Konzert : Im Wohnzimmer bei „Tränen für Bier“

Multimusikalisch, wortgewandt und publikumsnah – so präsentierten sich Tears for Beers im Showpalast.
Multimusikalisch, wortgewandt und publikumsnah – so präsentierten sich Tears for Beers im Showpalast.

Die Band „Tears for Beers“ trat jetzt im Showpalast auf. Mit flotten Sprüchen und einer publikumsnahen Vorstellung im Parkett nahm sie das Publikum im Handstreich.

shz.de von
23. Dezember 2013, 17:42 Uhr

Das Wohnzimmer heißt „Carls“ und was es da gab, war besser als Fernsehen: Lars Jensen, Bandleader, Geschichtenerzähler, Plaudertasche und Temperamentsbündel an der achtsaitigen Cister, hatte entschieden, seine „Tears for Beers“ runterzuholen aufs Parkett. Damit sorgte er am Freitag in Carls Showpalast für Wohnzimmeratmosphäre – das war eine geniale Idee. Die Musiker schnacken und scherzen untereinander; mal mit, mal ohne Mikro. Jensen stellt fest: „Wir sind ja praktisch privat.“

Auge in Auge mit den treuen Fans spielten die sechs ihre hochwertigen Folk-Gassenhauer, all die bekannten und vielgeliebten Stücke aus über 20 Jahren Musikerkarriere, aber auch neue Songs. Das war Publikumsnähe, der sich keiner entziehen kann, wieso auch. Jensen hat nicht nur das Talent, tolle Stücke zu schreiben – er muss auch seine Bandkollegen und die Reaktionen im Publikum flapsig kommentieren. Seine Anspielungen bringen die rund 100 Zuschauer bis zum Ende des Abends immer wieder zum Lachen.

Gesche Clasen, Bürgermeisterin von Haby und sowohl optisch als auch akustisch (Geige, Querflöte) eine wunderbare Ergänzung der Band, stellt er in einem Nebensatz so vor: „Haby? Wer kennt schon Haby? Das hat man doch bei Aufklärungsflügen im Zweiten Weltkrieg entdeckt.“ Sie trägt es mit Fassung, schmunzelnd.

Markus Zells Schlagzeug, das an diesem Abend nicht die gewohnte Größe hat, präsentiert er mit den Worten: „Das hier ist ein Cocktail-Schlagzeug, da ist alles dran. Kommt in 50er-Jahren-Pralinenschachtel-Optik.“

Bert Ritschers Akkordeon wirft in der Folk-Version von „Rocket-Man“ die Netze aus, die Geige zieht mit, sie betören. Diese Instrumente sind gefährlich.

Und Tears for Beers spielen, mal wehmütig, mal ausgelassen, immer mit Spaß und Elan; ein paar Leute stehen von ihren Sitzen auf, müssen sich bewegen. Markus Zell und Gitarrist Roland Schneider kommen sich hier vor der Bühne so nah – sie könnten sich die Fussel von der Jacke klauben, hätten sie eine Hand frei. Bassist Ebby Gerdau öffnet die Tür zum Tanzsaal, schafft die nötige Tiefe im Sound, als Jensen den Saal zum Mitsingen auffordert: „Hey hey.“

Osnabrück habe übrigens kein Taktgefühlt, das habe ihm Kai Wingenfelder (Ex-Fury in the Slaughterhouse) erzählt; mit denen habe er zehnmal neu anfangen müssen. Und Jensen formuliert ein drohendes Szenario: „Leute, wir sitzen sonst um drei noch hier; aber wir können natürlich auch im Kanon singen.“ Als er dann, nach mehr oder weniger erfolgreicher Animation, den Eckernfördern das Lob nicht versagen will: „Schön habt ihr gesungen!“, da schallt es keck aus dem Saal zurück: „Geid dat nu mal lous mit Hey hey.?“ Da bleibt dem Bandleader nach diesem Konzert mit Wohnzimmeratmosphäre und diversen Zugaben nur noch ein guter Ratschlag: „Sauft nicht so viel. Wasser.“ Und schickt seine Fans in die verdienten Weihnachtstage: „Merry Guiness and a Happy New Beer.“

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