Wasserqualität : In der Schlei ersticken die Fische

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Tod im Schilf: Das jüngste Fischsterben in der Schlei ist vermutlich auf Sauerstoffmangel zurückzuführen.
Tod im Schilf: Das jüngste Fischsterben in der Schlei ist vermutlich auf Sauerstoffmangel zurückzuführen.

Schleiwasser in der untersten Stufe einer fünfstufigen Skala nach der Wasserrahmenrichtlinie der EU.

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05. Dezember 2018, 15:02 Uhr

Schleswig | Die Wasserqualität in der Schlei lässt nach wie vor zu wünschen übrig. In einer fünfstufigen Skala nach der Wasserrahmenrichtlinie der EU von „sehr gut“ bis „schlecht“ landet sie in der untersten Kategorie. Dazu passt das jüngste Fischsterben im inneren Teil des Gewässers, im Bereich der Schleuse zum Burggraben am Gottorfer Damm in Schleswig.

Mit dem Bauch nach oben

„Tausende toter Fische“ habe er gesehen, berichtet ein Leser unserer Zeitung. Sie lagen mit dem Bauch nach oben im Wasser, zum Teil auch im Schilfgürtel. Das war am Ende der vergangenen Woche. Die meisten der Fischleichen wurden kurzfristig von den Umweltdiensten der Stadtwerke eingesammelt. Das bestätigte auf Nachfrage Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Schoofs. Über die Menge der eingesammelten Fische sei nichts bekannt, so Schoofs.

Fische sind erstickt

Aller Wahrscheinlichkeit nach sind die Fische erstickt. Der starke Wind in der letzten Woche habe das sauerstoffreiche Wasser Richtung Osten aus der Schlei herausgedrückt, so Martina Stekkelies, Sprecherin des Kreises Schleswig-Flensburg, dessen untere Wasserbehörde für die Qualität des Schleiwassers zuständig ist. Nachgerückt ist dann von unten das nährstoffreiche, aber sauerstoffarme Wasser der unteren Schichten – und wurde zur tödlichen Falle für die Fische.

Diese Ereignisse kommen in einem Gewässer, das nur eine schmale Verbindung zur Ostsee hat und zudem gerade im inneren Bereich kaum Fließgeschwindigkeit aufweist, immer wieder vor. Die Sauerstoffarmut steht dabei in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Eintrag einer großen Menge von Nährstoffen, wofür die Landwirtschaft verantwortlich gemacht wird.

20-seitiges Hilfsprogramm

Der Kreis hat deshalb das Integrierte Schleiprogramm erarbeiten lassen. Darin werden kurz- bis langfristige Maßnahmen beschrieben, mit denen die Qualität des Gewässers verbessert werden soll. Ziel ist „ein guter ökologischer Zustand“ nach der Wasserrahmenrichtlinie. In dem 20-seitigen Programm, das bisher nur im Entwurf vorliegt und noch nicht endgültig beschlossen ist, wird der Blick auf die gesamte Schleiregion geworfen, die zu 70 Prozent zum Kreis Schleswig-Flensburg und zu 30 Prozent zum Kreis Rendsburg-Eckernförde gehört. Über Fließgewässer wie die Füsinger und die Loiter Au sowie über Gräben und Drainagen gelangen Stickstoffüberschüsse aus Düngungen der gesamten Schleiregion in das Wasser.

Hier setzt das Integrierte Schleiprogramm an. Ein wesentliches Ziel ist die Umwandlung von möglichst viel Ackerland in Dauergrünland, auf dem überhaupt kein Dünger ausgebracht wird. Zudem sollen die bisherigen zehn Meter breiten Gewässerrandstreifen, auf denen nicht gedüngt werden darf, auf 100 Meter verbreitert werden. Das Programm sieht ebenfalls vor, dass auf freiwilliger Basis und gegen Entschädigung immer mehr Flächen aus der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung genommen werden.

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