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Naturschuttz : Insekten satt für mehr Bodenbrüter

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Jäger und Landwirt richten Kräuteräcker in Schönhagen ein / Insekten stellen sich ein als Futter für bedrohte Rebhühner und Bodenbrüter

von
erstellt am 29.Mai.2017 | 06:35 Uhr

Schönhagen | Wenige Insekten als Nahrung und weniger geeignete Lebensräume. Der Bestand an Bodenbrütern hat sich in den letzten 60 Jahren drastisch reduziert. Das Rebhuhn gilt als Zeigerart der Vögel, die auf Wiesen, Äckern und an Weg- und Knickrändern ihren Lebensraum haben. In Schönhagen bekommen die Tiere nun wieder Ackerlebensräume zur Verfügung gestellt. Auf rund 17 Hektar Fläche in drei Schlägen konnte Jagdpächter Otto Nagel einen örtlichen Landwirt gewinnen, fünf Jahre lang eine Wildkräutersaat anzubauen. Gefördert wird dies über den Vertragsnaturschutz des Landes im Programm „Ackerlebensräume“.

Gegenüber den 50er-Jahren sei der Bestand der Rebhühner heute auf unter fünf Prozent gesunken, sagt Dr. Ulrich Fehlberg. Der Landschaftsökologe von der Uni Kiel aus dem Fachbereich Natur- und Ressourcenschutz, Abteilung Landschaftsökologie, arbeitet auch für das Wildtierkataster Schleswig-Holstein. Er betreut das Projekt und ist begeistert von dem Engagement von Otto Nagel und dem Landwirt.

„Seit 2007 bin ich schon dabei“, erzählt Nagel, der schon lange beobachtet hatte, dass der Bestand an Rebhühnern und auch Hasen stark sank. „Bejagt wurden sie so gut wie nicht mehr“, sagt Nagel. Er suchte nach Erklärungen und stieß auf das wissenschaftliche Projekt der Uni Kiel. Schnell war klar, dass die Bestände aufgrund fehlender Nahrung und Lebensräume sanken, erklärt Nagel. Nagel suchte und sprach Landwirte an und fand einen Unterstützer. Das Programm sieht vor, dass der Landwirt die Fläche mit einer speziellen Saatmischung „Rebhuhn“ ganz konventionell bestellt. Dafür erhält er jährlich einen festen Betrag als Ausgleichszahlung je Vertragsjahr.

Im ersten Frühjahr wird der Boden bestellt und die Saat ausgesät. „Im ersten Jahr war die Fläche ein Blütenmeer“, berichtet Uni-Mitarbeiter Dr. Fehlberg. Denn neben den 27 speziellen Wild- und Kulturarten für Bodenbrüter, die in den fünf Vertragsjahren dreimal ausgesät werden, wuchsen viele Pflanzen, die als Samen noch im Boden überdauerten, erklärt der Fachmann. Die Pflanzen sind so gewählt, dass besonders Insekten – vom Käfer über Wanzen, Spinnen, Bienen bis hin zu Faltern – ideale Lebensbedingungen finden. Mit ihnen kommen dann die Bodenvögel, die Nahrung und Deckung in dem Kräuterwuchs finden.

Um die Auswirkungen der zusätzlichen Kulturen zu ermitteln, sind die revierbetreuenden Jäger aufgefordert, zu bestimmten Zeiten und in festgelegten Erfassungsbögen, die Bestände zu ermitteln. In Schleswig-Holstein gibt es 90 Reviere für Hasen und 140 Reviere für Rebhühner, in denen die Jäger zählen, berichtet Dr. Fehlberg. „Das ist eine große Hilfe, für die wir sehr dankbar sind.“

Otto Nagel, unterstützt vom jagdberechtigten Thomas Johannsen, zählte im Vorjahr nur drei Rebhuhn-Paare und rund 30 Hasen auf insgesamt 185 Hektar Beobachtungsfläche. In diesem Jahr zählten sie 38 Hasen. Für die Rebhühner war es noch zu früh. „Ich bin aber gespannt, wie sich der Bestand entwickelt“, sagt Nagel. In jedem Fall beobachteten sie schon deutlich mehr Fasane und andere Bodenvögel, die offensichtlich schon von dem neuen Angebot profitierten.

Sorgen bereiten den Revierbetreuern die vielen Fußgänger, beziehungsweise deren unangeleinte Hunde, die über die Kulturen jagen. Sie schrecken die Vögel auf, jagen sie und zerstören möglicherweise Brutgelege. „Das sind ganz normale Äcker mit Kulturen, die nicht zu betreten sind“, ergänzt Dr. Fehlberg. Durch ein Weizenfeld würde ja auch keiner rennen. Entsprechende Hinweistafeln hat Otto Nagel aufgestellt. Zudem hat er Wildkameras installiert, die neben den Vögeln natürlich auch andere Besucher auf den Kulturflächen aufzeichnen.

Bedroht werden die Bodenbrüter aber auch durch Niederwildjäger. Ob Fuchs, Marderhund, Dachs oder Marder, ihre Bestände sind stark und müssten mehr bejagt werden, so die Beobachtung der Jäger. Helfen soll die Aufstellung von Lebendfallen. Tipps und Beratung dafür erhalten die Schönhagener von Christopher von Dollen. Er ist Revierjagdmeister und Leiter des Hegelehrreviers Grönwohld sowie Vorsitzender des Arbeitskreises Niederwild beim Landesjagdverband. Er findet das Angebot für Bodenbrüter in Schönhagen sehr vorbildlich und ist ebenso an der wissenschaftlichen Auswertung interessiert.

 

 

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