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zum glück nur eine übung : Horrorvision – Feuer im Altenheim

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Eine Feuerwehrübung im Neubau des Hauses Schwansen mit 70 Feuerwehrleute von sechs Ortswehren proben Ernstfall. Die Alarmierung klappte nicht.

shz.de von
erstellt am 21.Mär.2015 | 06:32 Uhr

RIESEBY Eine Horrorvorstellung – Feuer in einem Seniorenheim. Vewirrte Bewohner, die um Hilfe rufen, die meisten von ihnen höchstgradig dement. Feuerwehrleute, die sich im Gebäude nicht auskennen und vor lauter Rauch nichts erkennen können. Atemschutzträger, die die Heimbewohner aus ihren Betten holen müssen. Diese klammern sich ängstlich an ihre gewohnte Umgebung, verstehen nichts und wollen ihre Zimmer nicht verlassen, während das Feuer mittlerweile den ersten Stock erreicht.

Damit genau das nicht passiert, übten am Donnerstagabend sechs Ortswehren den Ernstfall. Rund 70 Feuerwehrmänner und -frauen von Rieseby, Kosel, Bohnert, Zimmert, Loose und Barkelsby wurden um 18.38 Uhr offiziell arlamiert. Das Szenario: Feuer, das sich nach oben in den ersten Stock frisst, ausgebrochen in der Wäschekammer des neuen Anbaus des Hauses Schwansen, neun Menschenleben sind in Gefahr.

Amtswehrführer Jens Reinhold und Heimleiterin Christine Petersen hatten vor drei Monaten diesen Tag für eine Übung festgelegt. Noch war der Anbau leer, die neuen Bewohner der acht Zimmer kommen erst am Montag. „Die einzige Gelegenheit, den Brandschutz und die Rettung vor Ort zu üben“, so Petersen, „das ist eine Übung in der Hoffnung, dass so etwas niemals passiert“, sagte die Leiterin und betonte die gute Zusammenarbeit mit der Wehr. Durch den Neubau stehen im Haus Schwansen 69 Plätze zur Verfügung.

Acht Mitglieder des Mühlenvereins und der Bürgermeister, Jens Kolls, mimten die dementen Bewohner. 18 Atemschutzträger, neun Trupps à zwei Mann, hatten die Aufgabe, sie aus den Zimmern zu bergen. Jens Kolls spielte Frau Metzger, die bewegungsunfähig in einem speziellen Rollstuhl in einem völlig dunklen Zimmer im ersten Stock lag. Auf die Ansprechversuche der beiden Atemschutzträger ging Kolls nicht ein, half nicht mit und wurde schließlich die Außentreppe hinunter getragen und in das DRK-Zelt zur Erstversorgung gebracht. Bewährt hat sich der Notfallstab des Hauses Schwansen. Die Mitarbeiter Markus Preuß und Yvonne Ostermann waren das Bindeglied zwischen dem Heim und der Feuerwehr. Sie hatten Listen mit den Namen und Zimmernummern der Bewohner sowie alle Schlüssel bei sich.

„Sicherheit vor Schnelligkeit“ nannte der Einsatzleiter, Heiko Hoop, Wehrführer in Rieseby, das Vorgehen. Schließlich sei vielen Kameraden der Umgang mit den Materialien Rollstuhl oder Notfallmatratze völlig unbekannt gewesen. So wurden statt der Matratzen Rettungsbahren vewendet. Er zog ein positives Fazit der Übung. So habe die Zusammenbarbeit zwischen Feuerwehrleuten, Heimmitarbeitern und DRK-Rettungspersonal gut geklappt. Ein wesentliches Kriterium der Übung war die Schaffung eines Bereitstellungsraumes für alle 16 Einsatzfahrzeuge in den engen Straßen. „Es muss Ordnung in den Raum gebracht werden, um ein Chaos zu verhindern“, so Amtswehrführer Reinhold. Das sei gelungen. Nicht erfolgreich war die Alarmierung. Aufgrund eines Fehlers in der Leitstelle hat das Einsatzwort den Alarm nicht ausgelöst, die Meldeempfänger funktionierten nicht, die Sirenen gingen nicht – sie wurden nachträglich geschaltet. Der erste Alarm war um 18.50 Uhr zu hören. Zu spät für den Ernstfall.

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