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Eckernförder Zeitung

22. Oktober 2017 | 16:18 Uhr

Im dänischen Kindergarten wächst die Wut

vom

Die Empörung bei der dänischen Minderheit nach dem Beschluss der Gemeinde Ascheffel ist groß / Viele Familien stehen ohne Kita-Platz da

shz.de von
erstellt am 06.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Ascheffel | Es ist nicht lange her, da hat die dänische Minderheit vehement für eine Gleichbehandlung der dänischen Schüler gekämpft - "Unsere Kinder sind auch 100 wert" lautete die Forderung an die damalige Landesregierung. Jetzt fühlt man sich im Grenzland erneut von der Politik diskriminiert. Hintergrund ist der jüngste Beschluss der Ascheffeler Gemeindevertretung, dem dänischen Kindergarten im Ort die Ausnahmeregelung für die Aufnahme von 40 Kindern zu versagen und stattdessen die Gruppenstärke auf 30 in diesem Kindergartenjahr und 20 Kinder im Kindergartenjahr 2014/2015 festzulegen (wir berichteten). Für Kindergartenleiterin Linda Skrydstrup bedeutet das, dass sie vielen bereits angemeldeten Kindern eine Absage erteilen muss. "Darunter sind auch viele Geschwisterkinder", betont sie.

Von dem Beschluss der Gemeinde hat jetzt auch der dänische Schulverein und der SSW erfahren. Per Gildberg, Vorsitzender des Schulvereins, und Abteilungsleiterin Birgit Messerschmidt trafen sich gestern mit rund 20 Eltern in Ascheffel. Mit dabei auch die Landtagsabgeordnete des SSW, Jette Waldinger-Thiering. "Das Votum der Gemeinde kommt zu einem sehr unglücklichen Zeitpunkt", sagte sie. Eltern und Kindergarten müssten Planungsicherheit haben. Das Argument der Gemeinde, der Antrag des Schulvereins auf Verlängerung der Ausnahmeregelung sei erst Mitte Juni erfolgt, will man sich nicht stehen lassen. "Die Gemeinde weiß, das die Einrichtung seit Jahren voll belegt ist", so Skrydstrup. Zudem wisse sie auch von den Erweiterungsplänen von Schule und Kindergarten. "Der Kontakt zum Bürgermeister war immer hervorragend", betont die Leiterin, ein Anruf und wir hätten ihm Zahlen offenlegen können. Stattdessen erfahre man erst auf der Sitzung beziehungsweise aus der Zeitung von dem Sinneswandel. Bislang habe sie nichts Schriftliches erhalten.

Dass bei dem Beschluss der Gemeinde eher dahinter steckt, die Zukunft und das Personal des amtseigenen Kindergartens "Hummelnest" zu sichern, sei vielen Eltern bei Nachfrage bei Amt und Gemeinde deutlich gesagt worden. Auf der Gemeinderatssitzung hatte Bürgermeister Günther Petersen gesagt, dass die Auslastung des "Hummelnest" auf 70 Prozent gesunken sei. Die Gemeinde hegt die Hoffnung, dass Kinder, die im dänischen Kindergarten vor verschlossener Tür stehen, ins "Hummelnest" wechseln. "Dem ist nicht so", betonte Jan-Christian Schlüter, Vorsitzender des SSW-Ortsverbands Hütten-Owschlag (Hytten-Okslev). "Der dänische Kindergarten ist nicht einfach eine Alternative, sondern eine Einrichtung der dänischen Minderheit, die ihre nationale Identität leben wollen." Das werde durch die Nichterteilung der Ausnahmeregelung ausgehebelt. Die Familien hätten sich bewusst für das dänische System entschieden. "Der deutsche Kindergarten wird nicht voller werden, weil sie den dänischen Kindergarten zurückfahren", sagte auch die Owschlagerin Kirsten Joost.

Per Gildberg warnte davor, wieder einen deutsch-dänischen Konflikt heraufzubeschwören, bedauerte die aktuelle Entwicklung aber ebenfalls: "Ascheffel war immer die Vorbildgemeinde für den Schulverein", sagte Gildberg "Die Entscheidung jetzt ist aber minderheitenpolitisch äußerst fragwürdig."

Die Empörung bei den Eltern ist groß. Viele von ihnen sind berufstätig, wissen nicht, wo sie ihr Kind in diesem oder nächsten Jahr anmelden sollen. "Mein Kind sollte das Vorschuljahr im dänischen Kindergarten besuchen, um Sprachkenntnisse für die dänische Schule zu erwerben", berichtet Nina Dobelke aus Kosel. Von der Osterbyer "Mäuseburg" sollte es jetzt nach Ascheffel wechseln, doch den Platz gibt es nun nicht mehr. Kindergartenleiterin Linda Skrydstrup weiß auch von vielen Geschwisterkindern, die keinen Platz erhalten werden. Im nächsten Jahr könnten es vermutlich sechs sein, die im Gegensatz zu Bruder oder Schwester eine andere Einrichtung besuchen müssen, aber: "Auch die dänischen Kindergärten in Eckernförde und Büdelsdorf sind voll, ebenso die deutschen Kindergärten in der Region", hat Vanessa Wittke aus Owschlag schon feststellen müssen. In Ascheffel wären Plätze frei, doch die werden gestrichen.

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