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Eckernförder Zeitung

21. November 2017 | 20:30 Uhr

Serie : Hygiene fängt am Eingang an

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Teil 5: Hygiene gegen Keime in der Helios Ostseeklinik. Patienten-Screening und OP-Besteck-Aufbereitung in der ZSVA

von
erstellt am 10.Okt.2017 | 06:41 Uhr

Damp | Medizin – Gesundheit – Erholung – diese drei Säulen bilden die Basis für den Standort Damp. Jahr für Jahr zieht es viele Zigtausend Patienten und Urlauber an die Ostsee in Schwansen. In einer EZ-Serie wird der Standort und seine medizinische Bedeutung vorgestellt. Heute geht es um Hygiene.

Hygiene fängt mit dem Hände schütteln an – daher verzichtet Dr. Otto Kloppenburg, Chefarzt der Abteilung Orthopädie und Ärztlicher Direktor der Helios Ostseeklinik Damp, oft darauf. Dies ist seine persönliche und zusätzliche Sicherheitsmaßnahme und dient dem Ziel der Hygiene in der Fachklinik. Von der wiederum profitiert jeder Patient.

Schon wer als Besucher die Klinik betritt, kann sich am Eingang die Hände an einem Desinfektionsspender reinigen. Zusätzlich sind in den Stationen und den Zimmern Spender installiert. „Sobald ich ein Patientenzimmer betrete, dann desinfiziere ich die Hände“, sagt Kloppenburg. Dadurch wird aktiv etwas gegen die Verbreitung und Übertragung von Keimen getan. Die Händedesinfektion spielt bei der Eindämmung von Krankheitserregern eine entscheidende Rolle.

Die Sorge, von außerhalb der Klinik einen unerwünschten Keim in das Haus herein zubekommen, ist groß, stellt Kloppenburg fest, der zugleich hygienebeauftragter Arzt ist. Daher gibt es zahlreiche festgelegte Schemata, wie der Eintrag von Keimen erkannt, reduziert, im besten Fall verhindert, oder aber im Fall eines Eintrags unschädlich gemacht werden kann. Besonders gefürchtet werden bakterielle Infektionen durch die Keime: Methicillin resistenter Staphylococcus aureus (MRSA, Krankenhauskeim), Vancomycin resistente Enterokokken (VRE) und Multiresistente gramnegative Erreger (MRGN).

Jeder, der als Patient aufgenommen werden möchte, wird gemäß seinem persönlichen Risikos einem Screening unterzogen. Ergibt dieses Hinweise auf gefährlichen Keimbefall, muss er eine Behandlung zur Sanierung der Keimbelastung durchführen. Dafür kann der Patient in der Regel nochmal nach Hause gehen und die Maßnahmen wie antiseptische Waschungen und die Anwendung spezieller Nasensalben selber durchführen. Gelingt es dadurch nicht, die Erreger zu eliminieren oder kann der Patient – zum Beispiel aufgrund akuter Beschwerden – nicht länger warten, stehen in der Ostseeklinik spezielle Isolationszimmer zur Verfügung. Außerdem sorgen weitere, extra dafür ausgelegte Hygienevorgaben dafür, dass andere Patienten nicht in Gefahr sind.

„Hier hat eine Fachklinik natürlich große Vorteile gegenüber einem allgemeinen Krankenhaus“, räumt der Chefarzt ein. Während in der Spezialklinik für Wirbelsäule und Gelenke fast ausschließlich geplante Eingriffe erfolgen, ist das bei einer Klinik, in der Notfälle ausgeführt werden, nicht so einfach.

Auch Patienten ohne Nachweis von problematischen Keimen erhalten am Abend vor dem Eingriff eine spezielle Waschlotion. Damit wird die Keimbelastung der Körperoberfläche weitestgehend reduziert. Auch bei der Vorbereitung der Operationen und der Durchführung der Eingriffe gibt es weitere festgelegte systematische Schritte, um für optimale hygienische Bedingungen zu sorgen.

„Das Thema Hygiene ist immer wieder neu im Blick“, erklärt der Chefarzt, wobei bewusst alle Mitarbeiter im Haus immer wieder angehalten sind, sich an die festgelegten Abläufe zu halten. Die Mitarbeiter werden von speziell ausgebildeten Hygienebeauftragten geschult. In der Ostseeklinik ist das beispielsweise Hygienefachschwester Yvonne Post. Diese führt regelmäßig Begehungen durch, begleitet in der Klinik pflegerische und behandlungsrelevante Prozesse und korrigiert diese bei Bedarf. So wird gewährleistet, dass die Hygiene in der täglichen Arbeit nicht vergessen wird. „Je konsequenter verfahren wird, desto effektiver wird die Keimübertragung reduziert“, ist Kloppenburg überzeugt.

Seit 2012 sind alle Krankenhäuser in Deutschland nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) verpflichtet, die häufigsten infektionsrelevanten Erreger zu erfassen und zu dokumentieren. Als einzige Klinik der Region veröffentlicht die Ostseeklinik – wie alle Helios-Kliniken – diese Ergebnisse. Nach den aktuellsten Daten schneidet die Ostseeklinik im ersten Halbjahr 2017, wie schon in den Vorjahren – überaus positiv ab, wie Kloppenburg feststellt. So liegen die Fälle der gefürchteten Keime MRSA, VRE und MRGN, die Patienten beim Aufenthalt in Damp erworben haben, weit unter dem Bundesdurchschnitt: bei nahezu Null Prozent. Die Ergebnisse, die im Internet (

https://www.helios-gesundheit.de/unternehmen/was-wir-tun/medizin/hygiene/hygienezahlen http://www.helios-kliniken.de/medizin/helios-hygiene-portal/hygieneeinblick.htm

l) einsehbar sind, zeigen aber auch, dass die Zahl der Patienten, die mit einer Problemkeimbelastung beim Screening auffällt, ansteigt. Der Hauptgrund hierfür ist vermutlich der unkontrollierte Einsatz von Antibiotika. Dadurch werden immer mehr Erreger resistent, also unempfindlich gegen Antibiotika – und damit zum Problem. Umso wichtiger seien – auch im privaten Bereich – regelmäßiges richtiges Händewaschen und die Sensibilisierung für die Übertragungswege von Keimen.

Ein wichtiges Glied in der Hygienekette in der Ostseeklinik ist die Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA). Dort werden die medizinischen Instrumente für Operationen gereinigt und thermisch desinfiziert, danach von fachlich geschultem Personal verpackt und in drei Sterilisatoren (Autoklaven mit Dampfbetrieb) sterilisiert und den Operationsteams wieder bereitgestellt. Seit etwa zwei Jahren werden zahlreiche Artikel aus dem Bereich Anästhesie wie Masken oder Schläuche nicht mehr aufbereitet. Sie wurden aus Gründen der Hygiene und Patientensicherheit durch Einmalartikel ersetzt, erklärt die Abteilungsleiterin Ursula Schütz.

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