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Kreis Rendsburg-Eckernförde : Imland in der Krise - Prüfer durchleuchtenBilanz

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Jahresverlust von 1,9 Millionen Euro in der gesamten Gruppe: Ein Wirtschaftsgutachten sieht „dringenden Handlungsbedarf“ an drei Standorten.

Die kreiseigene Imland GmbH muss sich im Bereich der Seniorenhäuser schnell neu ausrichten. Zu diesem Ergebnis kommt ein Expertengutachten zur Wirtschaftlichkeit aller Imland-Einrichtungen an den Standorten Rendsburg, Eckernförde, Jevenstedt und Nortorf. Es war vom Hauptausschuss des Kreistags in Auftrag gegeben worden, nachdem die Imland GmbH das vergangene Jahr mit einem Minus von 1,9 Millionen Euro abschloss.

Während das Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO für beide Kliniken „gute Perspektiven“ sieht, herrsche bei den Seniorenhäusern in Eckernförde, Jevenstedt und Nortorf „dringender Handlungsbedarf“. Was das konkret bedeutet, müssen Aufsichtsrat und Politik in den kommenden Wochen entscheiden. Auch ein Verkauf der Häuser an einen anderen Träger sei eine Option, sagte BDO-Manager Alexander Morton gestern bei der Vorstellung des Wirtschaftsgutachtens. Als Gründe für die Krise nannte er die zu niedrige Belegungsquote (knapp 90 Prozent), zu hohe Preise im Vergleich zum Markt und einen Investitionsbedarf, der sich nicht durch die Pflegesätze der Bewohner decken ließe. „Hier liegen keine Managementfehler vor“, sagte der Wirtschaftsprüfer und betonte, dass auch das Image und die Leistungen der Häuser „sehr positiv“ seien. Angesichts hoher Kosten und deutlich zu niedriger Einnahmen sei jedoch ein kostendeckender Betrieb unter den gegebenen Voraussetzungen langfristig nicht möglich.

Die drei Imland-Seniorenhäuser verfügen zusammen über 330 Betten und schlossen das vergangene Wirtschaftsjahr mit einem Verlust von insgesamt 800.000 Euro ab. Zu einem besseren Urteil kommen die Wirtschaftsprüfer beim Blick auf die Krankenhäuser in Rendsburg und Eckernförde. „Wir sehen für beide Standorte eine absolute Daseinsberechtigung, beide Kliniken werden angenommen“, sagte Morton – und machte eine Einschränkung. Fast die Hälfte der Bewohner des Kreises Rendsburg-Eckernförde nutzten die Krankenhäuser in Kiel oder in den umliegenden Kreisen. „Diese Abwanderung müssen wir stoppen.“

Auch der ärztliche Bereich müsse restrukturiert werden, hier seien die Personalkosten zu hoch. Die Wirtschaftsprüfer empfehlen eine bessere Produktivität und „höheren Patientendurchsatz“. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von Patienten in der Klinik beträgt derzeit sechs Tage. Zudem seien Investitionen in Millionenhöhe notwendig, „die aus eigenen Mitteln gestemmt werden müssen“, so Morton. Eine Ausgliederung von Servicebereichen wie Wäscherei, Reinigung und Küche sei zu empfehlen.

Die Behinderungen durch die Kanaltunnel-Baustelle spielten für das Betriebsergebnis keine Rolle, sagte der Prüfer. Dieser Zusammenhang habe sich nicht belegen lassen. Der zum 1. Juni ausgeschiedene Imland-Geschäftsführer Martin Wilde hatte die Staus als einen Grund für Einnahmeverluste angegeben. Wie die Politik mit diesen Vorschlägen umgeht, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Der Aufsichtsrat der Imland GmbH kommt am 12. Oktober zu einer Sondersitzung zusammen, der Hauptausschuss tagt am 8. Oktober. Jörg Hollmann (CDU), Vorsitzender dieses Gremiums, hielt sich mit verbindlichen Aussagen zurück. Es sei wichtig, dass über Parteigrenzen hinweg früh gehandelt worden sei. „Wir haben das Heft des Handelns in der Hand.“ Jetzt werde man über die empfohlenen Maßnahmen beraten.

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