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Suche nach Wohnungen : „Ich hoffe, wir finden eine Wohnung in Gettorf“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Suche nach Unterkünften für anerkannte Asylbewerber gestaltet sich schwierig. Wohnraum dringend benötigt.

Gettorf | Wie so viele sind auch sie vor dem Krieg in Syrien geflohen. Sie hatten ein Haus in einem Dorf in der Nähe von Damaskus. Seit sieben Monaten lebt Familie Rajeh mit Vater Naser (52), Mutter Shaza (40), Sohn Aldo (21), Töchter Dana (23) und Hanin (14) in einer vom Amt bereitgestellten Wohnung in Gettorf. In Syrien arbeitete der Vater als Manager, seine Frau als Religionslehrerin. Tochter Dana studierte Gartenbau, Sohn Aldo Maschinenbau. „In Syrien hatten wir jeden Tag Angst“, erzählt Naser. „Wir möchten einfach nur leben. Meine Kinder sollen studieren können.“ Sie fahren täglich zur ZBBS (Zentrale Bildungs- und Beratungsstelle für Migranten) nach Kiel, um Deutsch zu lernen. Tochter Hanin besucht die 8. Klasse der Isarnwohld-Schule. Seit fünf Monaten sind sie als Flüchtlinge anerkannt, haben eine Aufenthaltserlaubnis für zunächst drei Jahre. Er sei glücklich mit den Deutschen hier in Gettorf, erklärt Vater Naser. „Ich hoffe, wir finden eine Wohnung in Gettorf.“ Denn sobald Asylsuchende als Flüchtlinge anerkannt sind, enden die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Das bedeutet, Ämter und Gemeinden sind nicht mehr für ihre Unterbringung und Versorgung zuständig. Sie müssen sich im Jobcenter melden, um eine Arbeit zu suchen, Leistungen nach SGB II beantragen und haben drei Monate Zeit, sich eine Wohnung zu suchen.

Doch die Wohnungssuche gestaltet sich extrem schwierig. Das kann Christian-Albrecht Schnarke, der sie als Pate von Flüchtlingsbeirat Dänischer Wohld begleitet, nur bestätigen. Seit Monaten durchsucht er Immobilienportale im Internet nach Vier-Zimmer-Wohnungen im Umkreis von 25 Kilometern mit ihnen, telefoniert herum, fährt mit ihnen nach Eckernförde, um sich Wohnungen anzuschauen. 1660 Euro hat die Familie insgesamt zur Verfügung. Nach dem SGB II erhielte sie je nach Mietspiegel 614 Euro an Bruttokaltmiete für eine Wohnung im Amtsbereich Dänischer Wohld, 638 Euro an Bruttokaltmiete für eine Wohnung in Eckernförde. „Man wird relativ schnell ausgeschlossen“, erfährt Schnarke immer wieder. Er hört Sätze, wie: Wir haben eine Warteliste. Oder: Wir nehmen nur Leute mit Arbeitsverträgen oder Rentner. Die Vermieter wollen langfristige Mietverträge und Sicherheit. 22 Absagen sind es bestimmt schon. Aber er lässt sich nicht unterkriegen. Familie Rajeh aber macht das traurig. „Das ist ein riesiges Problem“, betont Schnarke. Denn Familie Rajeh ist bei Weitem nicht die Einzige.

276 Asylbewerber leben im Amtsbereich Dänischer Wohld, 182 davon sind Syrer, 80 von ihnen als Flüchtlinge anerkannt, etwa zehn haben schon eine Unterkunft gefunden. „Diese Wohnungssuche ist für die Menschen schon sehr schwierig. Sie sind mitnichten die ersten in der Reihe“, weiß Sabine Axmann-Bruckmüller, Koordinatorin der Flüchtlingsbetreuung im Amtsbereich. Für die Ämter und Gemeinden ist das ein großes Problem. Denn drei Monate nach ihrer Anerkennung müssten die Flüchtlinge aus den vom Amt zur Verfügung gestellten Unterkünften ausziehen. „Sie sind dann nicht anders zu behandeln als andere Leistungsempfänger auch“, erklärt Amtsdirektor Matthias Meins die rechtlichen Grundlagen. „Wir bieten für Deutsche ja auch keine Wohnungen an.“ Dennoch seien sie verpflichtet, Obdachlosigkeit zu vermeiden. „Es ist ein gesellschaftspolitisches Problem.“ Er sieht den Staat in der Pflicht, hier eine Lösung zu finden. „Die gesamte Aufgabe wird auf Ämter und Kommunen abgeladen“, so seine Kritik. Auch die Frage, wie das mit dem Familiennachzug zu handhaben ist, sei noch nicht geklärt. In der Politik werde immer darüber geredet, dass die Menschen, die zu uns kommen, die Sprache lernen müssen, um dann erfolgreich im Arbeitsmarkt unterzukommen, kritisiert Schnarke. Von der Wohnungsproblematik höre man so gut wie nichts. Und von Lösungsansätzen schon gar nichts. „Seit Jahren wurde verschlafen, günstigen Wohnraum zu schaffen“, rügt er. „In der großen Politik finden keine konzertierten Aktionen statt. Es wird keine Strategie entwickelt, wie der soziale Wohnungsbau funktionieren kann. Im Prinzip sind die Leute sich selbst überlassen.“
>Wer Wohnraum zu vermieten hat, kann sich unter Tel. 0431/311826, Tel. 0172/2  71  00  20 oder per E-Mail an csschnarke@ki.tng.de gern an Christian-Albrecht Schnarke wenden.

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