Depo-Nie : Initiative befürchtet Deponieausbau

Haben noch einiges vor, um die Erweiterung und den Wiederbetrieb der Bauschuttdeponie in Gammelby neben der Koholmer Au kritisch zu begleiten: Anke Häußler (l.) und Alexandra Florek.
Haben noch einiges vor, um die Erweiterung und den Wiederbetrieb der Bauschuttdeponie in Gammelby neben der Koholmer Au kritisch zu begleiten: Anke Häußler (l.) und Alexandra Florek.

Bürgerinitiative „Depo-Nie“ Gammelby begleitet Erweiterungsplanung mit Strategie / Warten auf Fortsetzung des Verfahrens

Dirk_Steinmetz-8463.jpg von
24. Januar 2017, 06:25 Uhr

Gammelby | Auch wenn es derzeit scheint, als wenn nichts passiert in Sachen Deponieerweiterung in der Gemeinde Gammelby, so täuscht dies. „Wir verfolgen drei bis vier Ansätze, von denen uns Fachleute sagen, wir könnten Erfolg haben“, sagt Alexandra Florek. Die Sprecherin der Bürgerinitiative „Depo-nie“ mag nicht mehr verraten, „wir müssen strategisch vorgehen“, sagt sie. In jedem Fall ist die Rückendeckung durch die Bürger sehr groß. Ein harter Kern von sieben Aktiven handelt im Sinne von fast 230 Bürgern, die mit ihrer Unterschrift der Bürgerinitiative den Rücken stärkt.

Die Sorge vor einer Erweiterung der ehemaligen Bauschuttdeponie habe den ganzen Ort erfasst, sagt Florek. Und auch Anke Häußler ergänzt, dass das Thema Deponie immer für Gesprächsstoff sorgt. Die Vorstellung, dass im Falle einer Erweiterung der Deponie täglich bis zu 100 Lkw-Fahrten durch den Ort zu erwarten seien, sei sehr schlimm.

Nicht weniger Sorgen bereitet der Bürgerinitiative die Tatsache, dass aus der etwa bis 2008 betriebenen Deponie, nur 260 Meter von der nächsten Wohnbebauung entfernt, möglicherweise belastetes Sickerwasser austrete. Und dieses könne über die Koseler Au (Koholmer Au), die unmittelbar an der Altdeponie vorbei führt, auch in die Schlei gelangen. Hoffnung setzt die Initiative auf das Auenprogramm, das das Ministerium für Energie, Landwirtschaft Umwelt und ländliche Räume (MLUR) im Oktober 2016 beschlossen hatte (siehe Text diese Seite). Die Au ist in die Prüfliste aufgenommen worden.

Unabhängig vom Auenprogramm hat die Bürgerinitiative den BUND gebeten, die bisher bekannten Dokumente, beispielsweise aus dem vorzeitigen Scoping-Verfahren zu beurteilen. Danach kommt der BUND zu der Feststellung, dass in den bisher vorliegenden Unterlagen keine Überlegungen „für eine gewissenhafte, nachhaltige Abschottung (der Koseler Au) gegenüber den zu vermutenden Emissionen, die von einem Deponiebetrieb ausgehen würden“ vorliegen. „Dies sei ein weiteres Indiz, wie wenig problemorientiert mit einer ungeklärt undichten Deponie und mit den Schutzgütern Mensch, Natur und Landschaft umgegangen worden ist“, urteilt der BUND.

„Die Themen werden immer komplexer“, sagt Florek. Gerade im Naturschutzbereich sei in der Gemeinde in der Vorzeit viel schief gelaufen. Dieses aufzuarbeiten ist mit ein Grund für die Neugründung eines Vereins Naturfreunde. Infos hierzu bei Steffen Waidlein per E-Mail an steffen@waidlein.de.

„Wir wohnen in einer so schönen Landschaft, eine Deponieerweiterung wäre eine unverzeihbare Sünde“, stellt Florek fest. Zugleich betont sie, dass sie nicht weltfremd sind. Es würden Deponien benötigt. Aber der Weg dahin, die Gefährdung der Umwelt und die Belastung der Anwohner durch den Schwerlastverkehr, das alles erfordere bürgerliches Engagement. Sie wollen im Einklang mit der Gemeinde und der Politik, dass Bedenken ernst genommen werden und offensichtliche Fehler der Vergangenheit aufgearbeitet werden. Es sind Themen, die alle angehen, losgelöst von der Betroffenheit Einzelner.

Gammelbys Bürgermeistern Marlies Thoms-Pfeffer rechnet bald mit einem weiteren Scopingtermin, bei dem die Ergebnisse verschiedener Gutachten, beispielsweise eines Verkehrsgutachtens, vorgestellt werden.

Auf EZ-Nachfrage bei der Kreisverwaltung Rendsburg-Eckernförde, teilte Pressesprecher Martin Schmedtje mit, dass es noch nicht bekannt sei, wann die notwendigen Unterlagen für das Scopingverfahren fertiggestellt sind. Für den Deponiestandort sei das Land zuständig, so Schmedtje. Dies habe im Rahmen einer teilweisen Ertüchtigung des alten Deponiepolders durch Fachfirmen zur Gefahrenabwehr, im Auftrag des Landes, einen Zaun mit Hinweisschildern auf die möglichen Gefahren von Asbest und eine neue Elektroverteilung, für die, den Deponiekörper entwässernden Pumpen installiert. „Das Anbringen der Hinweisschilder ist notwendig, um Personal, welches innerhalb der Umzäunung Wartungs- und Reparaturarbeiten durchführen muss, auf die Einhaltung des notwendigen Arbeitsschutzes hinzuweisen“, so der Pressesprecher. Nach den aktuellen Erkenntnissen ist der Deponiekörper noch nicht korrekt mit einer Oberflächenabdichtung versehen und kein Sanierungsfall, sagt Schmedtje. Ob die alte Deponie nachträglich abgedichtet werden soll, entscheide das Land. Der Kreis untersuche regelmäßig das Grundwasser im Umfeld der Deponie. „Eine negative Beeinträchtigung durch den Deponiekörper wurde bislang nicht festgestellt“, erklärt Schmedtje.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen