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Seehundjäger : Im Einsatz mit dem Seehundjäger

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Christopher von Dollen kümmert sich auch um maritime Wildtiere / Pflege, Bergung und Erlösung von Schweinswal, Kegelrobbe und Seehund

shz.de von
erstellt am 29.Mai.2017 | 08:06 Uhr

Es gehöre nicht gerade zu seinen Lieblingsaufgaben, erklärt Christopher von Dollen, Leiter des Hegelehrreviers Grönwohld und einer von sechs Seehundjägern der schleswig-holsteinischen Ostseeküste, aber es gehöre eben auch dazu. Die Rede ist von der Bergung toter Schweinswale, Kegelrobben oder Seehunde. In diesem Fall handelt es sich um einen angeschwemmten Schweinswalkadaver. Der Jäger wurde von der Wasserschutzpolizei informiert, dass sich an dem Strandabschnitt in Schilksee ein totes Tier befindet. Die Aufgabe, diese Tiere zu bergen, übernehmen die Seehundjäger. Sie haben zusätzlich zu ihrem Jagdschein eine Ausbildung absolviert und wurden vom Land ernannt, ihre Aufgabe auszuführen. Christopher von Dollen ist für den Abschnitt zwischen Kiel und Eckernförde zuständig.

Der Jäger setzt sich in seinen Dienstwagen und macht sich auf den Weg zum Strand. Spaziergänger und Anwohner wundern sich nicht, wenn der 36-Jährige mit seinem großen, grünen Jeep den schmalen Sandweg in Richtung Strand unterwegs ist. Die Leute würden erkennen, dass er beruflich unterwegs sei, erzählt von Dollen.

„Man darf einen Wal auf keinen Fall anfassen, das Tier trägt diverse Krankheiten mit sich“, erklärt von Dollen. Diese können beim Menschen zu Infektionen führen, aber auch Hunde sollte man von den Tieren fern halten. Deshalb sei es auch wichtig, dass das Tier schnellst möglich geborgen werde.

Am Strand angekommen, zückt der Jäger sein Fernglas und scannt, hoch oben auf der Steilküste stehend, den Strandabschnitt. Nicht weit entfernt flattert das rot-weiße Absperrband der Polizei im Wind. „Dort müsste es sein“, erklärt von Dollen.

Er macht sich auf den Weg zum Auto und holt die zur Bergung nötigen Gerätschaften: Plane, Kabelbinder, Gummihandschuhe und einen Haken. Wenn man nicht genau wüsste, dass von Dollen ein Jäger ist, der weiß was er tut, könnte einem auch schon mulmig werden bei dem Anblick. Das Ganze erinnert ein bisschen an einen Tatortreiniger.

Ausgestattet mit dem Bergungsmaterial stapft von Dollen zu dem Kadaver, der reichlich mitgenommen aussieht. „Die Verletzungen stammen von den Schiffsschrauben der Sportboote, es gibt aber auch Schweinswale, die sich an Plattfischen verschluckt haben, denn die sind ziemlich scharfkantig“, so von Dollen. Es könne aber auch gut sein, dass die Tiere an den Krankheiten verenden, von denen sie befallen sind. Die genaue Todesursache werde spätestens bei der Obduktion des Tieres festgestellt. Das übernimmt das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung Hannover mit Sitz in Büsum (ITAW).

Von Dollen streift sich die Gummihandschuhe über und der Haken kommt zum Einsatz. Er zieht das Tier den Strand entlang bis zur Treppe, die zur Steilküste hinaufführt. Der Kadaver gibt einen bestialischen Gestank von sich. Geschickt zieht der Jäger den übel riechenden Walkadaver in die schlauchförmige Plane und schnürt sie an beiden Enden mit den Kabelbindern zu. Den Rest des Weges wird das tote Tier getragen und landet schließlich auf der Ladefläche des Jeeps.

Bevor von Dollen losfährt, desinfiziert er seine Hände. Dann wird der Wal zum Gut Grönwohld gefahren. Dort steht eine Kühltruhe, die als Zwischenlager dient, bis das Tier von Mitarbeitern des ITAW abgeholt und zur weiteren Untersuchung nach Büsum gebracht wird. Bevor das Tier jedoch in der Truhe landet, füllt der Jäger zwei Bögen aus, auf denen Fundort, Uhrzeit und eine kurze Beschreibung des Tieres notiert werden. „Das ist ein männliches Tier, circa ein Dreivierteljahr alt und 1,10 Meter lang“, erklärt von Dollen. Einer der ausgefüllten Bögen wird an das Tier gebunden, den anderen behält der zuständige Jäger. Der Begriff Seehundjäger bedeute nicht, dass diese gejagt werden, vielmehr gehe es darum, die Tiere zu bergen oder kranke Tiere zu erlösen, erklärt von Dollen. Wie auch bei anderen Wildarten, sind Jäger im Rahmen ihrer Hegeverpflichtung zuständig und verantwortlich für den Schutz dieser Wildart. Aus diesem Grund haben von Dollen und seine Kollegen eine Zusatzausbildung und wurden vom Land zum Seehundjäger bestellt.

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