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Doppelte Staatsbürgerschaft : „Ich bleibe im Herzen Polin“

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Sylwia Timotijevic aus Windeby hat die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Die 40-jährige Diplom-Musiker ist gebürtige Polin und lebt seit 13 Jahren in Deutschland

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erstellt am 31.Okt.2013 | 06:52 Uhr

Ein anderer Mensch sei sie zwar nicht geworden, aber sie sei stolz, nicht aufgegeben zu haben. Sylwia Timotijevic ist seit wenigen Tagen deutsche Staatsbürgerin. Am Freitag wurden der 40-Jährigen und rund 40 weiteren Frauen und Männern im Kreishaus in Rendsburg die deutsche Staatsbürgerschaft verliehen (wir berichteten). Diesen Tag wird Sylwia Timotijevic auch deshalb so schnell nicht vergessen, weil sie bei der Zeremonie die deutsche Nationalhymne auf der Querflöte spielen durfte.

Vor zwei Monaten zog Sylwia Timotijevic mit ihrer 13-jährigen Tochter Julia aus Trier nach Windeby zu ihren Ex-Schwiegereltern. Nach Deutschland geführt hat sie die Musik. 1998 tourte die Diplom-Musikerin mit dem Orchester Polska Opera durch Europa. In dem Ensemble spielte sie die erste Querflöte. In Trier lernte sie ihren Mann kennen. Sie heirateten und im Jahr 2000 kam Tochter Julia zur Welt. „Ich lebte in Deutschland also wollte ich auch die Sprache lernen“, sagt Sylwia Timotijevic. An der Volkshochschule absolvierte sie einen Intensivkursus und erhielt das Zertifikat Deutsch als Fremdsprache. Geld verdiente sich die Polin, die in Danzig die Musikakademie besuchte mit Unterricht an Musikschulen. Auch privat gab sie Querflöten- und Klavierunterricht.

Schon nach wenigen Jahren wurde ihre Ehe geschieden. Doch eine Rückkehr in ihre polnische Heimat kam für Sylwia Timotijevic nicht in Frage. „Ich wollte es in Deutschland packen“, betont sie. Mit Musikunterricht hielt sie sich über Wasser, aber zu einem Engagement bei einem großen Orchester kam es nicht. „Mit Träumen kann man kein Geld verdienen“, sagt die heute 40-Jährige, auch wenn sie locker mit den anderen Musikern hätte mithalten können. Doch die Ellenbogenmentalität, die oftmals in dieser Branche erforderlich sei, habe ihr gefehlt. „Ich war und bin zu bescheiden, Arroganz liegt mir nicht“.

Ressintements oder sogar Hass habe sie nie zu spüren bekommen. „Wenn man die Sprache gut spricht, macht das viel aus“, hat sie beim Kontakt mit anderen Menschen festgestellt. Bei den Deutschen gefallen ihr die Ordnung und Sauberkeit. Auch der Bürokratie könne sie viel abgewinnen.

Vor etwa einem Jahr sprach sie mit einer polnischen Freundin über die Möglichkeit der deutschen Staatsbürgerschaft. Sie lebte seit acht Jahren in Deutschland und die erforderlichen Deutschkenntnisse konnte sie vorweisen, fehlten also neben diversen Unterlagen noch der Einbürgerungstest und eine Gebühr von 265 Euro. „310 Fragen musste ich für den Test lernen“, erinnert sich Sylwia Timotijevic noch gut. 33 davon sollten bei der Prüfung abgefragt werden. Als alleinerziehende Mutter hängte sie sich mächtig rein. Sie lernte, dass Adenauer der erste Bundeskanzler war, welche Länder an Deutschland grenzen und dass Deutschland ein demokratischer und sozialer Rechtsstaat ist. „Nach vier Minuten war ich fertig, ich gab als erste den Zettel ab“, erzählt sie von der Prüfung, die sie im April in Trier ablegte. Dass sie aber „nur“ 32 der 33 Fragen richtig beantwortete, ärgert sie jetzt noch.

Seit dem 25.Oktober besitzt die Windebyerin jetzt die doppelte Staatsbürgerschaft. Wie sie sich nun fühle? Ob sie nun Deutsche und Polin, gebürtige Polin oder Deutsch-Polin sein, kann sie nicht sagen. „Manchmal träume ich auf Deutsch“, sagt sie, aber im Herzen und Kopf sei sie Polin.

Ihre große Hoffnung ist es, mit der Musik sich und ihre Tochter ernähren zu können. Erste Kontakt sind bereits geknüpft. Beim Claudia Piehl spielte sie schon vor, auch bei der Jam-Session in Carlshöhe stand sie mit anderen Musikern auf der Bühne. Ob Klassik, Pop und Jazz – am Klavier macht ihr so schnell keiner etwas vor. Bei einer Rockband ist sie schon fündig geworden, die suchte jemanden am Keyboard.


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