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informationsveranstaltung : In elf Tagen ist der Bürgerentscheid

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Gemeinde bot zum Thema Windpark Maasleben einen Informationsabend mit Befürwortern, Gegnern und Vertretern von Prokon an. Nur rund 20 Holzdorfer nutzten dieses Angebot.

Der erste stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde, Gerd Boll, stellte das Ziel des Abends vor: „Es geht nicht um Polarisierung. Es geht letztendlich darum, dass jeder wissen soll, wie er sich beim Bürgerentscheid entscheidet“, begrüßte Boll knapp 40 Zuhörer, die am Montagabend den Weg in den Gasthof Blumenthal gefunden hatten. Sie waren der Einladung der Gemeindevertretung gefolgt, die 13 Tage vor dem Bürgerentscheid mit Vertretern des Vorhabenträgers, der Firma Prokon und Vertretern der Initiatoren des Bürgerentscheids eine Informationsveranstaltung anbot. Am Sonntag, 10. Mai, sind 711 stimmberechtigte Holzdorfer zur Abstimmung gerufen. Folgende Frage wird ihnen vorgelegt: „Sind Sie dafür, dass der von der Gemeindevertretung Holdorf am 25. September 2014 verabschiedete Aufstellungsbeschluss über den vorhabenbezogenen Bebauungsplan Nr. 2 „Windpark Holzdorf“ für das Gebiet zwischen den Gemeindestraßen Bösby und Staunerhütten sowie nördlich der Gemeindestraße Grünlund dahingehend ergänzt wird, dass die Höhen dieser Anlagen auf 100 Meter begrenzt und der Mindestabstand der Anlagen zur Wohnbebauung auf 650 Meter festgelegt wird?“

Der Vorhabenträger, Hilmar Kellinghusen von Gut Maasleben, und die Firma Prokon aus Itzehoe, planen die Aufstellung von vier Windenergieanlagen (WEA) mit einer jeweiligen Gesamthöhe von 150 Metern Höhe. Als Abstände zur nächsten Wohnbebauung sieht Prokon unter anderem 452 Meter von der WEA 1 beziehungsweise 488 Meter von der WEA 4 zu Häusern in Archangel, 457 Meter zum Ortsteil Staunerhütten, 470 Meter zu Bösby und 472 Meter zu einem Einzelhaus zwischen Bösby und Bösbyfeld vor.

Schwerpunkte der Fragen aus dem Plenum waren die Themen Immissionsschutz, Befeuerung der Anlagen, Schutz der Gesundheit des Menschen, Naturschutz, Wirtschaftlichkeit der Anlagen, Gewerbesteuer und Kosten für die Gemeinde. Gefragtester Mann des Abends war Diplom Geograf und Projektentwickler Christoph Rosengarten, der für die Firma Prokon Rede und Antwort stand. Mit ihm am Podiumstisch saßen Hilmar Kellinghusen, Bürgermeister Dirk Radeck und seine Stellvertreter Gerd Boll und Torsten Denker, Gemeindevertreter Sven Schlömer, Norbert Jordan (Leiter der Abteilung Bauen und Umwelt des Amtes Schlei-Ostsee), Günter Koch (Vertreter der Initiatoren des Bürgerbescheids) – ihm zur Seite saß Edda Büchmann aus Rieseby (Mit-Initiatorin des dortigen Bürgerbescheids ).

Dr. med. habil. Hilmar-L. Poser aus Sieseby, Fachrichtung Radiologie, Nachbar der zukünftigen Windmühlen, stellte die Frage nach der Bewertung des Infraschalls, den die Windkraftanlagen verbreiteten. Für den deutschen Raum gebe es keine wissenschaftlichen Studien hinsichtlich der Beeinträchtigung der menschlichen Gesundheit durch Infraschall, bestätigte Nobert Jordan vom Amt die Aussage von Christoph Rosengarten, dass Infraschall laut Gesetzgeber kein relevantes Kriterium im Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen sei.

„Wir können nicht mehr schlafen.“ Dr. Susanne Kirchhoff aus Holtsee stellte anschaulich ihre Lärm-Erfahrungen mit den 150 bis 180 Meter hohen Windkraftanlagen in ihrer Gemeinde dar. Sie gab zu, vor Baubeginn ahnungslos angesichts des zu erwartenden Lärms gewesen zu sein. Nicht nur die Immissionswerte am heimischen Fenster müssten gemessen werden, denn auch die Tiefenfrequenzen im Haus seien eine echte Belastung: „Es brummt im Ohr“, so die Holtseerin.

„Der Windpark ist für den Seeadler keine existenzielle Bedrohung“, erklärte Rosengarten zur Frage nach dessen Schutz. Eine 70-tägige Untersuchung innerhalb eines Jahres durch zwei Biologen lasse diesen Schluss zu. Nach der Errichtung der WEA plane Prokon die Gründung einer Bürgerstiftung für Holzdorf. Die anfallende Gewerbesteuer solle zu 100 Prozent der Gemeinde zukommen. Konkrete Zahlen konnte er auf Nachfrage aus dem Plenum nicht nennen: „Was im Endeffekt hier wirklich ankommt, kann ich hier und heute nicht sagen“, so Rosengarten. Hinsichtlich der Belästigung durch die Nachtbefeuerung der WEA machte er klar, dass Prokon bereit sei, das neue System der bedarfsgerechten Befeuerung zu installieren: „Das System kann hier in Holzdorf installiert werden“, sagte der Projektentwickler. Der Strom aus den WEA werde im Umspannwerk in Großwaabs über eine neue 110 KV-Leitung eingespeist, erläuterte Hilmar Kellinghusen den Verbleib der erwirtschafteten Energie. Sollte der Bürgerentscheid eine Ablehung der jetzigen Planung ergeben, müsse die Gemeinde eine Veränderungssperre erlassen und selbst Bauleitplanung vornehmen, was mit Kosten verbunden wäre, erklärte Jordan. Das Projekt würde dann zunächst für zwei Jahre bis zur Planungsreife ruhen. Aber er gab zu bedenken, dass die Gemeinde laut Rechtsprechung keine Verhinderungsplanung betreiben dürfe und der Windkraft substanziellen Raum lassen müsse. „Ich denke mal, dass wir als Gemeinde uns schon an die rechtliche Seite halten müssen“, so Dirk Radecks Antwort auf die Frage nach dem Verhalten im Falle einer Ablehnung der jetzigen Planung. Trotzdem appellierte der Bürgermeister an die Bürger: „Gehen Sie zur Abstimmung, damit wir ein möglichst breites Meinungsbild bekommen.“ Schränkte aber gleichzeitig ein: „Wie weit das Ergebnis des Bürgerentscheids nachher zu berücksichtigen ist, vermag ich nicht zu sagen.“

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erstellt am 29.Apr.2015 | 05:09 Uhr

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