Gesundheit : Individualisierung geht weiter

Haben viele Pläne für ihre Kliniken  am Helios Standort Damp: Birk Heinrich (l.) und Christian Kreische.
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Haben viele Pläne für ihre Kliniken am Helios Standort Damp: Birk Heinrich (l.) und Christian Kreische.

Aufgaben und Zukunftsthemen der Damper Helios-Kliniken. Abschluss der Gesundheitsserie zum Standort Damp.

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19. Januar 2018, 06:14 Uhr

Damp | Medizin – Gesundheit – Erholung – , diese drei Säulen bilden die Basis für den Standort Damp. Als Arbeitgeber von gut 1700 Menschen in der Region sind die Helios Ostseeklinik Damp, die Helios Rehaklinik Damp und das Ostsee Resort Damp einschließlich weiterer Angebote ein Schwergewicht – weit über die Landesgrenzen hinaus. Im sechsten und letzten Teil einer EZ-Serie geht es um Visionen und Aufgaben in der Zukunft.

„Die Medizin ist immer in Entwicklung.“ Dies sagt Christian Kreische (52), seit bald 25 Jahren in leitender Funktion in der Helios Ostseeklinik. Seit fünf Jahren ist er Geschäftsführer und er weiß genau: Damit es am Standort Damp gut läuft, „müssen wir hier immer einen Tick besser sein, als an anderen Standorten“. Drei zentrale Bereiche hat Kreische im Blick, in denen er besondere Weiterentwicklung anstrebt. Das sind die Konservative Medizin, die Schmerztherapie und Wechseloperationen von Hüft- und Kniegelenken – auch im Bereich der sogenannten septischen Wechsel. Diese bakteriell-entzündliche Komplikation stellt hohe Anforderungen an den Operateur und die Ausstattung der Klinik.

Mit Dr. Wolfgang Klauser, Chefarzt in der Orthopädie, verfügt das Haus über einen international renommierten Spezialisten für Wechsel-OPs, auch für septische Prothesenwechsel. Das sei wichtig, denn mit der stark steigenden Nachfrage nach Wechsel-OPs steigt auch der Bedarf nach den deutlich selteneren septischen Wechseln. Kreische zufolge stieg die Zahl der Operationen in diesem Segment um 70 auf nun 231 in 2017 an. „Wir wollen das Kompetenzzentrum für Wechseloperationen im Land werden.“

Dass die Verweilzeiten der Patienten im Krankenhaus noch gesenkt werden, dafür sieht Kreische derzeit wenig Spielraum. Sieben bis zehn Tage Krankenhaus für eine Hüft-OP und drei Wochen anschließende Reha, diese Zeit sei nötig.

Der Ausbau der konservativen Medizin, also die Behandlung von Patienten ohne Operation, gehört traditionell zu den Schwerpunkten in Damp. Orthopäden, Neurochirurgen, Rheumatologen und Schmerztherapeuten betrachten dabei gemeinsam, jeder aus seinem Blickwinkel, den Bewegungsapparat, um so zu einer individuell passenden Therapie zu kommen“, erklärt Kreische und denkt, dass man Patienten in ein bis zwei Wochen stationären Aufenthaltes enorm helfen kann. Auch in Hinsicht auf eine Schmerztherapie stellen entsprechende Fachärzte und die große Anzahl besonders geschulter Therapeuten am Standort sowie der enge Dialog mit Spezialisten aus dem psychosomatischen Bereich der benachbarten Helios Reha-Klinik einen großen Vorteil für Patienten dar. Diese Strukturen sollen ausgebaut und so die abteilungs-, fach- und klinikübergreifende Zusammenarbeit vorangetrieben werden.

Im Klinikbetrieb der Zukunft wird sich die Individualisierung der Behandlung fortsetzen. Prothesen, Implantate und auch die Reha-Therapien werden immer individueller auf den Patienten zugeschnitten, ergänzt Birk Heinrich (40), seit 2016 Geschäftsführer der Helios Rehaklinik Damp und des touristischen Zweigs des Standortes, des Ostsee Resorts Damp. Und auch die Digitalisierung wird die Medizin mitbestimmen. Derzeit wird in der Abteilung Neurochirurgie der Ostseeklinik die digitale Unterstützung der Anamnese erprobt. Über ein Tablet gibt der Patient detaillierte Auskünfte ein, die sonst der Arzt später abfragen müsste. Wenn der Patient ins Sprechzimmer kommt, „hat der Arzt bereits ein genaues Bild des Patienten, seiner Situation und seiner Beschwerden und kann zielgerichteter vorgehen“, erläutert Kreische den Vorteil. Die Ostseeklinik ist hierbei Musterklinik für den Helios-Konzern.

Als Zukunftsmusik, und vielleicht erst in rund zehn Jahren realisiert, stuft Kreische den Einsatz von 3-D-Druckern zur Herstellung von Gelenkprothesen ein. Allerdings werden mit solchen Druckern bereits heute Schablonen individuell je Patient zur Anpassung der Prothese an den Knochen gefertigt.

Auch in der Rehaklinik geht der Trend zu einer stärker individualisierten Behandlung. So kann sich Heinrich gut vorstellen, dass Patienten künftig über eine App ihre individuellen Therapieaufgaben für die Nach-Rehazeit erhalten. Damit könnte auf allgemeine und gedruckte Anleitungen verzichtet werden. Die sehr gute Auslastung der Klinik zu halten und in Details noch besser zu werden, ist sein Ziel. Weitere Standbeine schafft die Reha-Einrichtung durch zusätzliche Zulassungen durch die Deutsche Rentenversicherung. Kürzlich erhielt sie die Zulassung zur Verhaltensorientierten Rehabilitation, einer Verbindung aus Psychosomatik und Orthopädie, sowie zur Behandlung von Kunstherzpatienten.

Ebenfalls im Wachstum befindet sich die Prävention. So hat man weitere große Unternehmen für Programme im Helios Prevention Center gewinnen können. Ziel ist es, Mitarbeitern Wissen und Verhaltensstrategien zu vermitteln, um länger gesund und im Arbeits- und Privatleben leistungsfähig zu bleiben. Hier sehen die Geschäftsführer Kreische und Heinrich auch eine Herausforderung für den Standort Damp. 1700 Mitarbeiter aus 101 Gemeinden in Schleswig-Holstein arbeiten dort in allen Unternehmensbereichen. Der Anteil der examinierten Krankenpflegekräfte ist in der Ostseeklinik so hoch wie nirgends in der Region und die Fluktuation gering. Jedoch liegt der Altersdurchschnitt bei 47 Jahren, hat Kreische festgestellt. Noch könnten sie für beide Kliniken ausreichend gute Mitarbeiter finden. Was aber ist in zehn Jahren? Und so wird am Standort schon jetzt intensiv über verschiedene Arbeitsmodelle beraten, um erfahrene Mitarbeiter lange gesund und im Arbeitsleben zu halten und gleichzeitig junge Mitarbeiter langfristig an den Standort zu holen. „Wir wollen das Wissen und die Erfahrung hier erhalten“, nur so kann die hohe Qualität in Medizin und Erholung, „eben das Damper Modell“ überdauern, so Kreische. Mit dieser Zukunftsstrategie sieht sich der Standort weit vorne im Feld der Gesundheitsbranche.

Neben den medizinischen Neuerungen wird in den Standort investiert und gebaut. So wurden gerade drei Etagen mit rund 75 Patientenzimmern der Ostseeklinik umfassend modernisiert. Jetzt geht es mit drei weiteren Etagen weiter, und zwar im laufenden Betrieb.

In der Rehaklinik hat man mit der internen Planung zur Sanierung der Patientenzimmer begonnen, ergänzt Heinrich. Auch im touristischen Bereich wird weiter modernisiert und man greift dabei den roten Faden des Themas „Wikingerland“ konsequent auf. „Stillstand gibt es nicht“, betont Heinrich, der für den Tourismus in Deutschland eine große Chance sieht.

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