Tierwelt : Insektenjagd mit Kamera statt Kescher

Am Peloponnes entdeckt: Der Erdbeerbaumfalter saugt gerne an überreifen Früchten und kann auch mit diesen angelockt werden. Gut zu erkennen ist sein Saugrüssel (rechts).
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Am Peloponnes entdeckt: Der Erdbeerbaumfalter saugt gerne an überreifen Früchten und kann auch mit diesen angelockt werden. Gut zu erkennen ist sein Saugrüssel (rechts).

Das Buch des Owschlagers Horst Schäfers zeigte tierische Schönheiten im Kleinen.

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05. Januar 2018, 06:58 Uhr

Owschlag | Die Spinne ist riesig. Groß wie eine Frauenhand und mit dicken, beharrten Beinen versehen. Das Arbeitszimmer von Horst Schäfer in Owschlag ist kein Aufenthaltsort für Spinnen-Phobiker – auch wenn der monströse Gliederfüßer gut verwahrt hinter Glas steckt. Schäfer, ein freundlicher Mann mit Brille, lächelt. „Nein, die habe ich nicht selbst gefangen, sondern präpariert gekauft.“ Da ist der Besucher ganz erleichtert. Doch etliche andere zarte Tiere hat Horst Schäfer eigenhändig gesammelt. Leuchtend grün, lilafarben oder gelb-orange hängen Schmetterlinge an der Zimmerwand hinter dem ehemaligen Studiendirektor.

Es ist unübersehbar: Horst Schäfer interessiert sich für Insekten und Reptilien. Schon als Junge zog der heute 67-Jährige los, um die Raupen des Lingusterschwärmers zu sammeln. Diese hat er dann verkauft, um von dem Geld andere Insekten zu erstehen. Später fing er die Tiere mit der Kamera statt mit dem Kescher ein – unter anderem in Griechenland. „Ich bin fasziniert von der Vielfalt der Flora und Fauna dort“, gesteht er. Jetzt, im Ruhestand, hat der ehemalige Lehrer ein Buch über die Insekten und Reptilien Griechenlands geschrieben. Ein verrücktes Unterfangen, denkt man im ersten Moment – obwohl die Entomologie, die Insektenkunde, eine alte Wissenschaft ist. Und wenn man Schäfers Fotos sieht und seinen begeisterten wie kenntnisreichen Schilderungen lauscht, überträgt sich die Faszination. Skorpion, Zebraspinne oder Hornotter möchten die meisten Menschen nicht begegnen. Manche Spezies finden wir unappetitlich, bei anderen fürchten wir uns vor giftigen Attacken. Doch wenn man die Tiere mit den Augen Schäfers betrachtet, entdeckt man die Besonderheiten im Detail: Die Stechfliege hat wunderschöne grüne Augen und die Raupen des Wolfmilchschwärmers verfügen über eine ausgefallene blau-rote Zeichnung.

Letztere halten sich auf Wolfsmilchbüschen auf, von denen es auf dem Peloponnes etliche gibt. „Ich schaue im Vorbeigehen automatisch, ob ich Raupen darauf sehe“, gesteht der Griechenlandfan aus Owschlag. Als er einige Exemplare entdeckte, fuhr er extra noch mal mit dem Stativ zu der Stelle, um jene Aufnahme zu machen, die auf Seite 41 in seinem Buch zu sehen ist und auf dieser Seite unten links. Er ist mit einem 150-Millimeter-Makroobjektiv auf Insektenjagd. Bei anderen Objektiven müsse man sich dem Objekt der Begierde zu sehr nähern, weiß er aus Erfahrung. „Mit diesem Objektiv kann ich einen Meter weit weg bleiben.“ Seine Frau und die zwei inzwischen erwachsenen Töchter sind an seine Leidenschaft gewöhnt, ertragen es mit Fassung, wenn er im Jugoslawien-Urlaub zwei Skorpione im Sonnenschirm entdeckt oder beim Picknick nach besonderen Insekten Ausschau hält. Von den Skorpionen sagt er: „Es ist einfacher, die Tiere mit dem Kescher zu fangen, als sie zu fotografieren.“

1975 ist der damalige Student mit seiner Freundin (und heutigen Frau) mit einem VW-Käfer das erste Mal nach Griechenland gefahren. Auch nach mehr als 40 Jahren ist die Faszination für Land und Leute nicht erloschen.

Aus den gut gefüllten Regalen seine Arbeitszimmers im Owschlager Einfamilienhaus zieht Schäfer mehrere Bände heraus – Bestimmungsbücher über Tiere und Pflanzen des Mittelmeerstaates. Sie sind auf Griechisch geschrieben oder auf Englisch. Darum hat er nun selbst ein Werk über „die auffälligsten Insekten und Reptilien“ Griechenlands verfasst. Denn: „Nach so einem Buch habe ich immer gesucht“, sagt Horst Schäfer. Es enthält Fotos von „Tieren, die ich in den vergangenen zehn Jahren gesehen habe“. Zum Beispiel von einer Hornotter, der giftigsten der europäischen Vipern. Angst hat der Owschlager keine. „Sie bleibt meist liegen und vertraut auf ihre Tarnung.“

So umfangreich die Kenntnisse des Naturliebhabers und Entomologen auch sind – für das Buch hat er sich fachliche Unterstützung von Kollegen geholt, damit jedes Detail stimmt. Wer ihm nacheifern möchte, findet im Anhang Tipps zur Fotografie. Er selbst ist weiterhin auf Fotopirsch und startet bald ein weiteres Buch-Projekt: „Band zwei über die Pflanzenwelt Griechenlands“.

Der Autor und sein Buch Der Autor unterrichtete von 1977 bis 2013  Biologie, Chemie und Informatik an der Rendsburger Herderschule.

  Das Buch: Horst Schäfer, „Die Natur Griechenlands – Die auffälligsten Insekten und Reptilien“, mit 175 Farbfotos, Verlag der Griechenland Zeitung, 24,80 Euro

 Erhältlich in Buchhandlungen  oder direkt beim Autor unter schaefer-griechenland@ t-online.de

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