Segelerlebnis : Inklusion mit vollen Segeln

Alles im Griff: (v.l.) Loreen und ihr Vater Rolf sowie Eva-Marie und Thomas Preuhsler.
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Alles im Griff: (v.l.) Loreen und ihr Vater Rolf sowie Eva-Marie und Thomas Preuhsler.

Der Verein „Meer bewegen“ präsentierte sich beim Ansegeln des Wassersportclub am Wittensee

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06. Mai 2015, 06:46 Uhr

„Ganz doll aufgeregt“ sei sie vor ihrem ersten Segeltörn, aber Angst habe sie nicht. Für die 15 Jahre alte Loreen Ahrens aus Süderdorf bei Tellingstedt war das Ansegeln beim Wassersportclub am Wittensee (WSCW) eine ganz spannende Angelegenheit. Sie war auch eine der ersten, die mit der Jolle des Vereins Meer bewegen“ in See stechen durfte.

Loreen besucht in Meldorf die Astrid-Lindgren-Schule. Sie ist ein ganz besonderes Crewmitglied. Bei einer Vorsorgeuntersuchung wurde bei Loreen das äußerst seltene Williams-Beuren-Syndrom festgestellt – eine körperliche und geistige Behinderung. Doch dass Boot, das am 20. Mai getauft werden soll, ist für Seglerinnen wie Loreen bestens geeignet.

Auch Nicole (25) vom Freizeitclub der Lebenshilfe aus Meldorf wartete am Ufer des Wittensees auf ihre Ausfahrt.

Gekauft haben das fünf Meter lange Boot Eike Ketzler und Thomas Preuhsler vom Verein „Meer bewegen“. Ketzler ist Vorsitzender, Preuhsler sein Stellvertreter. Die Jolle wurde speziell für Menschen mit Behinderung umgerüstet. Der Verein will jungen Menschen mit Behinderung das Segeln ermöglichen. Der Inklusionsgedanke hat dabei einen hohen Stellenwert. „Das gemeinsame Segeln behinderter und nicht behinderter Menschen ist unser Ziel“, sagt Preuhsler. Das Boot hat drei Segel und kann dank seiner Hubkiel-Version praktisch nicht kentern. Ausgestattet ist die Jolle mit einem so genannten Sailability Kit. Dazu gehören zwei eingebaute Sitze, in denen die Segelnden in Fahrtrichtung sitzen. Sie müssen auch bei Kursänderungen keinen Positionswechsel im Boot machen. Mit wenig Aufwand kann über einen Seilzug die Segelfläche den Windverhältnissen und Fähigkeiten der Segelnden angepasst werden. Gesteuert wird das Segelboot mit einem Joystick.

Mit an Bord gingen neben Loreen auch ihr Vater Rolf sowie Thomas Preuhsler und seine Schwester Eva-Maria. „Das Segeln ist optimal für Kinder mit Behinderung“, sagt Loreens Mutter Melanie. Bei anderen Sportarten könne ihre Tochter einfach nicht mithalten, das Tempo sei zu schnell. Beim Segeln säßen alle in einem Boot, hier mache der Wind das Tempo.

Der junge Verein steht in engem Kontakt mit der Astrid-Lindgren-Schule, hier solle das Boot auch getauft werden. Aber auch andere Schule, wie die Hochfeld-Schule in Rendsburg, haben Interesse an einer Zusammenarbeit und an dem „inklusiven Segeln“. Menschen mit und ohne Behinderung segeln zusammen, das mache den Reiz des Projektes aus. „Kinder und Jugendliche erlangen beim Segeln Selbstvertrauen, lernen Verantwortung zu übernehmen und im Team zu arbeiten“, betont Thomas Preuhsler.

Mittelfristig soll auch das Gelände des Wassersportclubs barrierefrei werden. „Das Gebäude muss vermutlich saniert werden“, sagt Preuhsler. Dann soll gleich an eine rollstuhlgerechte Ausmaße geachtet werden.

>www.meer-bewegen.de

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