Nach 32 Dienstjahren : „Ich bin ein Inselpastor geblieben“

Manfred Adam in seiner Bibliothek: In den Händen hält er einen Band des Buchs „Matrikel der Schleswigschen Studenten“ von 1517 bis 1864, das ihm schon oft Auskunft über die Stifter der Glocke von St. Nicolai gegeben hat.
Manfred Adam in seiner Bibliothek: In den Händen hält er einen Band des Buchs „Matrikel der Schleswigschen Studenten“ von 1517 bis 1864, das ihm schon oft Auskunft über die Stifter der Glocke von St. Nicolai gegeben hat.

Pastor Manfred Adam wird am Sonntag in St. Nicolai in einem Festgottesdienst von seinem Amt entpflichtet. Im Anschluss gibt es bei Kaffee und Kuchen Zeit für Gespräche.

shz.de von
22. März 2018, 05:05 Uhr

Ostenfeld bei Husum, die Insel Pellworm, Hamburg-Altona, Eckernförde – wenn Manfred Adam, Pastor in der St.-Nicolai-Kirchengemeinde, am kommenden Sonntag in St. Nicolai von seiner Aufgabe als Seelsorger durch Propst Sönke Funck entpflichtet wird und in den Ruhestand geht, hat der gebürtige Eckernförder in 32 Dienstjahren äußerst unterschiedliche Gemeinden seelsorgerisch begleitet. Und doch haben die Kirchengemeinden in dem Dorf, auf der Marschinsel, in der Weltstadt und in der Kleinstadt eines gemeinsam: „Ich habe die Kirche immer als Insel verstanden“, sagt der 65-Jährige, „ich empfinde es als großes Glück, alles erlebt haben zu dürfen.“

So wie er sein Amt als Pastor ausfüllte, war Manfred Adam schon als Student an der Christian-Albrechts-Universität Kiel (CAU) unterwegs – fachübergreifend, interessiert, kreativ. Nach drei Semestern Jura immatrikulierte der 21-Jährige sich 1973 für Theologie, hörte zeitgleich Vorlesungen in Germanistik und Nordistik. Trotz aller Gelehrsamkeit und der wissenschaftlichen Arbeit an der CAU stellt Adam am Ende seines Berufslebens fest: „Das Bedeutendste in der Theologie habe ich von einem Konfirmanden gelernt.“ Dieser habe in seinen eigenen Worten die Kreuzestheologie wiedergegeben. „Jesus wurde ein Opfer von Gewalt. Aus diesem Grund bin ich gegen jede Form von Gewalt.“ Besser könne man es nicht sagen, so Adam. Die seelsorgerische Begleitung von Menschen in jeder Altersstufe war seine Lebensaufgabe. Wie ein roter Faden zieht sich die Arbeit mit den vielen Konfirmanden durch sein Wirken, die beispielsweise die zehn Gebote in ihre eigenen Worten gefasst haben, zuletzt mit den Konfirmanden von St. Nicolai des Jahrgangs 2018, zu lesen in dem Heft „Junge Worte und Bilder zum christlichen Glauben“. Nach dem Vikariat von 1986 bis 1988 in Ostenfeld folgten 20 Jahre auf Pellworm, wo Manfred Adam Inselpastor für zwei Gemeinden, Kirchenvorstandsvorsitzender und Feuerwehrmann in einer Person war, als die neue Kirche abbrannte. Es war eine intensive Zeit, in der er per Zufall nach der Ausrichtung eines Heiligabendgottesdienstes für das ZDF mit dem damaligen NDR-Rundfunkpastor Ralf Meister in Kontakt trat. Das war der Auftakt für seine bekannten Radioandachten, die er von 1998 bis 2017 hielt – an denen auch viele seiner Konfirmanden mitwirkten. Auf Pellworm rief er die fahrbare Kinderkirche „St. Pinguin“ ins Leben. Adam legt Wert auf die Feststellung: „Das war nicht allein Adam. Das war die Insel, die das produziert hat.“ Das Kreative zieht sich durch Adams gesamtes Wirken, ob es die Gitarrenmusik für den Kindergottesdienst ist oder die vielen Bücher, die er inzwischen veröffentlicht hat. Mitte 2007 verließ er Pellworm, wechselte für knapp zwei Jahre in eine Brennpunktgemeinde nach Hamburg-Altona, bevor er 2008 nach Eckernförde zurückkehrte. Kann man als Pastor in seiner eigenen Herkunftsgemeinde tätig sein? „Nach so vielen Jahren ist es möglich“, erklärt Adam, „auch wenn ich schon einen eigenen Klassenkameraden beerdigen musste.“ Die Liebe zum Meer wird den begeisterten Angler, der gern mit dem Fischer rausfährt, auch im Ruhestand begleiten. So wird er als Pastor in Rente sowohl in Eckernförde als auch auf Pellworm wohnen. Über Langeweile kann der 65-Jährige sich nicht beklagen, arbeitet er doch schon an seinem nächsten Band „Dichter am Meer“. Er setzt sich kritisch mit Schriftstellern auseinander, die entweder mit ihm selbst oder mit Eckernförde in Berührung gekommen sind. Zum Beispiel mit Wilhelm Lehmann, für dessen 85. Geburtstag er als Kind gesungen hat.

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Festgottesdienst zum Abschied von Pastor Manfred Adam, Sonntag, 25. März, 15 Uhr in der St.-Nicolai-Kirche

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