Inklusiv auf Erfolgskurs

Küchenfachkraft Susanne Warnke und Küchenchef Klaus Rathmann überraschten Sozialminister Dr. Heiner Garg mit frisch geräucherten Makrelen aus dem hauseigenen Räucherofen.  Fotos: Kühl
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Küchenfachkraft Susanne Warnke und Küchenchef Klaus Rathmann überraschten Sozialminister Dr. Heiner Garg mit frisch geräucherten Makrelen aus dem hauseigenen Räucherofen. Fotos: Kühl

Im Hotel „Alte Fischereischule“ arbeiten behinderte und nicht-behinderte Mitarbeiter zusammen / Lob von Sozialminister Heiner Garg

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12. August 2018, 06:41 Uhr

Eckernförde | Selbstgemachte Himbeertorte mit Cola – diese eher ungewöhnliche Kombination schmeckte Sozialminister Dr. Heiner Garg (FDP) gestern beim Besuch des seit 1999 inklusiv geführten Hotels „Alte Fischereischule“ in der Sehestedter Straße ausgezeichnet, die Torte aus der hauseigenen Küche besonders gut. Der Minister hat sich auf Einladung von „Brücke“-Geschäftsführerin Heike Rullmann ein Bild vom Hotelbetrieb gemacht, in dem sieben der 17 Mitarbeiter schwerbehindert sind. Sie arbeiten in der Küche, im House-Keeping, Service und in der Pflege der weitläufigen Grünanlage in Hanglage mit exklusivem Blick auf die Eckernförder Bucht. Das Hotel „Alte Fischereischule“, in dem bis in die 1990er-Jahre alle angehenden Fischer von Nord- und Ostsee ausgebildet wurden, gehört zur Start GmbH, einer Tochtergesellschaft der im Kreis Rendsburg-Eckernförde ansässigen „Brücke“-Gruppe. Das 3-Sterne-Haus verfügt über 18 Zimmer und 34 Betten und bietet über den Hotelbetrieb hinaus auch einen fast immer ausgebuchten Mittagstisch und seit Neuestem auch von dienstags bis freitags von 17 bis 21 Uhr eine Abendkarte mit vorwiegend regionalen Gerichten an. Es gibt sogar einen eigenen Räucherofen, in dem Forellen, Makrelen oder Sprotten für die Gäste zubereitet werden.

Mit einer Auslastung von jahresdurchschnittlich über 80 Prozent und der auch von der einheimischen Bevölkerung sehr gut angenommenen Gastronomie mit rund 50 Plätzen sei eine wirtschaftliche Stabilität gegeben, die durch weitere Investitionen und Modernisierungen noch weiter gefestigt und ausgebaut werden soll. Das Hotel punktet ferner mit Meeresblick und dem fußläufig zu erreichenden Strand. Darauf wiesen „Brücke“-Geschäftsführerin Heike Rullmann und Hotelleiter Ottmar Pless gegenüber unserer Zeitung hin. „Wir sind hier ein Team, und unser Erfolg muss die Hotelqualität sein“, verdeutlichte Heike Rullmann den Anspruch an die Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Die Beschäftigten mit Behinderung würden in die Arbeitsabläufe und Prozesse eingebunden und von ausgewählten Mitarbeitern speziell angeleitet. Bei einem gehörlosen Mitarbeiter müssten beispielsweise die Arbeitswege so angelegt sein, dass sich die Wege der Mitarbeiter nicht kreuzen. Andere gehandicapte Mitarbeiter brauchen in der Küche von Küchenchef Klaus Rathmann ruhige Ecken, um ihrer Arbeit nachgehen zu können. „Wir haben ein richtig gutes Betriebsklima“, sagte Heike Rullmann. Aufkommende Konflikte, die es im Einzelfall auch gibt, würden sofort angesprochen und gelöst, im ärgsten Fall mit einer Kündigung, auch das gibt es im inklusiven Hotel, wenn die Leistung oder das Verhalten nicht stimmt. Die langjährig positiven Erfahrungen sprechen für das inklusive Konzept, und auch die Rückmeldungen der Hotelgäste und Restaurantbesucher seien durchweg positiv, betonte Hotelleiter Ottmar Pless, der auch auf die gute Bewertung auf einer bekannten Buchungsplattform verweist, die Ansporn für alle Mitarbeiter sei. „Letztlich geht’s nur ums Ergebnis.“ Er hat nur ein Problem – wie die gesamte Branche: zu wenig Mitarbeiter. „Sonst könnten wir noch mehr machen.“

Aufgrund der inklusiven Arbeit in der Alten Fischereischule unterstützt das Sozialministerium die laufende Modernisierung der Phase 1 – Lobby, Empfang und Küche –, sowie auch die für den Herbst und Winter geplante Phase 2 mit der Sanierung der Zimmer, Fußböden und Ausstattung, der Außenanlagen und Terrassen mit einem Zuschuss von 250 000 Euro. Minister Heiner Garg, der schon beim Betreten des Hotels „ein total angenehmes Gefühl“ verspürt hat, zeigte sich beeindruckt: „Dieses Haus punktet nicht nur mit einem fabelhaften Blick über die Eckernförder Bucht – auch seine Gastlichkeit und sein Service überzeugen rundum und beweisen, dass Inklusionsbetriebe den Vergleich mit anderen Betrieben in keiner Hinsicht scheuen müssen.“ Die Mittel der Ausgleichsabgabe – zahlbar von Unternehmen ohne behinderte Beschäftige –, mit denen in Schleswig-Holstein Inklusionsbetriebe unterstützt werden, um Menschen mit Behinderung die Teilhabe am Arbeitsleben auf dem ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen, seien im Hotel Alte Fischereischule hervorragend investiert, so Garg.

Das Unternehmen beschäftigt als einer der ersten Inklusionsbetriebe in Schleswig-Holstein schwerbehinderte Menschen auf dauerhaften Arbeitsplätzen. Der Anteil der schwerbehinderten Mitarbeiter beträgt mindestens 30 Prozent. Ziel sei die dauerhafte Schaffung von Arbeitsplätzen für schwerbehinderte Menschen mit tariflicher Bezahlung. Insgesamt gebe es in Schleswig-Holstein 20 Inklusionsbetriebe in unterschiedlichsten Branchen wie Dienstleistungen, Handel, Handwerk, Industrie, Hotel- und Gaststättengewerbe, bis hin zu Multimedia und IT-Firmen.

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