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Bustouren durchs Land : Im ganzen Land zuhause: Reiseleiter aus Leidenschaft

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Rolf Kurzmann und Manfred Trettow begleiten seit zehn Jahren Touristen aus ganz Deutschland durch den Norden. Sie zeigen ihnen die Schön- und Besonderheiten. Ihr Wissen wird ständig aktualisiert.

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erstellt am 21.Apr.2015 | 06:15 Uhr

Eckernförde | „Wir sind Spätberufene“ sagt der frühere U-Bootfahrer Rolf Kurzmann (64) über sich und seinen Kollegen Manfred Trettow (65), den früheren Kampfschwimmer und Inspektionsfeldwebel für die Grund- und Offiziersausbildung. Ihren Dienst bei der Marine haben die beiden hinter sich, dafür sind sie umso intensiver ins Reiseleiter-Geschäft eingestiegen, und das bereits vor zehn Jahren. Seitdem touren Kurzmann und Trettow kreuz und quer durch Schleswig-Holstein, um ihren Gästen zwischen Ostern und Weihnachten im zumeist gut besetzten Reisebus das Land zwischen den Meeren mit all seinen Schönheiten, Besonder- und Befindlichkeiten nahezubringen. Sie sind dabei in die Fußstapfen des vor vier Jahren verstorbenen Reiseleiters Walter Meier getreten, den Kurzmann und Trettow respektvoll den „Dalai Lama der Reiseleiter“ nennen.

Rolf Kurzmann, im Südharz geboren und in Waabs lebend, und Manfred Trettow, gebürtiger Flensburger aus Eckernförde, haben sich über die Stadtführerei im Ostseebad auf die Spuren des Landes begeben. Ein durchaus ambitionierter Sprung, denn Schleswig-Holstein gilt nicht nur als äußerst reizvoll, sondern auch als äußerst vielschichtig und historisch durchaus anspruchsvoll. Aber ausgestattet mit einem mindestens guten Allgemeinwissen, profunden Landeskenntnissen und auch kommunikativen Fähigkeiten haben die beiden die Aufgabe angenommen und die Herausforderungen gemeistert. Mittlerweile sind sie wahre Experten in Landeskunde mit all ihren Schattierungen und regionalen Unterschieden. Kurzmann und Trettow sind an der Ostsee von Flensburg bis Lübeck ebenso firm wie auf der Marsch und Geest, an der Nordsee von List auf Sylt bis Helgoland und Glückstadt.

Das wissen auch die Reiseveranstalter und Busunternehmen im gesamten Bundesgebiet, die sich die Dienste der beiden Reiseleiter aus dem Norden möglichst frühzeitig im Jahr sichern. Meist sind Hotels wie der Schützenhof in Groß Wittensee, das Waldschlösschen in Schleswig oder der Wikingerhof in Kropp Ausgangspunkte für die Tagestouren an Nord- und Ostsee oder in die Holsteinische Schweiz. Intensiv, und zwar von Anfang an, nutzt auch die Helios Reha-Klinik in Damp die Dienste der freischaffenden Reiseleiter, die die Gäste sogar bis hinauf nach Ribe und Sonderburg in Dänemark mit unterhaltsamer Landeskunde begleiten. Selbstverständlich sind sie auch fit in deutsch-dänischer Geschichte, die nicht immer so friedlich und harmonisch war wie heute. „Wir sind geschichtsfest, was unsere Region angeht“, sagt Rolf Kurzmann. Und das gilt insbesondere für die Region Eckernförde und die Schlei, die sehr häufig gebucht werden.

Ganz nebenbei erzählt Manfred Trettow, dass er es war, der den Begriff „Ostseefjord Schlei“ kreiert hat, der so erfolgreich von der gleichnamigen Tourismusorganisation für die Vermarktung eingesetzt wird.

Egal wohin, Rolf Kurzmann und Manfred Trettow sind vollgesogen mit Wissen, Daten und Fakten über die Region. Mit jeder ihrer rund 60 Tagestouren pro Jahr kommen neue Erfahrungswerte hinzu, nicht selten auch neue Erkenntnisse und aktuelle Entwicklungen wie Windkraft oder Biomasse, Landesgartenschau oder die maroden Brücken und Tunnel im Land, die gleich im privaten Nachschlagewerk der Reiseleiter landen. Auch am Timing – wo auf der B 76 muss der Vortrag über Haithabu beginnen und wo enden – wird ständig gefeilt. Und im Hinterkopf steckt noch jede Menge Zusatzwissen, das stets abgerufen werden kann, wenn ganz schlaue Fragen gestellt werden.

Das Wissen ist das eine, die Präsentation das andere. Kurzmann und Trettow , die sich auf jede Tour vorbereiten, gelten als kurzweilige Erzähler, die auch mal einen – jugendfreien – Witz erzählen oder Anekdoten anbringen, um die Stimmung im Bus aufzulockern. Sie wissen aber auch: „Die größte Gefahr ist die der Selbstdarstellung – das darf nicht passieren.“ Dass sie sich sicher auf dem schmalen Grad zwischen Wissensvermittlung und Entertainment bewegen, zeigen nicht zuletzt ihre gut gefüllten Trinkgeldkassen.

„Mit 70 ist Schluss“, sagt Rolf Kurzmann. Bis dahin werden sie noch einigen tausend Gästen die Schönheiten und Besonderheiten des Landes vermittelt haben.

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