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Ärger um die Stiftungs-Flächen : Imker flieht vor Jakobskreuzkraut

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Stiftung Naturschutz gesteht Fehler bei JKK-Bekämpfung ein / Unbekannter Imker platziert Bienenstände inmitten eines JKK-Bestandes

von
erstellt am 11.Jul.2017 | 06:49 Uhr

Windeby | Harald Jazdzejewski hat jetzt auch seine letzten Bienenstände weit weg gebracht, weit weg von Kochendorf und Kosel, wo erneut wieder auf einigen Flächen das Jakobskreuzkraut (JKK) in voller Blüte steht. „Ich musste einfach flüchten“, so der Kochendorfer Imker gegenüber unserer Zeitung. Schwer enttäuscht ist er vor allem von der Stiftung Naturschutz, die ihm fest zugesagt hatte, die Massenbestände auf den Flächen rechtzeitig zu mähen. „Versprechen nicht eingehalten“, bringt es der Imker auf den Punkt.

Nachdem er im vergangenen Jahr seinen kompletten Sommerhonig, rund 1300 Pfund, aufgrund einer zu hohen Belastung mit Pyrrolizidinalkaloide (PA) vernichten musste (wir berichteten), befürchtet Jazdzejewski wieder, dass der Honig seiner Bienen mit PA verunreinigt werden könnte. PA reichert sich in der Leber an und kann Zhirrosen und Krebs verursachen. In den Honig gelangt es durch Bienen, die Nektar aus dem giftigen Jakobskreuzkraut saugen.

Als hauptberuflicher Imker ist Jazdzejewski abhängig davon, dass sein Honig einwandfrei ist. Rund 6000 Euro hat er im vergangenen Jahr durch den PA-belasteten Honig verloren. Schon damals habe er sich von der Stiftung im Stich gelassen gefühlt, weil die Flächen nicht gemäht wurden und gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Kreisimkerverbands, Hauke Heistermann, von der Stiftung Naturschutz ein konsequenteres Vorgehen gegen das JKK gefordert. Aufgrund des schlechten Sommers fehlten den Bienen attraktive Alternativen, wie Linde oder Weißklee, und stattdessen stürzten sie sich auf das Jakobskreuzkraut. 2016 wurde zunächst übersehen, dass mit Jazdzejewski ein Imker in unmittelbarer Nähe zu den Flächen aktiv ist, dann habe nach Aussage der Stiftung und des Flächenpächters, Gerd Kämmer, das Wetter eine Mahd verhindert. Eine Mahd ist zum Schutz der Bruttiere ab 21. Juni möglich.

Harald Jazdzejewski geht es vor allem um vier Flächen, zwei an der Kreisstraße in Kochendorf und zwei in der Nähe des Bültsees, die von seinen Bienen problemlos angeflogen werden könnten. Sowohl Pächter Gerd Kämmer als auch Aiko Huckauf, Leiter des JKK-Kompetenzzentrums bei der Stiftung, berichteten von einer gemeinsamen Flächenbegehung am 22. Juni mit Harald Jazdzejewski. „Der JKK-Bestand ist auf den Flächen deutlich zurückgegangen“, sagte Kämmer, und auch Huckauf habe festgestellt, dass die Flächen außerdem sehr arten und- blütenreich seien. Mit ähnlich hohen PA-Einträgen wie im letzten Jahr sei also seiner Ansicht nach nicht zu rechnen. Man habe den Gesprächsverlauf vor Ort so gedeutet, dass keine Dringlichkeit bestehe, zu mähen, bestätigten Huckauf und Kämmer auf EZ-Nachfrage. Kämmer ist Vorsitzender des Vereins „Bunde Wischen“ und zugleich Kreisnaturschutzbeauftragter in Schleswig-Flensburg.Es sei nicht grundsätzlich das Ziel der Stiftung, sämtliche JKK-Pflanzen zu vernichten. Jazdzejewski kann den Bestand nicht mit dem aus dem Vorjahr vergleichen. Er kennt nur die hohe PA-Belastung seines damaligen Sommerhonigs und die hätte ihm gereicht, auf eine Mahd zu bestehen.

Als dann gemäht werden sollte, machte Wetter der Sache wieder einen Strich durch die Rechnung – zu nass. Am vergangenen Freitag war es dann soweit. Kämmer hat das erste der beiden Felder in Kochendorf gemäht, gestern wollte er die Flächen zwei, drei und vier mähen, versicherte er unserer Zeitung.

„Wir sind alle zerknirscht“, sagte Huckauf, der den Ärger von Harald Jazdzejewski durchaus verstehen kann und sich auch nicht herausreden möchte. „Wir hatten es ihm zugesichert, und es ist nicht passiert“, ist Huckauf einsichtig.

„Die Politik ist verpflichtet, zu handeln“, sagte Kosels Alt-Bürgermeister und Vorsitzender der Kreis Senioren-Union, Heinz Zimmermann-Stock. Er weist auf einen Beschluss auf der letzten Mitgliederversammlung hin. Dort wurde der Antrag an Minister Robert Habeck gestellt, das JKK wirkungsvoll zu bekämpfen und im Landeshaushalt eine Entschädigung für die Imker einzurichten, die ihren Honig aufgrund zu hoher PA-Belastung nicht verkaufen konnten.

Seine Bereitschaft erklärt, sich vermittelnd einzubringen, hat auch Windebys Bürgermeister Peter Pietrzak. „Schließlich hat die Gemeinde auf zwei Flächen bienenfreundliche Pflanzen ausgesät“, berichtet er, im Bocksteen und Möhlhorster Weg. Gern sollen es noch ein paar Flächen, unter anderem mit Phacelia, mehr werden. Dass jetzt gerade Jazdzejewski seine Stände fortgebracht hat, sei natürlich bedauerlich.

Auch bei einem anderen Fall kann Jazdzejewski nur mit dem Kopf schütteln. Auf einer der JKK-Flächen in Kosel hat ein Imker, wie schon im Vorjahr, mehrere Bienenstände inmitten der Pflanzen platziert. Wer der Imker ist, weiß noch niemand. „Die Kästen sind ohne Kennzeichnung“, sagt auch Huckauf. Zudem hab es keine Anfrage bei der Stiftung gegeben, ob man dort seine Bienenstände hinstellen darf.  

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