„Leben bis zuletzt“ : Hospiz-Initiative feiert 20-Jähriges

Der Leitungskreis der Hospiz-Initiative (l.): Ulla Bruhn-Rath, Jürgen Hess, Regine Black und Dieter Nottrott.
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Der Leitungskreis der Hospiz-Initiative (l.): Ulla Bruhn-Rath, Jürgen Hess, Regine Black und Dieter Nottrott.

30 geschulte Ehrenamtliche begleiten Sterbende und ihre Familien. Zum Jubiläumsauftakt gibt es ein Harfenkonzert am 16. April in der Borbyer Kirche.

shz.de von
12. April 2018, 06:24 Uhr

Eckernförde | Als sich vor 20 Jahren die Hospiz-Initiative Eckernförde gründete, waren Tod und Sterben in der Öffentlichkeit noch häufig Tabuthemen. „In unserer Ausbildung zur Krankenschwester haben wir damals nichts darüber gelernt“, erinnert sich die Hospiz-Koordinatorin Ulla Bruhn-Rath. „Man war hilflos.“ Heute ist das anders, und dazu hat auch die Hospiz-Initiative beigetragen, die in diesem Jahr mit mehreren Veranstaltungen ihr 20-jähriges Bestehen feiert.

Am 16. April 1998 gründete die Krankenhauspastorin Christa Loose-Stolten zusammen mit Petra Blümel, Marion Loh, Gertraud von Mutius und Christina Grundwald die Hospiz-Initiative des Kirchenkreises Eckernförde. Die Zeit war reif dafür: Überall in Deutschland entstanden zu dieser Zeit ähnliche Einrichtungen. „Das Verhältnis zum Tod hatte sich geändert“, erklärt Jürgen Hess aus dem Hospiz-Leitungskreis. „Früher war es normal, wenn die verstorbene Großmutter zu Hause aufgebahrt wurde, später wurden Kinder sogar von Beerdigungen ferngehalten.“

Die Hospiz-Initiative hat das Ziel, Schwerkranken und Sterbenden ein Leben bis zuletzt in Würde und Selbstbestimmung zu ermöglichen. Gespräche gehören dazu, aber auch einfach die Präsenz am Krankenbett, um Angehörige zu entlasten. 30 Ehrenamtliche engagieren sich in der Begleitung der Erkrankten und der Angehörigen. Die Arbeit darf jedoch nicht einzig mit Tod und Trauer in Verbindung gebracht werden. „Unser Motto lautet: Leben bis zuletzt“, sagt Ulla Bruhn-Rath. „Wir reden nur über den Tod, wenn die Betroffenen es wünschen, sonst geht es um alles mögliche. Wir lachen und scherzen auch viel.“ Oft werden die betroffenen Familien über einen längeren Zeitraum begleitet, die Ehrenamtlichen stehen den Angehörigen bei vielen Lebensfragen hilfreich zur Seite – und das zu Hause, im Krankenhaus, im Pflegeheim oder in der Hospizeinrichtung. Das Angebot steht allen Menschen kostenlos zur Verfügung.

Die Ehrenamtlichen werden in Kursen, die sich über ein Jahr erstrecken, für ihre Tätigkeit ausgebildet. Sie unterliegen der Schweigepflicht und haben unterschiedliche Motivationen für ihre Tätigkeit. Während die einen auf der Suche nach einer sinnvollen Tätigkeit sind, haben andere wie Jürgen Hess einen konkreten Ansatz: „Meine Mutter lag sterbend im Krankenhaus. Wegen ihres Stöhnens aufgrund der Schmerzen wurde sie auf den Flur geschoben, wo ich sie drei Tage lang begleitet habe, bis sie starb.“

Ulla Bruhn-Rath übernahm 2000 mit Bettina Röhlk als neuer Krankenhauspastorin die Leitung der Initiative, wurde 2004 als hauptamtliche Koordinatorin mit Büro im St.-Martin-Altenhilfe-Diakonie-Zentrum eingestellt. In den vergangenen 20 Jahren gab es verschiedene Neuerungen: So entwickelten hauptamtliche Pflegekräfte und Ehrenamtliche neue Strukturen zur Sterbebegleitung im Krankenhaus. Die Initiative gab einen „Koffer der Möglichkeiten“ heraus mit Utensilien, um einen Raum für Kranke angenehmer zu gestalten. Hinterbliebene finden in einem Trauercafé Ansprechpartner, während im „Café Ende“ an jedem zweiten Mittwoch im Monat von 16 bis 17 Uhr im Café Heldt Leute zusammenkommen, um zwanglos über das Thema Sterben zu reden.

Den Auftakt der Jubiläumsveranstaltungen macht ein Harfenkonzert von Michael David in der Borbyer Kirche am 16. April um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei. Es folgen im Monatstakt Vorträge, Lesungen, eine Pantomime-Vorführung, Theater und die Teilnahme am Lauf ins Leben.

>www.hospiz-initiative-eckernfoerde.de

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