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Maria Rauschenberger : Im Kampf gegen die Legasthenie

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die ehemalige IGE-Schülerin ist für den Deutschen Lesepreis 2017 nominiert worden.

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2017 | 05:51 Uhr

Eckernförde | Ihre Lese- und Rechtschreibstörung hat sie nicht davon abgehalten, eine akademische Karriere einzuschlagen: Maria Rauschenberger forscht nun selbst auf dem Gebiet der Früherkennung und ist sogar für den Deutschen Lesepreis 2017 nominiert worden.

Im Rahmen ihrer Promotion arbeitet die 31-Jährige an einer Methode, mit der möglichst frühzeitig die Lese-Rechtschreib-Störung (LRS) erkannt werden kann. Und das ist wichtig: „Je früher die Störung erkannt wird, desto besser kann man helfen, sie zu überwinden“, sagt Maria Rauschenberger, die in Hemmelmark aufgewachsen ist und die Gesamtschule in Eckernförde besuchte. Für ihre Arbeit haben in Zusammenarbeit mit Lehrerin Lena Klaus auch 40 Schüler der Peter-Ustinov-Schule als Probanden teilgenommen.

Dabei ist Maria Rauschenberger kein Neurologe oder Psychologe, sie ist Informatikerin und versucht, der Früherkennung über ein webbasiertes Spiel auf die Sprünge zu helfen: „Die Kinder spielen auf dem Bildschirm eine Art Memory. Dabei hören sie einen Ton, wenn sie eine Karte aufnehmen und müssen sie einer anderen Karte mit dem selben Ton zuordnen“, beschreibt sie nur einen Aspekt. Das Hören spielt bei ihr eine zentrale Rolle: „Oft schreiben Menschen mit einer Lese-Rechtschreib-Störung, wie sie die Wörter aussprechen. Das Wort ’Wald’ zum Beispiel wird dann zu ’Walt’.“ Dabei sind diese Menschen nicht minderbegabt, einzig ihre Wahrnehmungsverarbeitung spielt ihnen einen Streich. Nicht selten vertauschen sie ähnlich aussehende Buchstaben. Oft wird das Problem erst spät erkannt. Bis dahin hat sich viel Frustration bei Kindern, Eltern und Lehrern aufgebaut. Eine frühere Diagnostik kann dem vorbeugen.

Während einige Forschungsrichtungen die LRS als visuelle Störung einstufen, sprechen andere von einer auditiven Schwäche. Maria Rauschenberger sieht eine Kombination aus beidem und glaubt, dass auch das Kurzzeitgedächtnis betroffen ist.

Die Forschungen der jungen Frau, die in Barcelona lebt und an der dortigen Universität arbeitet, sind vielversprechend, werden aber noch einige Jahre in Anspruch nehmen. „Menschen mit einer Lese-Rechtschreib-Störung sind häufiger von Analphabetismus betroffen als Menschen ohne Störung“, sagt sie. „Das wirkt sich auch auf Arbeitslosigkeit aus.“ Ihre Forschungsergebnisse könnten also weitreichende Folgen haben.

Für den Deutschen Lesepreis, der für vorbildhaftes Engagement in der Leseförderung verliehen wird, sind insgesamt 36 Projekte nominiert, Maria Rauschenberger fällt mit ihrer Studie zur spielerischen Erkennung der Lese-Rechtschreib-Störung in die Kategorie „Idee von morgen“. Die Preisvergabe findet am 9. November in Berlin statt.

Ob sie den Preis gewinnt oder nicht – für Maria Rauschenberger ist allein die Nominierung ein Ansporn. Denn es geht weiter: Sie sucht weitere Teilnehmer im Alter von 8 bist 12 Jahren mit und ohne eine festgestellte Lese-Rechtschreib-Störung, die an ihrer Online-Studie teilnehmen möchten. Wer Interesse hat, kann sich per E-Mail unter maria.rauschenberger@upf. edu bei ihr melden.

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