Ignoranz und Hilfsbereitschaft

von
24. Oktober 2013, 00:31 Uhr

In Zeiten, in denen an fast jedem Armaturenbrett ein Navigationsgerät klebt und auch schon Handys über Karten-Apps verfügen, ist es wahrscheinlich ungewohnt und out, dass man jemanden nach dem Weg fragt. Auf der Suche nach einer Straße in Flensburg hielt es ein junger Mann nicht für nötig, den Ortsfremden, der ihn um Rat gefragt hatte, anzuhören. Seine Ohrstöpsel, die vermutlich zu einem I-Pod oder ähnlichem führten, blieben an ihrem Platz, mit unvermindertem Schritttempo zog er an dem Ratsuchenden vorbei. Enttäuschend auch die Reaktion einer anderen Passantin. Auf die Frage, ob das hier die gesuchte Straße sei, erwidert sie: „Keine Ahnung“, zückte einen Schlüssel und verschwand in einem der Häuser. ... Ohne Worte.

Rund 150 Kilometer weiter südlich erlebt eine Frau genau das Gegenteil: Auf der Suche nach einer Adresse spricht sie zwei Passantinnen an, die mit bayrischem Akzent entgegnen, dass auch sie leider null Ortskenntnis in Hamburg haben, was aber nicht hieß, dass sie nicht helfen konnten: Engagiert zückten sie ihren Stadtplan, suchten die gewünschte Straße und gingen sogar ein Stück mit, bis zum gesuchten Ziel. Wie schön, dass es auch noch solche Mitmenschen gibt.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen