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Eckernförder Zeitung

18. Oktober 2017 | 22:40 Uhr

In die dunkle Straße kam wieder Licht

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ehemalige Bewohner und Nutzer der Gaehtjestraße erinnern sich mit Freude an den Abriss der wasserseitigen Häuserreihe

von
erstellt am 03.Feb.2016 | 13:15 Uhr

Fragt doch mal die „Alten“ – oh, nein, liebe Leser, bitte denken Sie nicht, dass das eine Diskriminierung sein soll. In meinem heutigen Bericht geht es um die Gaehtjestraße und ihre Bewohner. Ich meine schlicht und einfach die Erfahrenen, nämlich die Menschen, die die Enge in der Gaehtjestraße erlebt und ihre meist negativen Erfahrungen gesammelt haben, als diese noch zweiseitig bebaut war. Denn das war sie schon mal, und ich bin entsetzt, dass nun bereits wieder Pläne besprochen werden, diese Unvernunft zu wiederholen.

Ich selbst habe die Gaehtjestraße zu der Zeit mit dem Auto befahren müssen, und zwar wegen einer langen Mittagspause, viermal pro Tag an fünf Tagen in der Woche. Gerne bin ich dort nicht unterwegs gewesen, sie kam mir so eng vor und dunkel. Bei jeder Fahrt habe ich gedacht, oh je, wohnen möchte ich hier nicht. Menschen, die dort einmal wohnten und zum Teil noch wohnen, erzählten mir, dass es ein Grauen war, Tag täglich von früh morgens bis in die Nacht, den Straßenlärm, den Gestank nach Benzin und verbranntem Gummi und den aufgewirbelten Dreck zu ertragen. Die Häuser haben so sehr vibriert, dass das Geschirr in den Vitrinen geklirrt hat. Die Mauern haben Risse, die sogar von einem ungeübten Auge zu sehen sind. Kann es jemand verantworten, dass diese Häuser während der Bauzeit einer neuen Häuserreihe über den dort wohnenden Menschen zusammenstürzen?

Eines Tages kam ein sehr vernünftiger und schlauer Mensch und sagte: Die Häuser nahe der Uferseite müssen weg.
Welch ein Segen war dann der Abriss der wasserseitigen Häuserreihe. In die dunkle und enge Straße, in der sich die seinerzeit noch recht wenigen Busse und Lastwagen nur sehr vorsichtig und mit hoher Fahrkunst begegnen konnten, kamen nun Licht und frische Luft. Die jahrelang stark belasteten Menschen auf der gegenüber liegenden Straßenseite konnten von dem Zeitpunkt an endlich richtig durchatmen. Die Straße hat in jeder Hinsicht gewonnen. Hinzu kommen noch die inzwischen hoch gewachsenen, kräftigen Bäume, eine Wohltat für die Augen und die Seele.

Das mit dem Vibrieren der Häuser durch Straßenverkehr kann ich sehr gut nachvollziehen, da ich in der Reeperbahn wohne, einer Straße, die ziemlich breit ist. Mindestens jeden zweiten Tag muss ich meine Blumentöpfe auf der Fensterbank wieder zurechtrücken, damit sie nicht runterpurzeln, ebenso die Gegenstände auf meiner Badezimmerablage. Obwohl unser Block mit insgesamt 24 Wohneinheiten straßenseitig, meiner Meinung nach sehr massiv, gut gedämmt und isoliert ist.

Aber zurück zur Gaehtjestraße, denn um die und ihre Zusatzbebauung geht es hier ja speziell. Sie wird nie eine gute und sichere Straße werden, mit ausreichendem Abstand von einer Hausreihe zur nächsten. Die einzigen, die sich darüber freuen würden, wären die Ratten, die sich dort nahe am Wasser wieder glücklich ansiedeln und vermehren könnten.

Liebe Planer, bedenkt den stark zugenommenen Autoverkehr, vergesst auch nicht, dass die Natur stärker ist als der Mensch. Lasst uns die wunderschönen alten Bäume. Lernt aus den Fehlern, die Eckernförde schon einmal gemacht hat. Wenn wir Hochwasser haben, auch das steigt meiner Meinung nach immer weiter, sieht es für die neue geplante Häuserreihe nicht gerade rosig aus. Sie steht dann nicht nur im Regen, sie steht im Wasser.

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