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Ian Fountain: Zarte Klänge und gewaltige Tonkaskaden

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 08.Apr.2014 | 12:16 Uhr

Zur reichhaltigen Palette der Konzert–Farbigkeit, mit der die Konzertreihe Eckernförde immer wieder ihre Hörer anlockt, gehört natürlich auch das Solokonzert; hier in erster Linie das Klavier. So war der Klavierabend, zu dem in die Stadthalle eingeladen worden war, wiederum sehr gut besucht.

Zu Gast war der hochbegabte, 43–jährige britische Pianist Ian Fountain. Er bot einen bunten Blumenstrauß aus Klassik und Romantik – so recht nach dem Geschmack vieler Zuhörer. Zu bewundern war vor allen Dingen die große Bandbreite der Darstellungskunst: vom zartesten, kaum hörbaren Pianissimo bis zu kräftigen Akkordschlägen war jede Nuance der Interpretation vorhanden.

Am Anfang standen vier Klavierstücke von Johannes Brahms (1833–1897), und zwar aus den opera 116 und 118. Kräftige Anschläge und ein sicheres Zupacken bei angemessenem Pedalgebrauch zeugten von der künstlerischen Durchdringung. Manche Passagen gerieten virtuos, ohne vordergründig zu wirken. Es gab auch zarte, weiche und hingebungsvolle Strecken; logische Steigerungen mündeten in ausgekostete Höhepunkte. Besonders das sehr lebendige Capriccio, das voller Tücken für den Interpreten stand, erreichte großen Anklang.

Die große C–Dur–Sonate von Ludwig van Beethoven (1770-1827) entstand in den Jahren 1803/1804. Der Komponist hat sie später dem Grafen Ferdinand von Waldstein gewidmet. Das Werk erklang als große Einheit: perfekte Läufe und eine absolute Treffsicherheit fielen positiv auf. Auch hier zeigten sich die vielen Möglichkeiten einer hervorragenden Anschlagstechnik. Die Begeisterung bei den Zuhörern war so groß, dass schon nach dem ersten Satz Beifall aufbrandete.

Zartgliedrig und aus dem Inneren schöpfend kam das Adagio – auch hier erlebte man einen farbigen Wechsel und eine fantastische Tastenbeherrschung. Manchem Zuhörer werden die raumfüllenden Klänge vielleicht zu gewaltig gewesen sein, aber sie wechselten nahtlos mit zarten Passagen – man konnte nur staunen. Trotz des rasanten Tempos im Finale „Prestissimo“ ging keine Feinheit verloren gehen – brausender Beifall.

Im zweiten Teil des Konzertes erklang die Sonate in B–Dur, Deutsch–Verzeichnis 960, von Franz Schubert (1797-1828). Sie ist mit fast 40 min Dauer eines der umfangreichsten Werke der Klavier–Literatur. Die vier Sätze enthalten die Tempobezeichnungen, die der Komponist sich vorgestellt hat – aber jedem Interpreten ist natürlich die Wiedergabe freigestellt.

Zarte, feinfühlige Stellen mit sorgsam ziseliertem Aufbau wechselten auch hier mit flächig gebotenen Passagen. Manches geheimnisvolle Pianissimo, wie aus weiter Ferne kommend, ging über in choralartige Linien. Das Andante eröffnete mit zartem Anschlag eine romantische Welt; der bewegte Teil zeigte mit wechselndem Ausdruck eine hoch-künstlerische Interpretation. Der Satz schloss genauso geheimnisvoll, wie er begonnen hatte. Faszinierend, wie Fountain auch die zartesten Passagen zum vollen Klingen bringen konnte. Das Schluss-Allegretto erklang erneut sehr kräftig; bestimmt und zielstrebig packte der Künstler es an und führte die Komposition zu gewaltigen Tonkaskaden, die wieder zur Verhaltenheit abflauten und wie tastend wirkten. Diese Differenzierung ließ das ganze Konzert in einem besonderen Glanz erstrahlen.

Der herzliche Beifall führte zu einer Schubert-Zugabe: „Moment musical“ in f-moll.


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