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Spektakuläre Aktion auf dem Kirchplatz : Hut ab – St. Nicolai ohne Dachreiter

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Turm der St. Nicolai-Kirche muss saniert werden und wurde mit einem Kran vom Kirchendach gehoben. Die Sanierung erfolgt vor Ort in einem Spezialgerüst.

Eckernförde | Schon von Weitem grüßt der Dachreiter der St.-Nicolai-Kirche als Wahrzeichen der Stadt. Er liefert ein oft zum Schmunzeln anregendes Bild mit der Frage: „Warum nur ist der Turm so schief?“ Sie ist bis heute nicht detailliert und historisch belegt zu beantworten ist. Fakt ist: Der Zahn der Zeit hat dem „schiefen Turm“ von Eckernfördes ältestem Bauwerk, der St.-Nicolai-Kirche, sehr zugesetzt.

Doch das soll nun korrigiert werden. Die Kirche wird seit einem Jahr saniert – und mit ihr soll nun auch der Dachreiter repariert werden. Morsche Pfosten erfordern das gesamten Abtragen des Kupferdaches. Gestern Vormittag hatten sich viele Schaulustige auf dem Kirchplatz eingefunden, denn nun hieß es für den Turm: „Runter vom Dach und auf zur Restaurations-Kur“. Knapp 500 Jahre reckte er sich stolz in die Höhe. Vermutlich wurde der Dachreiter um das Jahr 1520 zusammen mit dem Dach auf die Kirche gesetzt. Seine letzte Sanierung fand im Jahr 1770 statt.

Zwei große Autokräne standen links und rechts der Kirche in Position, Architekt Dietrich Fröhler hatte statisch alles genau berechnet: Das rund sechs Tonnen schwere und 16 Meter hohe Bauwerk mit einem Durchmesser von drei Metern musste von dem bereits sanierten Dachstuhl angehoben und vorsichtig in ein extra für diese Aktion konstruierte Gerüst am Boden gehoben werden – eine große Herausforderung für die beiden Kranführer.

Zwei Kräne waren dazu nötig. Während der eine einen Käfig mit den Zimmerleuten Jan Jöhnk und Kolja Reinhardt nach oben beförderte, sollte der andere den Dachreiter anheben und nach unten befördern. Doch erst mussten die Zimmerleute eine extra von der Zimmerei Schäfer angefertigte Konstruktion an dem Bauwerk befestigen und den Turm aus seiner Befestigung sägen.

Das war der Moment, in dem die Schaulustigen den Atem anhielten, doch alles klappte. Schließlich schwebten sechs Tonnen Turm in Zeitlupe über das Dach der St.-Nicolai-Kirche. Auch für einen versierten Kranführer eine schweißtreibende Arbeit, denn rund um die Kirche stehen Wohn- und Geschäftshäuser.

Dann begann die Präzisionsarbeit: Zentimeter für Zentimeter wurde der Turm in das am Boden stehende Gerüst herabgelassen. Mitarbeiter der Zimmerei gaben dem Turm mit den Händen behutsam die richtige Führung – Stück für Stück, bis der Turm sicher in dem von der Firma Nissen Gerüstbau extra angefertigten Gerüst stand. Das soll für einen sicheren Stand sorgen, denn der Dachreiter wird in den kommenden sechs bis acht Wochen hier auf dem Rathausmarkt von der Zimmerei Schäfer saniert. Christian Schäfer atmete erleichtert aus: „Natürlich ist es auch für uns eine ganz besondere Aufgabe. Nicht alle Tage haben wir so einen Auftrag.“

Für Spannung sorgte in der Zwischenzeit auch der Ausbau der beiden kleinen Glocken aus den Jahren 1647 und 1672, die zu den Viertelstunden läuten, denn diese wurden ebenso mit dem Kran herabgelassen. Die Stundenglocke wird in der Königlichen Glockengießerei in den Niederlanden restauriert.

Still und bedacht hatte Architekt Dietrich Fröhler ein Auge auf den Vorgang. Er ist seit vielen Jahren mit der Restaurierung sakraler, denkmalgepflegter Gebäuden vertraut. Auf Nachfrage einiger Zuschauer, ob der Turm denn nun kerzengerade wieder aufgerichtet wird, antwortet er schmunzelnd: „Etwas gerader wird er wohl sein, aber ein wenig schief wird er uns erhalten bleiben.“

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