Rotary op Platt : „Ihr seid das beste Publikum der Welt“

 „Was schief ist, ist Jazz”: Jan Graf rockte Altenholz bei Rotary op Platt.
„Was schief ist, ist Jazz”: Jan Graf rockte Altenholz bei Rotary op Platt.

Plattfestival des Rotary Clubs Eckernförde-Dänischer Wohld begeistert nicht nur die Zuhörer / Erlös ist für die Flüchtlingsarbeit bestimmt

shz.de von
11. Mai 2015, 06:00 Uhr

Altenholz | Beter geiht nich: Ein munterer Moderator, aufgekratzte Künstler, sangesfreudiges Publikum und stehende Ovationen. An die 300 Besucher feierten am Freitag die sechste Auflage der Benefizveranstaltung Rotary op Platt des Rotary Clubs Eckernförde-Dänischer Wohld im Eivind-Berggrav-Zentrum. Der Erlös aus der Veranstaltung, unterstützt durch den Kulturkreis und die Kirchengemeinde Altenholz, kommt in diesem Jahr der Arbeit für Flüchtlinge im Wohld zu Gute. Alle Künstler traten wie immer ohne Gage auf.

Andreas Schmidt vom NDR moderierte gewohnt lässig. „Der Anlass könnte nicht aktueller sein“, erklärte Philipp Kuntz, Präsident des Rotary Clubs. „Wir erleben ja gerade, was in der Welt los ist.“ Dabei treffe es oft die Schwächsten, die Kinder. „Wir wollen hier direkt vor Ort helfen. Das Thema geht uns alle an.“ Dann kam Yared Dibaba. „Ich bin froh, dass es im Plattdeutschen kein Wort für Fremdenfeindlichkeit gibt“, erklärte der Schauspieler, Moderator, Entertainer, Autor und Sänger, selbst 1979 als elfjährige Junge mit seiner Familie aus Äthiopien geflohen, um der kommunistischen Militärdiktatur zu entkommen. Er vertellte von seiner ersten Reise nach Bayern, von Blitzlichtgewitter, Selfies und Demütigungen auf dem roten Teppich, Kaffeefahrten mit Prosecco, echten Helden, die einen Shitstorm überstehen und Gerangel im Bett. Er zückte sein Handy, fragte und filmte das Publikum für seine Facebook-Seite, rief: „Ihr seid das beste Publikum der Welt“, lachte und verabschiedete sich mit Kusshand zurück nach Hamburg. Die Leute jubelten.

Ines Barber erzählte aus ihrem aktuellen Programm mit Musical-Pflanze Claudia Piehl „Ich schmeiß mich wech!“ Da ging es um Erziehungsdramen, Jungs auf dem Heavy-Metal-Festival Wacken, die sich die ganze Woche über mit Toastbrot, eingelegtem Fleisch und Bölkstoff ernähren, in Klamotten, die der Teufel persönlich designed hat. Um Urlaub ohne Kind und Hund auf einem Traditionssegler, mit Wind im Haar und Sonne im Gesicht. „Hab‘ ich so gedacht“, sagte sie. Doch es kam ganz an-ders. Jetzt will sie lieber Töpfern in der Toskana oder schweigen und fasten. Auch Thomas Lenz, in der DDR in Mecklenburg aufgewachsen, wo das Plattdeutsche schon tot war, wollte gar nicht wieder aufhören. Er erzählte von Vegetariern, die seinen selbstgemachten Falschen Hasen boykottieren, Kindern, die gewalttätige Märchen überstehen, der Hof- und Hausordnung für seine beiden Zwillings-Labradore, von Frauen und Katzen. „Ich hab‘ nie verstanden, wie die miteinander klarkommen“, meinte er. „Alles, was sie an uns Kerls nicht ausstehen können, finden sie an Katzen possierlich.“ Ernst Christ, der Leiter der niederdeutschen Zentralredaktion des NDR, widmete sich der Theorie, hatte ein Potpourri der plattdeutschen Literatur mit-gebracht. Von Brötchen-Navigation und Schneewittchen und ihren sieben Eltern. Er fragte: „Warum haben wir so viel Spaß mit dem Vertellen?“ Es sei der wahre Kern, stets ein bisschen ausgeschmückt. Und das funktioniere immer noch.

Schließlich der großartige Jan Graf. „Ein Mann braucht die Herausforderung“, erklärte er, griff mutig die Knitterkiste, sein Akkordeon, und spielte die alten Volkslieder. Ich und mien Liesbeth, Dree Rosen, Mudder Witsch und Spinn und Mien leve Dochter. „Was schief ist, ist Jazz“, verriet er, sang mit der Gitarre noch Lütt Susanna. Die Leute sangen sofort mit. „Ihr seid geil“, rief er ins Publikum. „Außer Rand und Band.“ Tosender Applaus, die Leute standen auf zum Klatschen, alle sangen „Von Herrn Pastor sein Kauh“ bis keiner mehr eine neue Strophe wusste. „Absolut unterhaltsam und lustig“, schwärmten Inge und Reinhard Beger aus Plön. „Vor allem der Jan Graf mit dem Akkordeon, der Knitterkiste, das fand ich total toll“, meinte Inge Beger. Augenzwinkernd fügte sie hinzu: „Für mich hörte sich das alles richtig an.“ Auch Dr. Volker Claus aus Altenholz, stetiger Gast, war voll des Lobes. „Ich fand es wieder ganz hervorragend“, sagte er. „Es sind sehr viele Leute aus dem Dänischen Wohld da. Das trägt dazu bei, dass wir weiter zusammenwachsen.“

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