhaft in Deutschland bleiben und müssen daher integriert werden. „conneckt macht dafür ein niederschwelliges Angebot für die Flüchtlinge, das finde ich prima“, lobte Sibbel die Projektidee und den Einsatz der 20 Jungmannschüler und sagte seine Unterstützung zu. WiPo-Lehrerin Jessica Behrens hob hervor, dass die Schülerfirma nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet sei, sondern auch andere Ziele verfolge. Sie fand die Idee, mit den Flüchtlingen zu kochen und ein multikulturelles Kochbuch auf den Markt zu bringen, um so bemerkenswerter, weil 17 der 20 Schüler junge Männer seien, denen man nachsagt, üblicherweise weniger Interesse an Küchenthemen zu haben.

„Es haben sich sehr schnell Freundschaften entwickelt und man kommt auch über persönliche Dinge ins Gespräch“, erzählt Stella Elmentaler, die bei „conneckt“ für die Redaktionsarbeit zuständig ist. Die ist wichtig, denn das Back- und später das umfassendere Kochbuch sollen keine reinen Rezeptbücher werden, sondern auch Geschichten erzählen und Lust aufs Lesen und Nachkochen machen. Dazu gehören neben interessanten Geschichten über Lebenswege, Schicksale und Hoffnungen auch Fotos von Gerichten und Flüchtlingen, die ganz andere Vorstellungen von Speisen und deren Zubereitung haben. Drei-Minuten-Reis gibt es in Afghanistan nicht, außerdem stehen mehr frisches Obst und Gemüse als Fleischgerichte auf dem meist kargen Speiseplan in den Herkunftsländern, die deswegen aber nicht weniger lecker sind, wie die gemeinsam zubereiteten Gerichte Blätterteig mit Spinat, Schokokekse mit Kokosraspeln, eine Mixtur aus Reis, Pommes, frittiertem Gemüse und Rosinen oder Lammhack mit Nüssen, und Mandeln bewiesen haben. Und die nächsten Montags-Kochtermine in der BBS haben die Schüler bei Annette Giencke bereits bis Weihnachten gebucht. „Alle Flüchtlinge sind sehr offen und interessieren sich sehr für das Leben in Deutschland“, sagt Lasse Schäfer, der die Marketing- und Presseabteilung unter sich hat.

Gesucht werden noch Sponsoren für Sachspenden und Lebensmittel – Gespräche laufen. Viel wird außerhalb der Schulzeit geregelt, aber nächste Woche gibt es einen Fachtag, um die letzten Tage bis zur geplanten Backbuchveröffentlichung am 26. November zur Weihnachtsfeier in der Jungmannschule systematisch durchzuplanen. Das große Kochbuch soll dann Anfang 2016 erscheinen. Und dann muss alles für den Junior-Wettbewerb aufbereitet werden – Berlin lockt.

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erstellt am 14.Nov.2015 | 06:24 Uhr

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