zur Navigation springen

Zukunftswerkstatt der Grünen : „Human Touch“ für die Stadtentwicklung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Grüne stoßen Diskussion über neue Wege in der Stadtentwicklung an. Ein dänischer Stadtplaner schlägt mehr soziale Interaktionen und Raum für Begegnungen vor.

Eckernförde | An Großprojekten mangelt’s nicht: die Hafenspitze ist in Bau, die Nooröffnung konkret in Planung, das überfällige Kino, die Neugestaltung des Bahnhofgeländes und das Hotel auf dem Exer sind politisch gewollt. In Eckernförde ist viel in Bewegung, da hilft es, sich der Tragweite und der gewünschten Gesamtentwicklung bewusst zu werden. „Qua vadis, Eckernförde – Zukunftsstadt heute denken“ – haben die Grünen in Eckernförde ihre kleine Zukunftswerkstatt genannt, die am Mittwochabend im alten Volkshochschulgebäude ihre Arbeit aufgenommen hat. Vorsitzender Joschka Knuth hat das Impulsreferat mit vielen Anregungen des dänischen Architekten und Stadtplaners Jan Gehl gehalten, anschließend verprobten die über 20 Teilnehmer – darunter auch Ratsmitglieder des Bürger-Forums, des SSW und der Linken –, die gewonnenen Erkenntnisse an drei Arbeitstischen zu den Themen Mobilität, öffentlicher Raum und Bahnhof / Kieler Straße Süd mit den Realitäten und Wünschen für die Eckernförder Stadtentwicklung.

Übergeordnetes Ziel der für alle Interessenten offenen Mitgliederversammlung war die Rückkopplung der Großplanungen auf die Bedürfnisse und Wünsche der Bürger, die künftig darin und damit leben müssen. Die Leitfragen: „Für wen machen wir das eigentlich?“ und „Wie müssen die Räume gestaltet sein, dass die Menschen glücklich sind?“ Genau darum geht es dem dänischen Stadtplaner Jan Gehl, dessen humanen Ansatz der Stadtplanung Joschka Knuth in den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellte. „Human scale“ nennt Gehl seinen Denkansatz: Wwas bringen die Projekte für die Bürger? Der dänische Stadtplaner habe das sehr konsequent und erfolgreich in Kopenhagen angewandt und umgesetzt, berichtete der Geografiestudent und Vorsitzende der Grünen in Eckernförde. Gehl habe den Mensch nach dem Prinzip der „alltäglichen Regionalisierung“ in den Mittelpunkt seiner Stadtplanung gestellt, entsprechend sind die öffentliche Räume auf deren Bedürfnisse ausgerichtet worden. In erster Linie bedeutet das für die innerstädtische Planung: Entschleunigung der Verkehrsströme, Reduzierung der Autos, Schaffung vieler sozialer Interaktionsmöglichkeiten. Menschen, die sich begegnen und miteinander in Kontakt treten können, fühlten sich glücklicher, gab Knuth die zentrale Botschaft des dänischen Kult-Architekten wieder. Ausdrücklich verzichte Gehl in seiner Stadtplanung auf die Aufstellung eines übergeordneten Masterplans.

Auch Grenzen und Barrieren spielten an dem Abend eine Rolle, und zwar ganz konkret in der Innenstadt. Knuth nannte beispielsweise den Eingang zur Kieler Straße Süd, der optisch durch den blauen Wegweiser und das Mobiliar der Cafés und Schnellrestaurants verstellt und als Barriere wahrgenommen werde. Ebenso die Reeperbahn: dort sorge der fließende Verkehr für eine Barriere zur Innenstadt. Wer mit dem Fahrrad oder zu Fuß statt mit dem Auto in der Stadt unterwegs sei, erlebe diese „deutlich bewusster“, sagte Knuth.In Kopenhagen hätte das Fahrrad mittlerweile einen Anteil von 40 Prozent am innerstädtischen beruflichen Verkehrsaufkommen. Auch bei uns gebe es in größeren Städten immer mehr Initiativen wie zum Beispiel das Studenteninitiative „Kieler Tretwerk“: dort können Räder ausgeliehen werden, auch Lastenräder zum Transport von Getränkekisten und sogar Kindern.

Weitere Anregungen zur sozialen Interaktion und zum entspannteren Miteinander steuerte der Vorsitzende der Grünen in Form eines Videos bei, in dem zur Kommunikation einladende Sitzmöbel als Kunst im Raum aufgestellt sind, die „den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern“, wie der Künstler Jeppe Hein sagte. Seine blauen Bänke weisen den 600 Meter langen Weg von der Metro-Station bis zum Aquarium „Den Blå Planet“ in Kastrup in der Kommune Tårnby, einer Vorstadt von Kopenhagen. Ähnliches könne auch in Eckernförde stattfinden, hier biete sich der Hafen als Kommunikationsort besonders an, sagte Knuth.

Mit diesen umfassenden Informationen „geimpft“ machten sich die Anwesenden an die konkrete Arbeit zu den Themen öffentlicher Raum, Bahnhof / Kieler Straße Süd und Mobilität. Die wichtigsten Ergebnisse: Im öffentlichen Raum fehlt es an Gelegenheiten, die zum Dialog und zum Naturerleben vor allem mit dem Wasser einladen, gelobt wurde die Gestaltung der Lachsenbachmündung am Borbyer Ufer. Gewünscht wurde zudem mehr Windschutz. Am Bahnhof müssten ein Kino, ein auch nachts geöffneter Supermarkt und Tagungsräume entstehen, um diese „super-interessante Location“ (Knuth) zu beleben. Auch Büroräume zum Beispiel für TÖZ-Firmen wären vorstellbar. Verbunden werde müsse dies mit einer Aufstockung des Parkplatzes am Grünen Weg mit Übergang in die Innenstadt. Auch der Parkplatz Schulweg sollte aufgestockt werden und um eine Fahrradstation und gegebenenfalls auch Büroflächen erweitert werden. Weiterer Wunsch war, die Innenstadt zumindest temporär autofrei zu halten, um Fußgängern und Radfahrern Freiräume zu gewähren. Die Einrichtung von Fahrradstraßen, die nicht beparkt werden dürfen und auf denen die Radfahrer Vorrang haben, wurde ebenfalls als Ziel genannt.

Die Grünen wollen ihren innovativen Prozess fortsetzen, sagte Knuth. Am 19. Januar um 19 Uhr wird im OIC der Film „The Human Scale“ gezeigt, auch weitere Workshops sind geplant.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 19.Nov.2015 | 18:52 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen