Bürgerpark : Insektenparadies oder verwahrlost?

Dr. Reinhard Jentzsch im Bürgerpark: „Das Nichtstun führt zur Verwahrlosung.“
Dr. Reinhard Jentzsch im Bürgerpark: „Das Nichtstun führt zur Verwahrlosung.“

Am Bürgerpark scheiden sich die Geister: Dr. Reinhard Jentzsch nennt ihn „verwahrlost“ und schlägt die Gründung eines Vereins zur Pflege der Anlage vor.

shz.de von
26. Juni 2018, 06:09 Uhr

Eckernförde | Für Dr. Reinhard Jentzsch verdient der Bürgerpark seinen Namen nicht. „Das unter dem Begriff ’Biodiversität’ subsumierte Nichtstun führt mittlerweile zur Verwahrlosung“, sagt er. „Heute erinnert der Park eher an einen Truppenübungsplatz als an einen Garten.“ Von seiner Praxis am Mühlenberg hat der Zahnarzt einen direkten Blick auf die Anlage, die von der Stadtgärtnerei naturnah bewirtschaftet wird. Zwei- bis dreimal im Jahr wird die Fläche je nach Blütenphase der Krokusse gemäht. Ansonsten sollen sich heimische und für Insekten wichtige Pflanzen wie Wiesenschaumkraut und Goldhahnenfuß hier wohl fühlen und vermehren.

Doch Reinhard Jentzsch sieht etwas ganz anderes: „Girsch, Brennnessel, Löwenzahn, Ampfergewächse, das giftige Jakobskreuzkraut, Kletten und im Randbereich vereinzelt die wilde Brombeere beherrschen jetzt das Bild.“ Viele Nachbarn, Patienten und Passanten hätten ihm mitgeteilt, dass der Zustand des Parks für sie inzwischen ein Ärgernis sei.

Deshalb erinnert der Zahnarzt an seinen Vorschlag von vor fünf Jahren: die Gründung eines Vereins „Bürgerpark“. Interessierte und sachkundige Bürger würden das Projektieren, Bepflanzen und Pflegen übernehmen. Für die Anlage müsse die Stadt dem Verein lediglich ein noch zu benennendes Startkapital zur Verfügung stellen. Dieses Geld solle dazu verwendet werden, einen Pavillion aufzustellen, Pflanzen für Beete zu besorgen, Rankgitter zu installieren und Pflanztröge aufzustellen. Der Park bleibe weiterhin öffentlich. Jentzsch: „Eine Anlage in Borby zum Verweilen, Entspannen, Treffen von Gleichgesinnten und Naturliebhabern, die vielleicht keinen eigenen Garten haben, aber immer schon den Wunsch zum Gärtnern hatten, ohne dabei eine endlose Verpflichtung eingehen zu wollen.“ Der Vorteil für die Stadt sei offenkundig: Sie hätte keine laufenden Kosten mehr, und die Stadtgärtnerei würde entlastet. „Der Bürgerpark wird dann zu dem, was der Name sagt: zu einem Park für Bürger.“

Reinhard Jentzsch schweben Blumenbeete und ein Pavillon mit Blick auf die Siegfried-Werft vor, ebenso historische Laternen und eine Hunde-Auslauffläche. Auch eine Kombination mit naturnahen Flächen könnte er sich vorstellen. „Aber das müsste der Verein in Absprache mit der Stadt ausmachen.“ Er selbst sei zwar bereit, sich aktiv zu beteiligen, könne sich aber auch zurücknehmen. „Mir ist nur wichtig, dass der Gedanke aufgegriffen wird, denn so hat jeder etwas davon – die Bürger und die Stadt.“

Während Reinhard Jentzsch sagt, dass 95 Prozent aller Angesprochenen das ökologische Pflegekonzept ablehnen, erfährt Landschaftsarchitekt und Vater des Konzeptes, Rüdiger Ziegler, nach eigener Aussage 99,9 Prozent Zustimmung. Er betont die Wichtigkeit der naturnahen Bewirtschaftung. „Wir erwarten ständig, dass tanzende Elfen aus den Blumen kommen. Können wir nicht einmal Natur Natur sein lassen?“ Sie sei die Basis unseres Lebens. „Darauf sollten wir wegen eines Rosengartens nicht verzichten.“

Der Artenreichtum der Insekten habe im Bürgerpark in den vergangenen Jahren stark zugenommen. „Es gibt da mittlerweile ganz seltene Bienenarten, die aber nicht jeder sieht, weil sie nicht mit der großen Fahne durch die Gegend fliegen.“

Stadtgärtnerei-Leiterin Sylvia Bent weist auf den politischen Beschluss für das ökologisch ausgerichtete Pflegekonzept im Bürgerpark hin. „Wir haben schon ein eindrucksvolles Blütenbild“, sagt sie. Jetzt sei allerdings die Blütezeit von Krokussen, Löwenzahn und Hahnenfuß vorbei, demnächst werde gemäht. Eine üppige Blumenblüte sei danach nicht mehr zu erwarten. Allerdings dürfe an manchen Stellen die Brennnessel gedeihen, weil sie eine Schmetterlingspflanze sei. Und Giersch, gebe es nur an wenigen Stellen. Überhaupt: „Die Anlage war nie ein Park, sondern immer nur ein Verbindungsweg als Abkürzung von der Bergstraße zum Vogelsang.“ Sie meldet Zweifel an, dass Ehrenamtliche einen entsprechend langen Atem haben, um die Pflege einer städtischen Anlage zu übernehmen.

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