Ornamente, Wappen und Zeichen : Immer mehr historische Motive verschwinden

Zunftzeichen der Bäcker – von der Bäckerei ins Stadtmuseum? Fotos: Mehl
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Zunftzeichen der Bäcker – von der Bäckerei ins Stadtmuseum?

Alte Bausubstanz wird durch moderne Neubauten ersetzt. Auch seemännische und berufsständige Zeichen verschwinden.

shz.de von
03. Januar 2018, 19:15 Uhr

Eckernförde | Die Architektur der Moderne arbeitet mit klaren Formen und will ohne schmückende Details auskommen. Die Bürger aber lieben Ornamente, Wappen und Zeichen, schmückende Motive an Fenster und Türen, das Spiel mit Backstein und Fachwerk. Vor allem ehemalige Hotels und Gaststätten werden von Investoren abgerissen, hierzu gehören in Eckernförde etwa „Stadt Kiel“, „Stadt Hamburg“ oder der „Lindenhof“ Borby; gefährdet sind „Kaiserhof“ und weitere Bauten dieser Art. Da viele Bürger unserer Stadt auch freie Plätze als historisches Erbe erkennen, gibt es energischen Widerstand gegen eine moderne Bebauung des Exers.

Viele Denkmäler als Erinnerung an Kriege, Siege und Niederlagen sind bereits seit Jahrzehnten verschwunden. Hierzu gehören etwa die Statue Kaiser Wilhelms vor der Willers-Jessen-Schule oder das Denkmal für den 5. April 1849 im Kurpark. Obwohl Verwaltung, Hafenbehörde und Bürgerschaft wissen, dass Touristen historische Schiffe im Hafen erwarten, ist vor kurzem das einst schöne Segelschiff „Ninive“, dessen Eigner unbekannt blieb, abgewrackt worden. Hat jemand wenigstens die schön geschnitzte Heckpartie gesichert? Noch schneller verlor Eckernförde einen alten Kran, der jahrzehntelang den Hafen bereicherte; er verschwand über Nacht.

Heck des mittlerweile abgewrackten Segelschiffes „Ninive“.
Foto: Heinrich Mehl
Das Heck des mittlerweile abgewrackten Segelschiffes „Ninive“.

Hausbesitzer, die historische Bauten im alten Stil renovieren, verdienen unseren Respekt. Dies gilt zum Beispiel für die „Alte Bauschule“, die bei einer kürzlich erfolgten Sanierung auch Details wie den Schriftzug „Bauschule“ einarbeitete. Fast gegenüber ist gegenteiliges Handeln zu erkennen. Bei der Renovierung eines fensterreichen Giebels wurde die Jahreszahl „1909“, über 100 Jahre als Baudatum aus der Zeit des Jugendstiles erhalten, nicht mehr berücksichtigt. Die vier Ziffern waren auch zugleich „Maueranker“.

Werbende Hinweise auf einst populäre Handwerksberufe sind Zunftzeichen. Nur noch ganz wenige sind im Stadtbild Eckernfördes zu erkennen. Hierzu gehört die schmiedeeiserne Brezel als Berufszeichen der Bäcker, bis vor Jahren in Nähe des Rathausplatzes zu erkennen und heute verschwunden.
 

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