Hotel oder Bildungsstätte? : Ideen für die Willers-Jessen-Schule

Das Gebäude der früheren Willers-Jessen-Schule zählt zu den schönsten Gebäuden der Stadt und steht seit fünf Jahren leer.
Das Gebäude der früheren Willers-Jessen-Schule zählt zu den schönsten Gebäuden der Stadt und steht seit fünf Jahren leer.

Zwei Bürger haben ihre Nutzungskonzepte für die seit 2013 leer stehende Schule vorgestellt.

shz.de von
11. September 2018, 13:48 Uhr

Eckernförde | Hotel oder Bildungseinrichtung – zwei Eckernförder Bürger haben am Montagabend im Wirtschafts- und Finanzausschuss ihre Vorstellungen für eine weitere Nutzung der unter Denkmalschutz stehenden Willers-Jessen-Schule vorgestellt. Ob das Gebäude überhaupt verkauft werden soll, muss noch politisch entschieden werden.


4-Sterne-Hotel

Armin Heldt möchte aus dem 1892 gebauten Gebäude ein 4-Sterne-Hotel machen. Zusammen mit Architektin Manuela Hanke stellte er seine Idee vor: Außen solle das Gebäude kaum verändert, innen jedoch umgebaut werden. Manuela Hanke: „Die Klassenzimmer eignen sich hervorragend für Hotelzimmer.“ 45 bis 50 Stück sollten davon entstehen, im Erdgeschoss soll ein Restaurant mit Bar inklusive vieler Außenplätze integriert, der Vorplatz aufgewertet werden. Hinzu kommt ein Sauna- und Wellnessbereich, um auch die Wintersaison zu beleben. Die Turnhalle möchte Armin Heldt für Veranstaltungen und Tagungen nutzen. Für den Tanzclub „bieten sich vielleicht auch andere Unterkünfte an“.


Sechs Millionen Euro

Sechs Millionen Euro sollen investiert und nur heimische Firmen für den Umbau beauftragt werden. Später sollen 25 bis 30 Vollzeitarbeitsplätze in dem Hotel entstehen. Als Beispiel für ähnliche Projekte nannte Armin Heldt unter anderem das Alte Gymnasium in Husum. Er verwies unter anderem auf „Hugos Haus“ in der St.-Nicolai-Straße, das er ebenfalls touristisch nutzt und originalgetreu hat restaurieren lassen. 20 bis 25 Parkplätze müssten auf dem Grundstück untergebracht werden. Dass der Bedarf für ein 4-Sterne-Hotel in Eckernförde besteht, ist sich Heldt sicher. Er rechnet mit einer Jahresauslastung in Höhe von 70 Prozent.


Bildungsstandort

Nicht auf Touristen, sondern auf Bildung setzen Professor Dr. Peter Jochimsen von der gleichnamigen Stiftung und Wei Qian, Geschäftsführerin des Baltic Sea International Campus (BSIC). Ihre Bildungsstätte wächst. „Wir kommen mit unserem Platz nicht aus“, so Peter Jochimsen. Deshalb solle die Willers-Jessen-Schule ebenfalls genutzt werden. Am BSIC belegen unter anderem international Studierende Vorbereitungskurse, zudem werden Pflegekräfte für den deutschen Sprach- und Kulturraum ausgebildet. Zwischen 70 und 80 Prozent der Alten Bauschule werde für Bildung genutzt. Laut Wei Qian brauche Eckernförde eine solche Einrichtung: „Die Stadt hat genügend Touristen, aber keinen Bildungsstandort für junge Leute.“


Schule bleibt Schule

Peter Jochimsen betont: „Die Schule bleibt eine Schule.“ Neben der internationalen und akademischen Bildung solle die Turnhalle als solche erhalten bleiben und auch der Tanzclub weiterhin die Aula nutzen dürfen.

Das Erscheinungsbild des Gebäudes soll bleiben, dennoch würden wahrscheinlich mehrere Millionen Euro investiert werden müssen. Unter anderem ist für das Erdgeschoss eine Gastronomie geplant, auf dem Vorplatz solle öffentliches Leben stattfinden. „Parkplätze haben wir genug“, so Jochimsen. Es müssten keine neuen geschaffen werden. Er verwies auf die Alte Bauschule, die er unter hohen Investitionen wieder in den originalgetreuen Zustand versetzt hat.


Nur kaufen, nicht mieten

Bei den hohen Investitionskosten haben beide Interessenten einen Kauf des Gebäudes zur Bedingung gemacht. Laut Bürgermeister Jörg Sibbel liegt das Wertgutachten für das 4000 Quadratmeter große Areal bei 1,37 Millionen Euro. Die Frage des Kaufpreises sei jedoch auch davon abhängig, inwiefern die Räumlichkeiten für eine öffentliche Nutzung zur Verfügung stünden.


Stadtkonzept zu teuer

Zurzeit liegen die Instandhaltungskosten bei 80 000 Euro jährlich. Einen Großteil davon machen Heiz- und Reinigungskosten aus. Die ursprüngliche Idee, in das Gebäude die Kita Mitte und die Touristik inklusive Ausstellungsräumen für Vereine und Verbände zu verlagern, wurde aufgrund der 2015 ermittelten Kosten in Höhe von 6,15 Millionen Euro auf Eis gelegt. Jetzt sollen die Fraktionen beraten, ob die Willers-Jessen-Schule verkauft werden soll oder nicht und welches Konzept ihnen am meisten zusagt.

Lob gab es für die Bereitschaft der Interessenten, ihre Ideen öffentlich vorzutragen, ebenso für die von Ausschussvorsitzendem Ralph Krüger (CDU) angebotene Möglichkeit, dass sich Bürger im Anschluss an die Sitzung mit Ausschussmitgliedern aussprechen können. Zum Erstaunen von Politik und Verwaltung waren nur neun Bürger zu der öffentlichen Sitzung erschienen.

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